Steuersünder Hoeness

23. April 2013 21:54; Akt: 23.04.2013 21:59 Print

Wie gesteht man am besten einen Fehltritt?

von P. Dahm - Uli Hoeness in Sachen Fussball stets Herr der Lage. Doch war seine Kommunikation in eigener Sache auch erste Liga? Wir fragten Kommunikationsexperte Roger Huber.

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«» gilt als der Meinungsmacher des Stammtischs. Schiesst das Blatt wie bei der Causa Christian Wulff auf den gefallenen Promi ein? Noch hält sich die Zeitung zurück und fragt bloss: «Ist Hoeness süchtig?» Der Manager habe ein «geheimes Schweizer Konto» mit 20 Millionen Euro «Spielgeld» und handelt «auf allen Märkten». Die Redaktoren diagnostizieren deshalb eine «Börsen-Sucht». Die «» hält sich ebenfalls mit Kritik zurück und lobt stattdessen die Opposition: Grüne und SPD hätten mit ihrem Nein zum Steuerabkommen verhindert, dass einer wie Uli Hoeness sich anonym aus seinem Vergehen herauskaufen kann und finanziell profitiert: «Wer regelmässig Schwarzgeld in die Schweiz geschafft hat, hätte mit einem Steuersatz zwischen 32 und 35 Prozent rechnen müssen. Beides ist deutlich günstiger als der Spitzensteuersatz auf Einkommen, der bei 42 Prozent liegt.» Die «» konzentriert sich auf den Überbringer der Skandal-Nachricht. «In der gestrigen Ausgabe des Focus stand kein Iota mehr als das, was am Sonntag schon alle wussten – und es stand auch darin, dass weder der Beschuldigte noch die Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung bei Hoeness bestätigt haben. Das war eine schon verdächtig dürre Enthüllungsgeschichte.» Bemerkenswert ist, dass die Frankfurter sich auch Roger Köppels Auftritt in der ARD-Talkshow «» vornehmen. «Vom Schweizer Publizisten und Chefredakteur der Weltwoche weiss man verlässlich, dass er immer genau das sagen wird, wovon er glaubt, dass er damit am meisten anecken werde. Dass einer zwar nicht versteht, wie Hoeness das tun konnte, zugleich aber meint: Wenn selbst Leute wie Hoeness ihr Geld in Sicherheit bringen, ist das kein Vertrauensbeweis in den deutschen Staat; dass er den behördlichen CD-Kauf als Hehlerei bezeichnet und schliesslich noch darauf verweist, wie Gewerkschaften und Juden in den dreissiger Jahren ihr Geld in der Schweiz deponierten, das entspricht dem Rollenbild des kultivierten Krawallbruders.» «» hatte als erstes Medium über den Fall berichtet. Doch nun rudern die Münchner verbal zurück – und kritisieren ausgerechnet die Presse. «Ein anderer Fall liegt gerade mal ein Jahr zurück. Dass Christian Wulff und (vor allem) seine Frau kein würdiges Paar in Schloss Bellevue waren, ist die eine Sache. Für manchen gar eine Tatsache. Doch die Hysterie und der Zerfleischungsmechanismus in diesem Fall zeigen, wie Deutschland sich auf viele Themen mit moralischem Furor stürzt. Wer Fleisch frisst, wird zum Mörder. Wer nicht stillt, missbraucht sein Kind. Wer verbal dirndlt, darf als Sexist geschlachtet werden.» Der «» lässt den Leser zu Wort kommen. Einer fasst die Stimmung treffend so zusammen: «Als Unternehmer und Privatmann hat er immer öffentlich die soziale und gesellschaftliche Verantwortung der Besitzenden betont und gelebt. Wohltuende Worte und Taten in unserer auf persönliche Nutzenmaximierung getrimmten Gesellschaft. Sein Engagement und seine Leistung wird durch die Steueraffäre nicht geschmälert, es fügt dem Wirken von Uli Hoeness aber eine Komponente dazu, von der wir Bürger gehofft haben, dass sie hier endlich mal fehlt: Zu meinen, sich nicht an Regeln halten zu müssen, die für Millionen andere gelten.» Die «» flüchtet sich in Ironie. Ein Auszug aus der lesenswerten Kolumne: «Er ist halt ein Sauhund, dieser Hoeness, ein echter Pfundskerl. Den haut so schnell nichts um. Wie eine Edeltanne steht er am Tegernsee und denkt sich seinen Teil. ... Auch der Hoeness ist ein Mensch. Der hat auch Rechte. Gerade einer, der immer an die Schwächeren denkt, an den alkoholkranken Mitspieler und kaputte Vereine, den darf man nicht von heute auf morgen zum Verbrecher und zum Kriminellen machen. [] Er sollte sich nicht vergraulen lassen von diesen Neidhammeln und Medientrotteln. Angst vor den Staatsanwälten sollte er schon gar nicht haben. Er kennt doch den Edi [Edmund Stoiber, CSU] und den Horst [Seehofer, CSU]. Die werdns schon irgendwie richten.» In einem ernsteren Kommentar lenkt die «» klug den Blick auf jene, die sich nach dem Skandal die Hände reiben. «Am Zürichsee dürften am Samstagabend die Sektkorken geknallt haben. Sepp Blatter, die Skandalnudel des Weltfussballverbands Fifa, hat wieder einen Gegenspieler weniger. Uli Hoeness, einer der grössten Blatter-Kritiker, hat sich mit seiner Steueraffäre selbst ins Aus gesetzt.» Der «» hält nichts von Hoenss-Rücktrittsforderungen und kommentiert lakonisch: «Wenn Joachim Gauck oder Angela Merkel unversteuert Millionen in die Schweiz geschafft hätten - na gut, da hätte man mal kurz an der Menschheit zweifeln mögen. Aber Hoeness? Ein Mann, der öffentlich über die steuerliche Belastung von Fußballern und ihren Managern klagt? [] Da wäre man fast ja schon enttäuscht gewesen, wenn so ein gewiefter Stratege, so ein Transfer-Genie und Millionenjongleur so gar keine Schwarzgeldkonten gehabt hätte.» Der Berliner «» fragt: « Es gibt heute mehr legale und illegale Möglichkeiten der Steuervermeidung für reiche Individuen und multinationale Konzerne als je zuvor. Und es ist eine Schande, wie wenig die Politiker dagegen tun. Oder werden die Reichen bewusst geschont?»

