Déjà-vu in Pjöngjang

29. Dezember 2011 17:56; Akt: 30.12.2011 10:21 Print

Wie der Kim, so der Kim

von Katrin Moser - Die Beerdigung des Diktators Kim Jong-Il war identisch mit jener seines Vaters Kim Il-Sung vor 17 Jahren. Selbst die Zweifel an der Intelligenz der Kims kamen wieder auf.

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Wer die Bilder von Kim Jong-Ils Beerdigung in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang sah, hatte ein Déjà-vu: Die Trauerfeier des «Geliebten Führers» am 28. Dezember 2011 schien ein exaktes Remake jener des «Grossen Führers» Kim Il-Sung am 19. Juli 1994 zu sein – mit denselben Szenen und denselben Rollen.

Es traten auf: ein toter Kim und ein Nachfolger-Kim. Ausserdem: Massen von herzerweichend weinenden Menschen sowie finstere Militärs, die sich Tränen aus dem Gesicht wischten. Auch die Szenerien der beiden Beerdigungen glichen sich: 1994 wie 2011 wurde eine öffentliche Gedenkzeremonie auf einem grossen Platz abgehalten – im Original vor einer überlebensgrossen Statue, im Remake vor einem überlebensgrossen Bild des Führers.

Einzig beim Wetter... Tatsächlich?

Damals wie heuer wurde der Leichenwagen durch die Paradestrassen Pjöngjangs gefahren – hinter einem Wagen mit einem riesigen Porträt des Verstorbenen. Bei den Autos handelte es sich beide Male um einen Lincoln Continental, Jahrgang 1976, mit einem 7,5 Liter-V8-Motor. Und selbstredend wurden beide Leichname in einem Blumenmeer im Kumsusan-Mausoleum aufgebahrt. Wie vor 17 Jahren wurde auch gestern der designierte Nachfolger – ein Sohn des Verstorbenen – gekonnt als Nachfolger in Szene gesetzt.

Einzig beim Wetter konnte beim besten Willen keine Parallele festgestellt werden. Tatsächlich? Der «Grosse Führer» wurde im Hochsommer zu Grabe getragen, der «Geliebte Führer» im tiefsten Winter. Doch es sind die Extreme, die es ausmachen: Nach dem Hinscheiden von Kim Il-Sung am 8. Juli 1994 erhoben sich gemäss staatlicher Mythenbildung urplötzlich gigantische Wellen im sonst spiegelglatten Vulkansee des Paektusan. Kurz darauf soll ein schrecklicher Sturm mit sintflutartigen Regenfällen gewütet haben.

Entsprechend erklärten die kontrollierten nordkoreanischen Medien die Eiseskälte bei der Beerdigung von Kim Jong-Il nicht mit der Jahreszeit, sondern stellten sie als übersinnliches Phänomen dar, das mit dem Tod des «Geliebten Führers» zusammenhänge.

Weitere Parallele: Zweifel an der Intelligenz

Eine Wiederholung, die nicht in der Hand der nordkoreanischen Regisseure lag, bestand darin, dass ausländische Medien beide Male Zweifel an der Intelligenz des jeweiligen kommenden «Führers» äusserten.


Abdankungsfeier des «Grossen Führers» Kim Il-Sung am 19. Juli 1994. (Quelle: Youtube)


Abdankungsfeier des «Geliebten Führers» Kim Jong-Il am 28. Dezember 2011. (Quelle: Youtube)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lesab am 30.12.2011 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    überlebensgrossen Statue

    "überlebensgrossen Statue" hehe dafür würden 1,80m völlig ausreichen ;)

  • Marie am 30.12.2011 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Gemein

    Bild Nr. 17 ist sooo gemein! :-)) Und fies kommentiert :-). Damit's mich nicht ganz "verhaut" rufe ich das zweite Gefühl in Erinnerung, das mir dieses Bild beschert: Unbehagen, wenn ich diesen Blick sehe. Der hat eindeutig zwei Bedeutungen.

  • Pirat2222 am 29.12.2011 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    falsch investiert!

    mit dem Geld für die Kosten der sinnlosen "Ausstellung" beider Leichname könnte man wohl locker tausende hungernde Nordkoreaner ordentlich ernähren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf am 31.12.2011 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    sie sollen alle abdanken

  • Tinu am 30.12.2011 20:42 Report Diesen Beitrag melden

    Was solls?

    Wenigstens haben die es nicht so schwierig und müssen sich keinen neuen Namen merken von ihrem Anführer, die heissen ja alle "Kim"! Ist das nicht auch ein Frauennamen?

  • Marie am 30.12.2011 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Gemein

    Bild Nr. 17 ist sooo gemein! :-)) Und fies kommentiert :-). Damit's mich nicht ganz "verhaut" rufe ich das zweite Gefühl in Erinnerung, das mir dieses Bild beschert: Unbehagen, wenn ich diesen Blick sehe. Der hat eindeutig zwei Bedeutungen.

  • lesab am 30.12.2011 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    überlebensgrossen Statue

    "überlebensgrossen Statue" hehe dafür würden 1,80m völlig ausreichen ;)

  • Hans Tobler am 30.12.2011 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt schlimmere im Westen

    Im Gegensatz zu westlichen "Demokratien" hat er nie Krieg geführt.

    • Thomas am 30.12.2011 11:06 Report Diesen Beitrag melden

      Bullshit

      Ja nur das er Südkorea den Kommunismus zurückbringen wollte... Wie hatte er das gemacht gehabt? Mit Wattebällchen oder Mühlespielchen? Nein so kommt man nicht vom Norden ans Meer in den Süden.

    • Jürgen am 30.12.2011 11:16 Report Diesen Beitrag melden

      stimmt

      Da haben Sie garnicht mal so Unrecht.

    • Venty am 30.12.2011 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      Koreakrieg

      Wozu auch noch einen Krieg anfangen? Nordkorea befindet sich ja seit 1953 theoretisch immer noch im Krieg mit Suedkorea.

    • Tubu am 30.12.2011 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      Ja genau...

      Aber sein Volk stirbt weil es nichts zu essen hat und er all sein Geld in den Militärapparat steckt. Zieh dir das einmal rein...

    • Anonymous am 30.12.2011 11:51 Report Diesen Beitrag melden

      naja..nicht ganz!!!

      Nordkorea ist seit 1950 im Krieg mit Südkorea seit 1953 gilt jedoch Waffenruhe...kein Krieg würde ich das nicht nennen.

    • Li Shaou am 30.12.2011 12:19 Report Diesen Beitrag melden

      eigenartige Ansicht

      Ja Herr Tobler, aber er lässt sein Volk verhungern ... was ist da schlimmer? Oder stimmt das für Sie? Wenn ja, über Peking kann man nach Nordkorea auswandern...

    • Achim HALM am 30.12.2011 13:18 Report Diesen Beitrag melden

      unrealistisch

      ähm... wie lange könnte er denn kämpfen lassen? der Grossteil der Fahrzeuge ist wohl veraltert. Das was noch fährt ist wohl bei der Parade zu sehen gewesen. Die Flugzeuge sind wohl auch mehr Schrott als nützlich. Treibstoff gibt's auch nicht genügend. Und nach ein paar Tagen würden die Truppen zusammenbrechen, weil die jetzt schon spärlichen Rationen grad mal reichen um auf den Beinen zu bleiben. (oder kniend auf den Boden zu klopfen).

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