Prügelstrafe droht

20. Juni 2010 10:23; Akt: 24.06.2010 13:15 Print

Wie weiter mit dem Singapur-Sprayer?

Am Montag muss der mutmassliche Sprayer Oliver F. erneut vor dem Richter antreten. In Singapur schaltet sich sogar die Politik in den Fall ein und vergleicht Sprayer mit Terroristen.

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Eigentlich sollte der 33-jährige Schweizer IT-Berater Oliver F. am 27. Mai aus Singapur zurückkehren. Stattdessen befindet er sich nun in einer äusserst ungemütlichen Lage: Weil er einen U-Bahn-Zug versprayt haben soll, drohen ihm eine brutale Prügelstrafe und bis zu drei Jahre Gefängnis. Am Montag muss F. erneut vor Gericht erscheinen. Es handle sich jedoch nicht um den eigentlichen Prozess, sondern um eine weitere Gerichtsanhöhrung. «Ein Urteil wird noch nicht gefällt», sagt Christoph Oggenfuss von der IT-Firma Comit, wo F. als Senior IT-Berater arbeitet. Bis zum Urteil bleibe F. aber suspendiert, sagt der Sprecher.

Angstellte hielten Graffiti für Werbung

Das Schweizer Aussendepartement unterstützt den Schweizer: Das EDA spricht sich gegen die brutalen Prügelstrafen aus, die Oliver F. im Falle einer Verurteilung drohen. «Körperstrafen sind der schweizerischen Rechtsauffassung fremd. Diesen Standpunkt vertreten wir im Interesse des angeklagten Schweizers auch gegenüber unseren Ansprechpartnern bei den Behörden Singapurs», sagte ein EDA-Sprecher.

Mittlerweile ist auch klar, warum das Graffiti erst zwei Tage nach der Tat entdeckt wurde. «Die Mitarbeiter hielten die Malerei für Werbung», teilte die Bahngesellschaft SMRT mit. Oliver F. und sein mutmasslicher Komplize hätten die Einbruchsstelle gezielt ausgewählt: Sie ist von Bäumen verdeckt, aber mit Scheinwerfern ausgeleuchtet und bietet so ideale Sprayer-Bedinungen. Der zweite Täter, ein Brite, ist noch immer auf der Flucht. Er wird noch immer in Hongkong vermutet.

Singapurer Politik in Auffuhr

Der Fall wirft in Singapur auch zwei Wochen nach Bekanntwerden immer noch hohe Wellen - und beschäftigt sogar die Politik. Der Generalsekretär der Singapore Democrats Party forderte in einer Videobotschaft mit scharfen Voten die Behörden dazu auf, die Verantwortung für den «ernsten Zwischenfall» zu übernehmen und nicht auf die angeblich private Betreibergesellschaft SMRT abzuschieben. «Was, wenn nicht ein Sprayer, sondern Terroristen in das Depot eingedrungen wären?», fragt Generalsekretär Chee. In der Mitte des Videos werden schockierende Bilder von den Terroranschlägen auf die S-Bahn in Madrid gezeigt. In Singapur grassiert Terrorangst, seit in Indonesien Anschlagspläne auf eine U-Bahn-Station aufgedeckt wurden.

Videobotschaft des Singapurer Politikers:

Die Graffitis trugen in Singapur die Signatur des Schweizer Sprayers «Mc Koy», der unter seinem Pseudonym schon ein Interview in einer Schweizer Sprayerzeitschrift gegeben hat. Das Gespräch wurde mit verschiedenen Graffits auf SBB-Waggons umrahmt. Der Name ist in Sprayerkreisen bekannt. Nun tauchen Zweifel auf, ob es sich bei McKoy tatsächlich um den Schweizer Oliver F. handelt: Denn auf Youtube wurden kürzlich mehrere Videos aus Sofia, Hamburg und Nürnberg publiziert, wo neue Graffitis mit dem Schriftzug Mc Koy zu sehen sind. Dabei sitzt der mutmassliche McKoy alias Oliver F. in Singapur fest - seinen Pass haben die Singapurer Behörden eingezogen - wegen Fluchtgefahr.

McKoy-Graffiti in Sofia (aufgeommen 16. Juni 2010):

McKoy in Hamburg (13. Juni 2010):

(am)