Forschung

30. Oktober 2008 16:06; Akt: 30.10.2008 16:51 Print

Zahl der Tierversuche angestiegen

Die Anzahl der Tierversuche in der Schweiz hat im vergangenen Jahr zugenommen. Insgesamt lag die Zahl der eingesetzten Tiere bei 726 392.

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Das sind 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) am Donnerstag mitteilte. Tierschutzorganisationen kritisierten die Zunahme. Einem deutlichen Wachstum in der Grundlagenforschung von plus zehn Prozent stand in der Statistik eine Abnahme in der angewandten medizinischen Forschung von acht Prozent gegenüber. Die Hälfte der Versuchstiere wurde 2007 in der Industrie eingesetzt, ein Drittel an Hochschulen und Spitälern. Für Kosmetika wurden 2007 wiederum keine Tiere verwendet.

325 149 Tiere wurden bei Versuchen in der Kategorie mit leichten Belastungen eingesetzt. Die Anzahl jener in Versuchen mit Schweregrad drei - schweren Belastungen - stieg gegenüber dem Vorjahr um 9,7 Prozent an und lag bei 18 423. Bei 80 Prozent der insgesamt eingesetzten Tiere handelte es sich um Nagetiere wie Mäuse, Ratten, Hamster oder Meerschweinchen. Weiter wurden Vögel, Fische, Kaninchen, Amphibien, Affen, verschiedene Haustierarten - so beispielsweise 3002 Hunde und 472 Katzen - und weitere Säugetierarten verwendet.

Nur acht Gesuche abgelehnt

Im Berichtsjahr waren 3075 kantonale Tierversuchsbewilligungen und Entscheide über meldepflichtige Tierversuche gültig, was einer Zunahme von vier Prozent entspricht. 1061 Bewilligungen beziehungsweise Entscheide wurden neu erteilt, davon über die Hälfte mit Auflagen. Acht Gesuche wurden abgelehnt. Das BVET hat zudem als Oberaufsichtsbehörde bei acht Bewilligungen weitere Präzisierungen angefordert oder Teile der Versuche beanstandet, hingegen wurde in keinem Fall Beschwerde gegen eine kantonale Bewilligung eingelegt. Mit Abstand am meisten Versuchstiere, nämlich 230 606, wurden im Kanton Basel-Stadt verzeichnet.

Kritik von Tierschützern

Der Schweizer Tierschutz STS kritisierte in einer Mitteilung den Anstieg der Tierversuche in den letzten Jahren. Die Gesamtzahl der im Tierversuch verwendeten Tiere sei seit 2003 um knappe 100 000 Tiere angestiegen. Dies, obwohl es an Alternativmethoden nicht mangle und Forschung und Entwicklung in diesem Bereich auf Hochtouren liefen - grösstenteils durch Steuergelder finanziert. Erschreckend sei auch der Anstieg in den Schweregraden zwei und drei, die stärkste Belastungen beinhalteten.

Auch von der Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner kam Kritik. Sie fordert seit Langem eine schärfere Sanktionierung von Tierversuchen durch die Behörden, konsequenten Verzicht auf Tierversuche und die Förderung und Anwendung von geeigneten tierversuchsfreien Testmethoden.

(ap)