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23. Januar 2009 16:11; Akt: 23.01.2009 18:27 Print

Wintersturm fegt über die Schweiz

Böen mit Windstärken bis zu 150 km/h begleitet von Niederschlägen haben am Freitag die Schweiz heimgesucht. Über dem Jura, aber auch in Zürich waren vereinzelt Wintergewitter mit Blitzen zu beobachten.

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Das kleine Sturmtief «Joris» hat am Freitag für turbulentes Wetter gesorgt. Im ganzen Mittelland von Genf bis Vaduz gab es am Nachmittag Blitz und Donner. Zudem bliesen Sturmwinde mit Spitzen bis zu 150 km/h in den Alpen und auf dem Jura.

Auf dem La Dôle und dem Chasserale gab es Orkanböen um die 150 km/h. Aber auch über das Flachland fegten stürmische Winde: im Baselland bis zu 120 km/h, auf dem Zürichberg 104 km/h und in Luzern 100 km/h. Der Höhepunkt der Sturmwinde dürfte laut Felix Baumann von MeteoNews am frühen Freitagabend erreicht sein und das Wetter beruhigt sich in der Nacht je länger je mehr. Grund für das garstige Wetter ist ein kleinräumiges Sturmtief, das vom Aermelkanal über Deutschland Richtung Osten zieht.

Durch die Alpentäler toste mit bis zu 120 Stundenkilometer der Föhn und trieb die Temperatur auf 12 Grad hoch, wie SF Meteo mitteilte.

Das Sturmtief «Joris» ist ein Ausreisser aus einem riesigen Tiefdrucksystem zwischen Island und Schottland. «Joris» zog über Dänemark und beeinflusste das Wetter in der Schweiz. Auf seiner Vorderseite zog zunächst Warmluft heran.

Weil der Boden noch kalt war, gab es verbreitet Glatteis. Die Autobahn A 12 musste am Morgen zwischen Châtel-St-Denis FR und Vaulruz FR gesperrt werden, weil es zu sieben Unfällen mit 14 Fahrzeugen und fünf Verletzten kam. Auch andernorts gab es Glatteisunfälle.

«Joris» wurde zudem von heftigen Orkanböen flankiert. Auf den Diablerets im Waadtland wehte der Sturm am frühen Nachmittag mit 147, auf dem La Dôle mit 144 und auf dem Chasseral mit 138 km/h. Auf dem Säntis wurden Böen mit 130 km/h gemessen. In Basel erreichten die Windspitzen 80 km/h bei 12 Grad.

Im Kanton Basel-Landschaft erliessen die Behörden eine Sturmwarnung. Die Bevölkerung wurde vor umstürtzenden Bäumen und herabfallenden Ästen und Ziegeln an exponierten Stellen gewarnt. Auf den Jurahöhen sollten Gegenstände festgezurrt oder versorgt, Wälder gemieden und Baugerüste gesichert werden.

Kaltluft strömt ein - Gewitter sind die Folge

Die Schneefallgrenze legte eine Achterbahnfahrt hin. Im Berner Oberland kletterte sie bei Föhn zum Teil auf 1800 Meter über Meer. Im Windschatten des Sturms schneite es dafür südlich bis ins Rhonetal.

Am Nachmittag begann «Joris» dann, Kaltluft in die Schweiz zu schaufeln. Damit stürzt die Schneffallgrenze gemäss SF Meteo auf 1000 Meter.

Diese zuerst warmen und dann abgekühlten Luftmassen sorgten für ein eher im Sommer bekanntes Phänmomen: Gewitter. Nach Angaben von MeteoSchweiz kümmert sich ein Gewitter aber nicht um die Saison. Die Voraussetzungen für ein Gewitter waren durch die labilen Luftmassen gegeben.

Über dem Mittelland lag die Nullgradgrenze am Nachmittag auf 600 Metern Höhe. Darüber kühlten die Luftschichten schnell ab, so dass es 8 Kilometer über dem Boden Minus 30 Grad war. Beträgt die Abkühlung mehr als 1,8 Grad pro 100 Höhenmeter entstehen labile Luftschichten und mit ihnen Gewitter.

Verkehrsbehinderungen

Im Kanton Bern haben die Sturmböen am Freitagnachmittag zu Verkehrsbehinderungen und Stromausfällen geführt. Zahlreiche Feuerwehren standen im Einsatz, wie die Kantonspolizei am frühen Abend meldete.

Die Kantonspolizei Graubünden meldete für den ganzen Kanton infolge des andauernden Schneefalles prekäre Strassenverhältnisse. Innert kurzer Zeit kam es auf mehreren Strassenabschnitten zu kleineren Verkehrsunfällen mit Blechschäden. Am San Bernardino zwischen Thusis und Mesocco wurde ein Fahrverbot für den Schwerverkehr erlassen.

(whr/sda)