Boot gekentert

21. Dezember 2011 08:45; Akt: 21.12.2011 12:27 Print

Zahl der Toten steigt

Nach dem Untergang eines Schiffs mit über 250 Flüchtlingen an Bord vor der Küste der Insel Java wurden bislang 50 Leichen gefunden. Am Mittwoch ereignete sich ein zweites Fährunglück. 60 Menschen werden vermisst.

Vor der Küste von Java wird nach weiteren Überlebenden gesucht.

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Die Zahl der Toten nach dem Untergang eines überladenen Flüchtlingsboots vor der indonesischen Insel Java steigt weiter: Mehr als 50 Leichen wurden bis Mittwoch nach Angaben von Bergungskräften gefunden. Mehr als 150 Flüchtlinge wurden noch vermisst. Von den vermutlich 250 Menschen an Bord des Boots, das am Samstag vor Ostjava gesunken war, wurden bis Montag 49 gerettet.

«Wir hoffen immer noch, dass wir weitere Überlebende finden», sagte ein Sprecher der Küstenwache am Dienstag. Die Aussichten auf Erfolg galten jedoch als äusserst gering.

Das für 100 Insassen zugelassene Boot war am Samstag rund 60 Kilometer vor der Küste von Prigi in Ostjava gesunken. Die See vor Ostjava war rau, das Meer wimmelte vor Haien, und nach Angaben von Überlebenden waren nicht genug Schwimmwesten an Bord. Das Schiff sollte die Menschen, die überwiegend aus Afghanistan, Pakistan und dem Iran stammten, nach Australien bringen.

Schlepperroute aus dem Nahen Osten

Flüchtlinge aus dem Nahen Osten versuchen oft, über Indonesien nach Australien zu gelangen. Sie können ohne Visum nach Malaysia und von dort problemlos nach Indonesien reisen. Schlepper verlangen für die Passage nach Australien umgerechnet rund 2500 Franken pro Person.

Im November kamen acht Menschen um, als ein Boot mit Flüchtlingen aus dem Iran, Pakistan und Afghanistan vor Westjava sank. Das schwerste Unglück passierte im Oktober 2001: Damals ertranken 354 Menschen.

Keine seetauglichen Boote

Weil Australien aufgebrachte Flüchtlingsboote beschlagnahmt, setzen die Schlepper nach Angaben von Menschenrechtlern kaum seetaugliche Boote ein, sagte Anwalt George Newhouse der Agentur AAP. Die hohen Strafen für Schlepper bedeuteten, dass nur noch zwielichtige Gestalten mit wenig Erfahrung unterwegs seien.

Newhouse vertritt Überlebende des Unglücks vor der Weihnachtsinsel. Dort zerschellte vor einem Jahr bei Sturm ein Flüchtlingsboot an den Klippen. Rund 50 Menschen kamen ums Leben.

Flüchtlingsorganisationen fordern, dass Flüchtlingen der legale Weg nach Australien geebnet wird. In Asyllagern waren nach Regierungsangaben Ende Oktober 5138 Menschen, je knapp ein Drittel aus Afghanistan und dem Iran.

(sda)