Katholischer Sex-Chat

17. Juni 2013 14:34; Akt: 17.06.2013 16:24 Print

Wo die schwulen «Dornenvögel» chatten

Gerade erst schimpfte Papst Franziskus über die «Homo-Lobby», nun rückt Venerabilis in den Focus: Die Website ist ein Treffpunkt für Katholiken und Priester, die auf Männer stehen.

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«Ich heisse Luca, komme aus Mailand und würde gern einen Priester mit ernsten Absichten kennenlernen, um mit ihm zu verkehren», lautete der letzte Eintrag auf Venerabilis, der mit einer E-Mail-Adresse versehen war. Die Website richtet sich an Schäfchen, die es nach dem Willen des Vatikans gar nicht geben sollte: an schwule Katholiken und Priester, die auf Männer stehen.

Das Angebot existiert bereits seit 2007, doch erst jetzt wurde die Öffentlichkeit durch einen Hinweis des katholischen Autors Vittorio Messori auf den Treffpunkt aufmerksam, der sich in fünf Sprachen an Homosexuelle richtet. Am stärksten ist der italienische Chatroom frequentiert, während die Einträge auf Französisch, Spanisch, Deutsch und Englisch eher übersichtlich und teilweise sehr alt sind.
«Gleichgesinnte im Namen der Liebe»

Der Vatikan, der das Ausleben von Homosexualität als Sünde erachtet, kann über die vielen Zeichen gleichgeschlechtlichen Verlangens in den eigenen Reihen nicht erfreut sein. «Auch ich suche als gläubiger Katholik (innerhalb der Kirche als Laie engagiert) nach Gleichgesinnten im Namen der Liebe», schrieb einer auf Deutsch. «Ich suche einen Freund, Priester wie ich», eröffnete ein anderer und stellte die E-Mail-Adresse dazu.

Auch verheiratete Laien suchen nach Männerfreundschaften. Und wenn diese auf Venerabilis danach suchen, wollen sie einen geistlichen Vater. «Ich bin ein verheirateter Mann, 50 Jahre alt und suche einen schwulen Priester für eine diskrete Freundschaft in der Gegend von Rovereto/Trento», fragte ein Italiener an.

Ein älterer Mann erklärte im Mai, wie es sich als Schwuler in Kirchenkreisen lebt. «Guten Tag, ich bin 67 Jahre alt, ich hatte Freundschaften mit Priestern, die für mein geistliches, privates und sexuelles Leben bedeutsam waren. Ich würde gern von Priestern in Rom kontaktiert werden, um erneut diese Erfahrungen und Gefühle zu erleben. PS: Ich bin Lehrer und garantiere Diskretion für mich und für jeden, der mir antwortet.»

Buchhandlung Feltrinelli als Treffpunkt

Die virilen Liebesbotschaften können der Kirche nicht ins Konzept passen, nachdem Oberhirte Papst Franziskus mit seiner Bemerkung über die «Homo-Lobby» im Vatikan für Diskussionen sorgte. Laut der Website «Katholisches» gibt es in Rom sogar einen Treffpunkt, der seit dem 1. Mai von schwulen Katholiken genutzt wird: In der Buchhandlung Feltrinelli am Largo Argentina könne man sich zwischen 18 und 20 Uhr «persönlich und «ohne Risiko» kennenlernen. Genauer gesagt in der Cafeteria oder in der Abteilung Philosophie und Religion.

Die Seminaristen der Jesuiten-Universität Gregoriana und der Dominikaner-Universität Angelicum treffen sich «zwischen 11 und 12 Uhr am selben Ort», heisst es auf der Website der «homosensiblen Bruderschaft römisch-katholischer Priester», über das auch der «Tages-Anzeiger» berichtet hat. Mit den Medien wird auch der eine oder andere heterosexuelle Katholik auf das Portal aufmerksam werden: Dort können sie sich mit homosexuellen Gläubigen zum Beispiel über das Thema Brüderlichkeit austauschen.


Das ZDF berichtet vom Outing des schwulen deutschen Theologen David Berger. Quelle: YouTube/nikesportler

(phi)