Bodensee-Kontrolle

13. Juli 2014 17:46; Akt: 13.07.2014 17:46 Print

Wo ist Ihre Schwimmweste?

von Roland Schäfli - So viele Seepolizisten sind selten zur selben Zeit auf dem Bodensee: Deutschland, Österreich und die Schweiz haben gemeinsam eine Grosskontrolle durchgeführt.

Grosskontrolle «Schwan»: die kantonalen Seepolizisten kontrollieren gemeinsam mit den deutschen und österreichischen Polizeibooten den Bodensee. (Video: Ruben Assenberg/Roland Schäfli)
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Der feuchtfröhliche Spass im Partyring stoppt abrupt, als die Seepolizei längsseits geht. Die Landratten sind sichtlich überrascht, auf dem Wasser Polizisten anzutreffen. Check: Würde jeder Passagier im Notfall seine Schwimmweste finden? Aktion «Schwan» ist in vollem Gang. Solche Inspektionen finden überall entlang des 273-Kilometer-Ufers statt. In sechs Stunden haben drei Boote der kantonalen Seepolizeien und sieben Boote der deutschen und österreichischen Kollegen insgesamt 96 Kontrollen vorgenommen, 12 Beanstandungen wurden vorgenommen.

Gleich nach Einsatzbeginn sind erste Funksprüche von der anderen Seeseite zu empfangen. «Die Deutschen sind schon fleissig», konstatiert Marcel Kuhn, Skipper des Polizeischiffs TG3. Gleich werden auch die Thurgauer eine verdächtige Schaluppe sichten, die ohne Steuervignette in den Konstanzer Hafen einläuft. Auf dem internationalen Gewässer gelten nicht die schweizerischen Schifffahrtsvorschriften. So liegt etwa die zulässige Blutalkoholkonzentration nicht bei 0,5, sondern 0,8 Promille. Manchmal ist auch die Besatzung überfragt: «Muss ein mehrrümpfiges Paddelboot eingelöst sein?» Der Kollege in der Kreuzlinger Polizeiwache sieht nach.

Schnell ist festzustellen: Seegänger reagieren anders auf das plötzliche Auftauchen des Polizeiboots als etwa Automobilisten auf die Verkehrspolizei. Schiffsführer stehen selten unter Zeitdruck, können solchen Begegnungen etwas Erfreuliches abgewinnen. Zuschauer am Ufer winken sogar. Und die Polizisten winken zurück, als wären sie eine touristische Attraktion. Freundlich grüsst ihr Horn eine Hochzeitsgesellschaft am Ufer.

Eine schwimmende Klassenzusammenkunft von Bernern amüsiert sich über diesen zusätzlichen «Programmpunkt». Als die schwimmende Polizeistation wieder abdreht, hat der Kapitän kostenlos gelernt, die Rettungswesten nicht mit einem Stahlschloss in der Backskiste einzuschliessen. Gleich darauf weisen die Beamten einen SUPler, einen Freizeitsportler auf einem Stand-up-Paddel, darauf hin, dass er in 300 Metern Entfernung vom Ufer bereits ein Rettungsmittel mitführen muss. Der Mann ist verblüfft, aber einsichtig, und paddelt zum Begleitboot, um sich entsprechend auszurüsten.

Im Ricardo-Zeitalter liegt im Trend, sich kurzerhand ein Kleinboot mit Elektromotor anzuschaffen. Aufgrund des Motors ist auch für ein solch kleines Schiff eine Zulassung erforderlich, und nicht selten geraten Hobby-Kapitäne in Seenot. Nicht anders als die Rega, die Jahr für Jahr mehr Einsätze verzeichnet, weil Menschen die Gefahren der Natur unterschätzen, fischt die Seepolizei vermehrt Wassersportler auf, die mit den Untiefen und Tücken nicht vertraut sind. «Gerade im Sommer kauft man sich spontan ein Schlauchboot und lässt sich rheinabwärts treiben, ohne sich nur einmal über mögliche Gefahren zu orientieren», stellt Kuhn fest. Rechnung stellt die Seepolizei für eine Rettung in der Regel nur, wenn Fahrlässigkeit vorliegt, und selbst dann ist so ein Einsatz meist nicht kostendeckend.

Es verläuft keine offizielle Grenze durch den Bodensee, auch keine bürokratische, die Seepolizeien helfen kollegial aus. Die gemeinsame Grosskontrolle findet vierteljährlich statt und ist lange im voraus festgelegt. Denn so ein «Schwan» beansprucht Ressourcen, und gerade dieses Wochenende ist die Seepolizei dünn besetzt, weil Beamte für Landdienst abgezogen werden können. Wer hätte das gedacht: Am Frauenfelder Openair waren auch Seepolizisten eingesetzt.