Anspruchsvolle Millennials

24. April 2019 11:29; Akt: 24.04.2019 11:29 Print

Werdende Eltern erwarten, dass andere für sie kochen

Ein junges Paar, das bald ein Baby bekommt, bittet Nachbarn, sie mit Mahlzeiten zu versorgen. Die hohen Ansprüche der beiden machen Social-Media-Nutzer wütend.

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Jim Burns und seine Frau Alex haben den Zorn der Netzgemeinde auf sich gezogen. Das Paar aus dem Quartier Fishtown in der Stadt Philadelphia erwartet sein erstes Kind gegen Ende April. Vor wenigen Tagen baten die beiden via eine Crowdsourcing-Website ihre Nachbarn, «in dieser neuen Phase unseres Lebens» für sie zu kochen und ihnen bei den Haushaltsarbeiten zu helfen.

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Kommen Sie als Eltern manchmal auch an Ihre Grenzen?

Jim und Alex haben kürzlich ein Inserat auf «Meal Train» veröffentlicht, einem Social-Media-Netzwerk, das Freunden, Nachbarn und Angehörigen erlaubt, Mahlzeiten für Menschen in einer Notsituation zu spenden. Hilfsbereite kochen Gerichte vor allem für diejenigen, die sich nach einer Operation, einer Krankheit oder der Geburt eines Babys erholen müssen. Das Konzept ist einfach, es hat dabei aber zwei klare Regeln: Niemand gibt eine Anzeige für sich selbst auf, und es muss wirklich einen triftigen Grund dafür geben.

Von Lachs bis Eintöpfe «nach Schweizer Art»

Das Paar hat das offenbar anders verstanden – und stellte auf seiner Anzeige hohe Ansprüche: So posteten die beiden zum Beispiel eine Liste mit über 30 ausgefallenen Gerichten, die sie gerne essen würden. Sie erwarten etwa «hausgemachte Burritos, die sich zum Tiefkühlen eignen», «Lachsküchlein mit Süsskartoffeln» oder «Mangoldeintopf nach Schweizer Art». Doch nicht genug damit, die werdenden Eltern um die 30 wünschen sich auch, dass ihre Nachbarn sie mit «Schokolade mit 70 Prozent Kakao» oder «frischen Bio-Früchten» beliefern. Dazu kommt: Man solle sie bitte nicht stören. Das Gratis-Essen könne gerne «in der grossen Kühlbox im Vordergarten» gelegt werden.

User Jack Jokinen platzte der Kragen, als er das las: «Das ist die am meisten nach Millennial klingende Formulierung, die ich je in meinem Leben gelesen habe», twitterte er empört. Hinter dem Inserat steckten tatsächlich Menschen, die von Fremden erwarten, dass sie für sie kochen, staubsaugen oder Teller waschen. «Wenn ich ihr Haus nicht mit Eiern bewerfe, habe ich eine Auszeichnung verdient», so Jokinen.


Das Netz kocht vor Wut

Die Reaktionen auf seinen Tweet waren heftig. «Ich habe Krebs im Endstadium und lebe allein. Ich würde nie erwarten, dass Fremde so etwas für mich tun. Diese Leute sind geistesgestört», kommentierte Userin Phyllis den Post. «Meine Mutter hat 10 Kinder allein grossgezogen, mein Vater war Alkoholiker. Sie hat niemals um Hilfe gebeten. Dieses Inserat macht mich wütend», schreibt ein Nutzer namens Coffeedude.

«Jim, wenn du Zeit hast, eine Liste mit 30 Rezepten zu posten, dann kannst du auch was vorkochen», schlägt eine Userin vor. Ein weiterer Nutzer fragt, ob es nicht vielleicht eine gute Idee wäre, Take-away zu bestellen. Für Userin Marisa Reinoso ist das Ganze einfach «ein faszinierendes soziales Experiment».





Nach der Kritik-Flut hat das Paar die Anzeige gelöscht und sein Konto auf Meal Train deaktiviert.

