100 000 Euro Belohnung

05. Dezember 2008 18:37; Akt: 05.12.2008 18:41 Print

Wo ist der Flick-Sarg?

Für Hinweise auf den verschwundenen Sarg mit der Leiche des Milliardärs Karl Friedrich Flick hat die Familie des Verstorbenen nun eine Belohnung von 100 000 Euro ausgesetzt.

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Friedrich Karl Flick war am 5. Oktober 2006 in seiner zu einer Festung ausgebauten Villa am Südufer des Wörthersees nach schwerer Krankheit im 79. Lebensjahr verstorben. Der Sarg war in Velden am Wörthersee in einem Mausoleum unter schweren Granitplatten aufbewahrt. Am 18. November 2008 wurde der Sarg und der Leichnam des Milliardärs gestohlen. An den Granitsteinen gab es nur ein paar Kratzer, die Täter benutzten daher professionelles Werkzeug. Die Familie Flick war wegen ihrer damals florierenden Geschäfte mit NS-Deutschland immer umstritten. Nach seinem Tod, erbten Flicks vier Kinder sein auf fünf bis sechs Milliarden Euro geschätztes Vermögen zu gleichen Teilen. Den Grundstein des Vermögens legte Vater Friedrich Flick (1883-1972). Die Erfolgsgeschichte begann in der Weimarer Zeit und endete dann zunächst vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal. Wegen seiner NS-Verstrickung wurde er zu einer sieben Jahre langen Haftstrafe verurteilt. Nach drei Jahren wurde Flick begnadigt und ordnete sein Imperium neu. Friedrich Karl trat 1957 in das Unternehmen ein. Nach dem Tod des Vaters erbte er 1972 das Industrie-Imperium. Mit 43.000 Beschäftigten erzielte die Flick-Gruppe 1984 weltweit einen Umsatz von 22 Milliarden Mark. Ein Jahr später trennte sich Flick von seinem Imperium und verkaufte die Firmengruppe an die Deutsche Bank. Er zog sich ins Privatleben zurück. Erst Mitte der 90er Jahre verlegte Flick seine Vermögensverwaltung von Düsseldorf nach Wien, um Steuern zu sparen. Zudem gilt der Familie ein weiterer Eintrag im deutschen Geschichtsbuch: Der Parteispendenskandal der sogenannten Flick-Affäre erschütterte die Republik in den 80er Jahren. Nach einer für ihn positiven Sondergenehmigung des Wirtschaftsministeriums, die ihm Millionen an Steuerschuld ersparte, zahlte Flick am Finanzamt vorbei Millionenbeträge an deutsche Parteien. Die Familie Flick reagierte Medienberichten zufolge mit Fassungslosigkeit und Entsetzen auf den Sarg-Diebstahl. Die Witwe Ingrid Flick hielt sich in den USA auf, als sie die Nachricht über die Grabschändung erhielt. «Für mich ist es völlig unverständlich, dass man meinem geliebten Gatten die letzte Ruhe raubt. Ich verurteile diese unmoralische Tat auf das Äusserste. Ich finde es abscheulich», kommentierte sie die Tat. Am 30. November 2009 tauchten der Sarg und der Leichnam in Ungarn wieder auf. Sechs Leichendiebe wurden verhaftet.

Fehler gesehen?

Das Geld (umgerechnet 153 000 Franken) zahle die Witwe Ingrid Flick für Tipps, die unmittelbar zur Wiedererlangung der sterblichen Überreste und zur Ergreifung des Täters führen, bestätigte am Freitag ein Sprecher der Familie in Düsseldorf einen Bericht der Bild-Zeitung vom Samstag.

«Wir hoffen jetzt in jedem Fall auf neue Hinweise», sagte Hermann Klammer vom Kärntner Landeskriminalamt der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Der mehr als 200 Kilo schwere Sarg des Deutsch-Österreichers war Mitte November mit seiner Leiche vom Friedhof in Velden in Kärnten gestohlen worden.

Seitdem tappt die Polizei im Dunkeln, auch eine Grossdurchsuchung eines Bauernhofes im Burgenland am Mittwoch brachte die Polizei nicht weiter. Auch am Freitag habe es keine neuen Erkenntnisse gegeben, sagte der Sprecher der Familie.

Das Motiv sei weiterhin unklar. Lösegeldforderungen habe es bisher nicht gegeben. Der Milliardär Flick war am 5. Oktober 2006 in seiner Villa am Wörthersee im Alter von 79 Jahren gestorben. Er hinterliess eine Frau und vier Kinder, denen er sein geschätzten Vermögens von fünf bis sechs Milliarden Euro vererbte.

Der Milliardär war 1985 nach dem Verkauf des Flick- Firmenimperiums nach Österreich gezogen und hatte dort die Kärntnerin Ingrid Ragger geheiratet. 1991 entführten Kriminelle deren Bruder und forderten ein hohes Lösegeld. Die Entführung endete unblutig, die Täter wurden verhaftet und verurteilt.

(sda)