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20 Minuten: Herr Huber, Stichwort Krisenkommunikation: Wie gesteht man am besten einen Fehltritt?
Roger Huber: Schnell, bevor andere die Meinungshoheit übernehmen. Damit hätte er alle Spekulationen verhindern können. Uli hätte mit einer proaktiven Kommunikation den medialen Shitstorm abschwächen können. Wenn eine Krise im Anmarsch ist, nicht warten, bis sie ausbricht, sondern handeln. Agieren statt reagieren - dann ist man im Lead.

Uli Hoeness hat wegen der «Exzesse in einigen Berichterstattungen» mit dem Anwalt gedroht. Wie wird so eine Reaktion wahrgenommen?
Das ist eine eher klägliche Verteidigung. Bringt nichts, im Gegenteil.

Als sich der frühere deutsche Bundespräsident Christian Wulff im TV-Interview zu seinem Fall geäussert hat, erntete er jede Menge Kritik. Wie vermeidet Hoeness den «Wulff-Effekt»?

Wulff und Hoeness sind zwei völlig unterschiedliche Typen - Politiker gegen Macher. Deshalb ist die Enttäuschung bei Hoeness auch so gross. Er kann sich aber, wie heute mit seiner Entschuldigung, einen Teil der Reputation wieder zurückholen. Fehler machen ist nicht schlimm. Nicht dazu zu stehen hingegen schon. Das grosse Problem von Hoeness sind die vielen «Predigten» in den vergangenen Jahren. Da er nun selber als Betrüger dasteht, gibt er seinen Feinden viel Munition.

Statt Volkszorn erregt so manches Geständnis auch einen Soldarisierungseffekt. Wann ist das der Fall?
Bei 20 Millionen gibt es keine Solidarisierung. Aber nach der Wutzeit, werden seine grossen Verdienste wieder sichtbar. Und ein Sieg in der Champions-League würde Uli auch helfen.

Hilft auch die Neuigkeit, dass man einem Liga-Konkurrenten für 37 Millionen Euro einen Spieler abgeluchst hat?
Grundsätzlich überdeckt so eine Nachricht natürlich die Steueraffäre. Ich bin überzeugt, dass der FC Bayern den Götze-Transfer bewusst zu diesem Zeitpunkt publik gemacht hat.