Geständnis widerrufen

22. Oktober 2014 14:08; Akt: 22.10.2014 14:29 Print

Wurden die beiden Koh-Tao-Täter gefoltert?

«Die Polizei hat uns gefoltert»: Das behaupten die beiden Burmesen, die auf der thailändischen Insel Koh Tao zwei Briten ermordet haben sollen.

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Die beiden Angeklagten Win Zaw Htun (r.) und Zaw Lin, beide Gastarbeiter aus Burma, nahmen das Todesurteil mit düsteren Mienen auf. Beide bestreiten die Mordvorwürfe. Win Zaw Htun sagte aus, er sei gefoltert, geschlagen und bedroht worden, damit er ein Geständnis ablege. Beamte hätten zudem angedroht, ihn an einen Felsen zu binden und im Meer zu versenken. Ian Miller, Vater des auf der thailändischen Ferieninsel Koh Tao ermordeten David Miller, verlässt das Gericht in Koh Samui. Dahinter weint May Thein, die Mutter des zu Tode verurteilten Win Zaw Htun. Mutter Sue Miller mit einem Foto ihres ermordeten Sohnes. Hannah Witheridge (23) und David Miller (24) waren im September 2015 an einem Strand der unter Backpackern beliebten thailändischen Ferieninsel Koh Tao mit einer Hacke ermordet worden. Die beiden Verdächtigen waren im Oktober 2015 zum Tatort zurückgebracht worden, um den Doppelmord nachzustellen, den sie nach einem ersten Geständnis abstreiten. Sie trugen Splitterschutzwesten und Motorradhelme .... ... als Schutz gegen aufgebrachte Einwohner. Einer von ihnen spielte in der Mordnacht offenbar Gitarre. Ein Mann spielt eines der Opfer für die Nachstellung der Tat. Am 2. Oktober 2015 nahm die thailändische Polizei insgesamt drei burmesische Gastarbeiter fest. Polizisten nahmen am Dienstag, 23. September, DNA-Proben von rund 200 Männern, vor allem burmesischen Gastarbeitern, auf Koh Tao. Schon zu Beginn warf der Fall Fragen über die Herangehensweise der Ermittler auf: Ihnen wurde etwa vorgeworfen, den Tatort nicht ordentlich gesichert zu haben. Die Familie der auf der thailändischen Insel Koh Tao ermordeten Britin Hannah Witheridge (23) traf am Donnerstag, 18. September in Bangkok ein. Die Verwandten Hannahs umarmten sich vor einem Polizei-Briefing im Hauptquartier der thailändischen Polizei. Der königliche thailändische Polizeiberater Jarumporn Suramanee (r.) und der britische Konsul Michael Hancock (l.) gaben am 18. September 2015 im Polizei-Hauptquartier in Bangkok eine Pressekonferenz zum Fall der zwei am Montag, 15. September auf Koh Tao ermordeten Backpacker David Miller (24) und Hannah Witheridge (23). Generalinspektor Jarumporn Suramanee klärte die Medien über die laufenden Ermittlungen auf. Mit dabei: der britische Botschafter Michael Hancock. Auch auf Koh Tao gehen die Ermittlungen weiter. Ein forensisches Ermittlungsteam inspiziert ein Hotelzimmer, in dem einer der beiden Backpacker auf Koh Tao gewohnt hatte. Das brutale Verbrechen an den Urlaubern galt als Rückschlag für das thailändische Tourismusgewerbe, das nach dem Militärputsch im Mai 2014 ohnehin mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Auf der Insel hielten lokale Bewohner und Touristen Gedenkfeiern für die beiden ermordeten Briten ab. Die beiden ermordeten Backpacker Hanna Witheridge (23) und David Miller (24). Hannah Witheridge (23) stammte aus Norfolk im Osten Englands. David Miller (24) stammte aus dem britischen Jersey. Nachdem zuerst burmesische Gastarbeiter des Mordes verdächtigt wurden, galt zunächst auch der Brite C. W. als Verdächtiger im grausamen Mordfall von Koh Tao. Am 16. September wurde er von der Polizei auf Koh Tao befragt und später von entlastet. Die Leichen der beiden Briten trafen am 16. September 2015 im forensischen Institut des Spitals in Bangkok ein. In der Hand der toten Hanna Witheridge soll eine Strähne blonder Haare gefunden worden sein. Während der laufenden Ermittlungen löste der thailändische Putschführer und Regierungschef Prayuth Chan-ocha eine Welle der Entrüstung aus, als er sagte: «Touristen meinen, sie könnten machen, was sie wollten, aber sind sie im Bikini wirklich sicher?» Die Gefahr gelte natürlich nur für hübsche Frauen, fügte er in einer Bemerkung hinzu, die offenbar als Scherz gedacht war. Die zwei ermordeten Backpacker David und Hannah hatten auf der Insel Zimmer in den Ocean View Bungalows gemietet. Als Zeichen der Trauer hatten Menschen Blumen am Tatort abgelegt. Auch am 17. September legten Touristen am Strand von Koh Tao Blumen und Ehrungen für die beiden Toten ab. Frauen bei einer Gedenkveranstaltung für die zwei ermordeten Backpacker auf Koh Tao. Die Polizei von Koh Tao durchkämmt den Strand auf der Suche nach weiteren Spuren der Tat.

