Kritik an Erfolgsfilm

02. Februar 2009 19:22; Akt: 02.02.2009 19:22 Print

Wurden «Slumdog»-Kinder ausgebeutet?

Der Erfolgsfilm «Slumdog Millionaire» sorgt im Entstehungsland Indien für Kontroversen. Der neuste Fall: Zwei Kinderdarsteller wurden angeblich ausgebeutet und unterbezahlt. Der Regisseur wehrt sich.

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Erfolg erzeugt Neid. Das gilt auch für den Tophit an den Kinokassen, das in Indien gedrehte Filmmärchen «Slumdog Millionaire». Die neuste Kontroverse dreht sich um zwei Kinder aus den Slums von Mumbai, die im Film mitspielen. Die Eltern der achtjährigen Rubina Ali und des gleichaltrigen Azharuddin Ismail klagten gegenüber Reportern, ihre Kinder fühlten sich ausgebeutet und unterbezahlt.

Beide Familien würden nach wie vor in den gleichen behelfsmässigen Hütten leben, in denen das Filmteam sie gefunden habe, so die Zeitung «Telegraph». Die Situation von Azharuddin habe sich gar noch verschlimmert, weil die Behörden «die illegale Hütte der Familie demoliert haben und er nun unter einer Plastikplane schlafen muss, zusammen mit seinem Vater, der unter Tuberkulose leidet». Nach Angaben der Eltern erhielt Azharuddin weniger als 2500 Dollar und Rubina rund 700 Dollar für die Filmarbeit.

«Kinder wurden gut bezahlt»

Der britische Regisseur Danny Boyle, der den Erfolgsfilm gedreht hat, lässt die Vorwürfe nicht auf sich sitzen. «Die Kinder wurden gut bezahlt, die Familien erhielten deutlich mehr, als man hätte zahlen können», sagte er in einem Interview mit CNN. Einige der genannten Zahlen seien «vollkommen unzutreffend». Die genauen Summen wollte Boyle nicht nennen, «weil die Familien sonst in ihrer Gemeinschaft verwundbar würden».

Daneben habe man lange und hart darüber nachgedacht, wie man den beiden am besten helfen könne, und einen Erziehungsplan ins Leben gerufen: «Wir schicken sie in eine sehr gute Schule und zahlen dafür, bis sie 18 sind», sagte Danny Boyle. Wenn sie so lange dort bleiben, erhalten sie zusätzliche eine «substanzielle Summe, die ihr Leben zum bessern wenden wird», so der Regisseur im CNN-Interview. Doch selbst dieses Geld könne ihnen von «Gangstern» abgeluchst werden.

Gewinnanteil für Kinderhilfsgruppen

Weiter betonte Danny Boyle, dass wohltätige Gruppen, die sich um Kinder in den Slums kümmern, «einen Gewinnanteil erhalten werden». Man wolle damit etwas von dem «enormen Erfolg» zurückgeben, den der mit relativ bescheidenem Budget weltweit verzeichnet. Ausserdem gilt «Slumdog Millionaire» als grosser Favorit für den Oscar als bester Film, nachdem er am Wochenende den wichtigen Preis des Verbands der US-Regisseure erhalten hat. Dieser gilt als zuverlässiger Indikator für die Oscars.

(pbl)