Wie war das bei Ihnen, als Ihr erstes Kind zur Welt kam? Haben Sie um Hilfe gebeten? Erzählen Sie uns von Ihrer Erfahrung im Kommentarfeld.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Milo am 24.04.2019 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Wenn man vög.....kann, kann man auch kochen. Ego Eltern in Spe werden wieder ein Ego-Kind aufziehen.

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  • Rodney McKay am 24.04.2019 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Social Media

    Social Media Users = Millenials, Snowflakes, Gschpührsch-Mi-Gesellschaftsmitglieder und sonstige "relevante" Zeitgenossen, die eher gegen den geringsten Widerstand sind als etwas zu reissen...

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  • Minnie Mouse am 24.04.2019 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir bekamen die Mahlzeiten als Geschenke!

    Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, darum zu bitten, aber genau das passierte uns in den USA: anstatt Geschenken für das Neugeborene erhielten wir von den Nachbarn Menüs geschenkt - wir mussten während zwei Wochen nicht Kochen! Eine Superidee, noch dazu weil man in den USA 24 Stunden nach der Geburt das Spital verlässt! Das war besser als jedes Geschenk!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tra Volta am 25.04.2019 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    materialisten

    ...viele werdende eltern verhalten sich wie meghan markle. berechnende konsum-materialisten, ihre kinder sollen andere dann gefälligst erziehen. solche menschen sollten keine kinder kriegen dürfen.

  • Peter am 25.04.2019 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    meine Güte!

    Das Netz kocht vor Wut! haha...wenn man sich über alles im Netz aufregt, dann wird man nicht alt.

    • Bartli am 25.04.2019 13:04 Report Diesen Beitrag melden

      Verwöhnt/verweichlicht/Alternativlos?

      Wenn ein Kind kommt, da sind gelegentlich Hilfen seitens Freunde und der Grosseltern auch völlig normal und schön. Aber auch dies wird schon oft übertrieben. Grosseltern rennen bis 2 x wöchentlich, oft über Jahre, als ob sie kein eigenes Leben mehr hätten. Nun haben ja Väter auch Geburtsferien und ich hoffe man finanziert das nicht um sonst. Verschiedene Situationen lassen sich nicht verallgemeinern, auch dies ist klar. Eine Folge der Entwicklung eben auch. Erwartungen wie oben beschrieben sind der Hammer, falls nicht einfach ein Experiment. Prinzessinnen/Herzoginnensyndrom würde ich meinen.

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  • Fraz am 25.04.2019 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sagt schon viel....

    All die Klönerinnen hier wollen aber nach Drei Monaten wieder ihren "Mann" im Berufsleben stellen? Wozu sie aber naturgegeben prädestiniert und bestens ausgerüstet sind, schaffen sie kaum und ist ihnen zu viel? Na ja, so viel dann auch gleich zu den starken Mamis in der Arbeitswelt....

  • Frau Schweizer am 25.04.2019 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach was

    Soso, die erwarten das. Einfach nein sagen und fertig!

    • Koni am 25.04.2019 10:00 Report Diesen Beitrag melden

      Erwartungen

      Sehe ich genau so...wer Erwartungen hat, wird sowieso oft enttäuscht.

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  • Mommy am 25.04.2019 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Gegenseitig helfen

    Meine Mama brachte manchmal etwas mit oder kam morgens kurz vorbei und half mir im Haushalt :) Den Haushalt kann man anfangs so oder so ein wenig stehen lassen.

    • Starke Frau am 25.04.2019 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mommy

      Schön, wenn ein Mami da ist das hilft. Seit meinem 9. Lebensjahr habe ich keines mehr. Am 3. Tag nach der Geburt meines Kindes ging ich nach Hause. Eine Woche Unterstützung durch meinen Mann. Und dann habe ich selber und alleine funktioniert. Es hat bestens geklappt. Wir starken Frauen schaffen das doch!

    • Bartli am 25.04.2019 13:07 Report Diesen Beitrag melden

      Oft ist es so, Medien bieten Vorbilder

      Verwöhnte Prinzessinnen oft. Vö...lt dann, wenn ihr auch die Folgen selber meistern könnt. Also ob eine Geburt eine Krankheit wäre. Einige Tage Hilfe sollten auch reichen.

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