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Der Mordfall von Koh Tao nimmt eine weitere Wendung: Die zwei verdächtigen burmesischen Gastarbeiter, Zaw Lin und Win Zaw Htun (beide 21), wollen nichts mehr mit den Morden an den britischen Backpackern David Miller (24) und Hannah Witheridge (23) zu tun haben. In einem Statement beteuern sie, nichts mit der Vergewaltigung und den Morden zu tun zu haben. Daraufhin reichten ihre Anwälte gemäss «Bangkok Post» eine Petition beim Staatsanwalt ein und forderten Gerechtigkeit und einen fairen Prozess für die Männer.

Mit Ersticken und Elektroschocks bedroht

Anwalt Aung Myo Thant: «Die beiden sagten, dass die thailändische Polizei sie so lange geschlagen habe, bis sie sich schuldig bekannten.» Die Verhafteten seien in schlechtem Zustand gewesen. «Sie sahen furchtbar aus, sie hatten überall Prellungen.» Man habe sie geschlagen und mit Elektroschocks bedroht, damit sie gestehen, so Thant laut «Telegraph».

«Die Verdächtigen sagten, der Übersetzer habe sie misshandelt, als die Polizei ihnen Fragen gestellt habe», gab Verteidiger Ratsada Manurassada in der «Bangkok Post» an. Der Übersetzer der Polizei sei aus Bangladesch und habe einen anderen Dialekt gesprochen, was zu Übersetzungsfehlern geführt habe. Ausserdem sei der Dolmetscher ein lokaler Pfannkuchenverkäufer. Er habe den Verdächtigen beim Verhör Geld abgenommen, um es an ihre Eltern in Burma zu schicken, berichtet die Lokalzeitung «Khaosod». Das sei aber nicht passiert.

Die Polizei reagierte auf die Vorwürfe abwehrend: Ein Geständnis der Angeklagten sei zu diesem Zeitpunkt irrelevant, da man bereits genug physische Beweise habe, welche die Verdächtigen überführten, so Channel News Asia.

Burmesen oft Sündenböcke

Allerdings will auch die staatliche Menschenrechtskommission von Thailand Hinweise auf Misshandlungen der Inhaftierten gefunden haben. So habe die Polizei ihnen Plastiksäcke über den Kopf gestülpt, um ein Geständnis zu erwingen, so «Channel News Asia». Die Informationen habe die Kommission von Ärzten erhalten, die die Gefangenen untersucht hatten.

Die Polizei des Bezirks Surat Thani streitet die Misshandlungen ab und zweifelt die Echtheit der vorgelegten Beweise ab.

Schon lange werfen Menschenrechtsorganisationen der thailändischen Polizei vor, die vielen burmesischen Gastarbeiter im Land als Sündenböcke für Verbrechen heranzuziehen. Nicht zuletzt um die internationalen Medien zufriedenzustellen.

Briten mischen sich in Ermittlungen ein

Grossbritannien hat mittlerweile angekündigt, eigene Polizeibeamte nach Thailand zu schicken. Diese sollen prüfen, ob die forensischen Tests die Burmesen tatsächlich belasten und ob die Verdächtigen misshandelt wurden.

Die Anklage gegen die beiden Männer wird noch diese Woche eingereicht, sollten keine groben Verfahrensfehler auftauchen. Die Eltern der Verdächtigen sind mittlerweile in Bangkok eingetroffen (siehe Bildstrecke). Sie glauben nicht, dass ihre Söhne eine solche Tat begangen haben sollen.

(cfr)