Rohingya in Bangladesh

14. März 2019 21:59; Akt: 15.03.2019 11:07 Print

Assamala verzaubert alle mit ihrem Lächeln

Als die kleine Assamala den Rohingya-Camp in Bangladesh erreichte, war sie sehr krank. Heute ist jener Arzt, der ihr das Leben rettete, ihr «Onkel».

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die dreieinhalb Jahre alte Assamala Bibi hat schon viel Leid erlebt: die Vertreibung aus ihrer Heimat Burma, die gefährliche Flucht ohne ihre Eltern, Krankheit und Schmerz. Dennoch strahlt die Kleine vor Lebensfreude. Jeden Morgen erreicht sie als Erste die Klinik von Dr. Jafar in ihrem Flüchtlingscamp in Bangladesh. Am Abend ist sie die Letzte, die geht. Für Assamala ist Dr. Jafars Klinik eine Art Spielecke, in der sie sich aufgehoben fühlt.

Paola Barioli von Medair lernte Assamala letzten Herbst kennen, als die Schweizerin die Klinik besuchte, die mit der Unterstützung der Hilfsorganisation aufgebaut wurde. Die Geschichte des Mädchens beeindruckte sie: Das Kind war zusammen mit seiner älteren Schwester nach Bangladesh gekommen, wo es seit August 2018 mit seiner Grossmutter in einem Flüchtlingscamp wohnt. Nachdem die Lage für die Angehörigen der ethnischen Minderheit der Rohingya immer unsicherer wurde, baten Assamalas Eltern ihre Nachbarn, ihre Tochter auf ihre Flucht nach Bangladesh mitzunehmen.

Der verhasste Arzt ist jetzt ihr «Onkel»

Die anstrengende Reise nahm Assamala sehr mit. Im Lager angekommen, hatte sie hohes Fieber und konnte kaum schlafen oder essen. Die Grossmutter brachte sie zu der neuen Klinik oben auf dem Hügel, die Patienten kostenlos behandelt. Die Begegnung mit Dr. Jafar war keine Liebe auf den ersten Blick: Assamala weinte und liess nicht zu, dass der Arzt sich ihr näherte. Erst als er mit Antibiotika ihre Mandelentzündung heilen konnte, wuchs das Vertrauen. Und irgendwann nannte Assamala Dr. Jafar «Onkel».

Assamalas Geschichte ist eine von vielen. «Es gibt zahlreiche Fälle von Kindern, die die Reise nach Bangladesh mit anderen Erwachsenen antreten, die nicht ihre Eltern sind», sagt Barioli zu 20 Minuten. Die leiblichen Eltern würden die Kinder in ihrer Verzweiflung Angehörigen oder Bekannten anvertrauen. «In den meisten Fällen verlieren sie den Kontakt zu den Kindern. Auch Assamala hat keinen Kontakt mehr zur Mutter. Sie wird sie wohl in nächster Zeit auch nicht treffen, da die Eltern nicht das nötige Geld haben, um nach Bangladesh zu flüchten.»

Medair hilft, sichere Hütten zu bauen

Kutupalong ist das grösste Flüchtlingslager der Welt. Rund 800'000 Mitglieder der muslimischen Bevölkerungsgruppe Rohingya haben sich seit Sommer 2017 hier niedergelassen, nachdem sie aus Burma vor Mord, Folter und Vergewaltigung über die Grenze geflohen waren.

Die Helfer von Medair kümmern sich darum, dass die einfachen Hütten aus Bambus und Planen stabiler sind. «Wir sorgen dafür, dass die Behausungen während der Monsunzeit Regen und Wind standhalten und die Unterkünfte einem menschenwürdigen Dasein entsprechen», sagt Barioli. Auch Strassen und die steilen Hänge, die zu den Hügeln führen, werden gesichert.

Die Bewohner von Kutupalong träumen davon, eines Tages nach Burma zurückzukehren, an den Ort, den sie ihr Zuhause nennen. Sie wollen aber erst zurückgehen, wenn sie dort eine sichere Zukunft für ihre Kinder aufbauen können – und das ist ihrer Ansicht nach derzeit nicht der Fall.

