Security- und Service-Roboter

06. September 2017 16:08; Akt: 06.09.2017 16:08 Print

Wird K5 in San Francisco zum Job-Killer?

Ein Roboter im Sicherheitsdienst, automatisiertes Servicepersonal in der Beiz: In San Francisco fürchten Arbeiter, dass sie bald durch Maschinen ersetzt werden.

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Eric Leon vom Sicherheitsdienst beobachtet K5 mit gemischten Gefühlen. Vor seinen Augen patrouilliert der bullige Roboter der Firma Knightscope durch das Einkaufszentrum Westfield Valley Fair in San Francisco und sorgt so nach Vorstellung seiner Schöpfer für ein Stück Sicherheit.

Eines Tages, fürchtet Leon, wird K5 seinen Job übernehmen – und er selbst überflüssig. «Er beschwert sich nicht», sagt der Sicherheitsmann. «Er ist ruhig. Keine Mittagspausen. Er fängt pünktlich um zehn an.»

Bei den Passanten kommt Knightscope-Roboter K5 mit seinen blau und weiss blinkenden Lichtern gut an. Seine Videoaufnahmen werden akzeptiert. Und schon allein die Tatsache, dass die künstliche Sicherheitskraft ihre Runden dreht, sei Abschreckung für Verbrecher, erklärt der Hersteller.

Roboter in der Beiz und Pizzeria

In San Francisco trifft K5 auf eine Reihe von Kollegen: So gibt es in der kalifornischen Metropole automatisch gebackene Pizza oder eine Beiz, in der Bier per fliegenden Roboter serviert wird. Erst kürzlich veröffentlichte die Zeitung «San Francisco Chronicle» als Touristenservice eine Liste von rund einem Dutzend Orten, wo die Besucher Roboter in Aktion erleben können.

Zugleich zählt San Francisco zu den Orten im Land, wo Arbeiterrechte seit langem grossgeschrieben werden. Hier setzte sich früh Bezahlung im Krankheitsfall oder in Elternzeit durch. 2014 stimmten die Wähler für einen 15-Dollar-Mindestlohn, den Gouverneur Jerry Brown 2016 mit seiner Unterschrift zum Gesetz für den gesamten US-Staat Kalifornien machte.

Kommt eine Roboter-Steuer?

Angesichts von K5 und Co. werden nun neue arbeitsrechtliche Bedenken laut – und Vorschläge, wie die Entwicklung für die Arbeitnehmer genutzt werden kann. Jane Kim, führende Mitarbeiterin der Stadt, hat dabei eine staatsweite Roboter-Steuer ins Spiel gebracht. Damit sollen Verluste abgefedert werden.

Man müsse darüber nachdenken, wie Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen können, wenn Maschinen sie verdrängen, betont Kim.

Menschen sollen Roboter managen

«Lächerlich» nennt das der Chef von Roboter-Hersteller Knightscope, William Santana Li. Die privaten Sicherheitsdienste litten derzeit unter hoher Fluktuation und schlechter Bezahlung. Wenn Roboter Aufgaben übernähmen, könnten ihre menschlichen Kollegen dann neue, verantwortungsvollere Jobs machen. Sie könnten beispielsweise eine ganze Kolonne von K5-Robotern managen und damit mehr Geld verdienen als bisher. Die Annahme, die Maschinen seien geschaffen, um den Menschen Jobs streitig zu machen, sei falsch.

Die Frage, ob oder wie schnell Arbeiter von Automaten ersetzt werden, wird dennoch hitzig debattiert. Nach einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) können rund 9 Prozent der Jobs in den USA automatisiert werden. Das entspricht etwa 13 Millionen Arbeitsplätzen.

Andere Ökonomen gehen allerdings von geringeren Auswirkungen aus. Zudem schaffe die Automatisierung neue Stellen in ihrem eigenen Umfeld, erklären Analysten. So würden Mitarbeiter zum Bau und zur Wartung der Roboter oder zur Entwicklung der Software benötigt.

Innovationen können neue Jobs schaffen

Technische Innovationen in der Vergangenheit hätten ausserdem auch indirekt für neue Jobs gesorgt. Durch besser bezahlte Arbeit in den neuen Technologien hätten die Mitarbeiter mehr Geld in der Tasche und würden das wieder in den Konsum stecken.

Aber was passiert mit denjenigen, deren Arbeit an Roboter fällt und die selbst keine technisch anspruchsvolleren Aufgaben übernehmen können? Oder deren schlecht bezahlte Jobs gar nicht automatisiert werden können? Vorschläge werden gesucht. In Hawaii denkt man gerade über ein garantiertes Grundeinkommen nach. Und in San Francisco stellt Jane Kim sich vor, dass ihre Roboter-Steuer niedrige Einkommen aufbessern kann.

(ap)