(kle)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Te Rasse am 14.03.2019 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts ist ehrlicher

    Als das Lachen eines Kindes.

    einklappen einklappen
  • EMMM am 14.03.2019 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Kinder

    Sind ein Teil einer Tragödie, in einer grösseren Tragischen Zusammenhang. Es sind letztendlich, die Erwachsenen Leute die solche Tragödie erst recht Provozieren, und sich in immer Komplexeren Konflikte Zusteuern, bis man in einer Sackgasse landet.

    einklappen einklappen
  • Elmar M am 14.03.2019 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke für diesen Artikel. Endlich mal wieder etwas lesenswertes.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • EMMM am 15.03.2019 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zitat

    ((Dennoch strahlt die Kleine vor Lebensfreude)) Ich strahle nicht mehr vor Lebensfreude, wenn man sieht was die Menschheit anrichtet. Ich hoffe dass die Kinder selbst in Zukunft, weiterhin ihre Lebensfreude ausstrahlen können.

    • EMMM am 15.03.2019 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @EMMM

      Was solls, ist am ende eh nicht mein Problem, betrifft mich gar nicht wenn die Menschheit, anfängt sich gegenseitig zu Terrorsieren. Man geht den ganz Normalen Alltag nach, und der Tod ist allgegenwärtig. Man macht das beste aus, dem bitteren Nachgeschmack, die zur Norm wird.

    einklappen einklappen
  • Stefan P. am 15.03.2019 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön und traurig

    Den ein paar 1000km entfernt erhält ein CEO ein paar Mio und könnte dort mit wenig aufwand unterstützen. Naja, vielleicht tun es ja ein paar, es liest sich nur nirgends. PS: mit spenden meine ich nicht in die eigene Stiftung...

  • Heidi Heidnisch am 15.03.2019 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rohingya

    Obwohl die Geschichte der Rohingya bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgt werden konnte, erkennt das Gesetz von 1982 die ethnische Minderheit nicht als eine der acht "nationalen indigenen Rassen" in Myanmar an, und können somit keine Staatsangehörigkeit erwerben. Sie sind auch in Bezug auf Freizügigkeit, öffentliche Bildung und Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst eingeschränkt. Die rechtlichen Bedingungen, denen sich die Rohingya in Myanmar gegenübersahen, wurden weitgehend mit der Apartheid verglichen. (Laut "Human Rights Watch")

    • Lemon am 15.03.2019 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi Heidnisch

      Super, dass Sie das nochmals aufzeichnen. Ich kann nicht verstehen - wie man als Tourist in ein solches Land reisen kann.

    • leser 20min am 15.03.2019 11:13 Report Diesen Beitrag melden

      Und buddh. Mönche wie Ashin Wirathu?

      @Heidi, hier geht es aber nicht um Myanmar und die von Dir nicht erwähnten Mönche, sondern um Bangladesh. @Lemon, und auch Ihren Kommentar kann ich nicht nachvollziehen. Boykottieren Sie auch die USA, weil deren Militär Agent Organge oder Atombomben abgeworfen haben? Auch wenn die Rohingya nur eine kleine Region bewohn(t)en, ist es immer besser, sich persönlich vorort ein Bild von der Situation zu machen, als nur pointierte Artikel zu lesen. Der Konflikt ist nämlich sehr weitreichend.

    einklappen einklappen
  • zürcherin am 15.03.2019 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kind

    ....warm setzten die arme leute soviele kinder in die welt? wer soll für die sorgen;europa kann nicht die ganze welt retten.

  • Art. am 15.03.2019 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @wie clever

    Wer psychisch gesund ist, und z.Bsps. wegen der Überbevölkerung nicht mehr selbst länger Belastung der Natur sein möchte, KANN das ja dort abklären lassen. Das muss ich wissen: ausgebildete Therapeuten entscheiden ob jemand aus dem Leben scheiden darf.