Neuseeland

22. Februar 2011 06:25; Akt: 23.02.2011 00:11 Print

Zahlreiche Tote nach heftigem Erdbeben

Bei einem Erdbeben der Stärke 6,3 sind mehrere Gebäude in der Stadt Christchurch eingestürzt. Am Mittwochmorgen wurde die Zahl der Toten auf 75 revidiert.

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Unter einer umgestürzten Statue des Stadtgründers aus dem 19. Jahrhundert fanden die Rettungsarbeiter ein handgeschriebenes Pergament in einer Flasche und einen versiegelten Kupferzylinder, in dem historische Dokumente vermutet werden. Die Statue stand auf dem Hauptplatz der Stadt nahe der historischen Kathedrale. Während des Erdbebens am vergangenen Dienstag stürzte sie um. Museumsexperten untersuchen nun die Gegenstände. Die Presslufthammer schwiegen, die Kirchenglocken läuteten und über dem Parlamentsgebäude der Hauptstadt Wellington erklang ein maorisches Klagelied: Die Welt stand für zwei Minuten still, um der vermutlich 240 Erdbebenopfer zu gedenken. Das Erdbeben der Stärke 6,3 hatte am 22. Februar 2011 um 12.51 Uhr Ortszeit Christchurch erschüttert und schwere Schäden angerichtet, wie das Leser-Bild zeigt. Auf den Strassen der zweitgrössten neuseeländischen Stadt herrschte Angst und Panik. Das Beben liess den Turm der örtlichen Kathedrale umstürzen. «Der Turm ist einfach abgebrochen», berichtet Leser-Reporter Philippe Mösch. Der 25-Jährige hat das Beben in seiner Sprachschule miterlebt. Zahlreiche weitere Gebäude stürzten ein und begruben Menschen unter sich. Zahlreiche Menschen sind bei dem Erdbeben in Neuseeland ums Leben gekommen. Die Rettungsarbeiten wurden durch zahlreiche Nachbeben behindert. Das Zentrum des Erdstosses lag rund zehn Kilometer südwestlich von Christchurch. Die Erde bebte nach Augenzeugenberichten mehr als eine Minute lang. Tausende Menschen flüchteten aus der Innenstadt.

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Ein Erdbeben der Stärke 6,3 hat die zweitgrösste neuseeländische Stadt Christchurch am Dienstag heimgesucht. Der Erdstoss erschütterte die Stadt in der Mittagszeit (Ortszeit) und richtete grosse Verwüstungen an. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch (Ortszeit) sagte Ministerpräsident John Key, die Polizei habe bestätigt, dass die schweren Beben vom Vortag 75 Menschen das Leben gekostet haben. Zuvor war man von 65 Toten ausgegangen.

Etliche Gebäude stürzten ein, und Autos wurden unter Trümmern begraben. Mehrere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Es war bereits das zweite grössere Beben in der Stadt innerhalb von fünf Monaten.

Auf Live-Videoaufnahmen war zu sehen, wie mehrstöckige Häuser in sich zusammenfielen. Gebäudeteile krachten auf die Strassen, die mit Backsteinen und Trümmern übersät waren. Auf Strassen und Bürgersteigen traten Risse auf, und tausende verzweifelte Einwohner liefen in Panik durch die Strassen. Augenzeugen sagten, die Kathedrale der Stadt sei zerstört worden.

Dutzende Menschen sassen laut Fernsehberichten noch in Bürotürmen fest, andere hatten auf Hausdächern Zuflucht gesucht. Im Fernsehen war zu sehen, wie Helfer mehrere Schwerverletzte aus den Trümmern zogen.

Der Flughafen von Christchurch wurde geschlossen, und das Krankenhaus wurde evakuiert. Strom- und Telefonleitungen wurden gekappt und Wasserrohre beschädigt, einige Strassen wurden überschwemmt.

Bürgermeister verhängt Ausnahmezustand

Der Bürgermeister von Christchurch, Bob Parker, verhängte den Ausnahmezustand und rief die Einwohner auf, die Innenstadt zu räumen. «Macht keinen Fehler - dies wird ein sehr schwarzen Tag werden für diese erschütterte Stadt», sagte er.

Parker erklärte, er habe sich zum Zeitpunkt des Bebens kurz vor 13 Uhr Ortszeit in der obersten Etage der Stadtverwaltung aufgehalten und sei von der Wucht des Stosses durch den Raum geschleudert worden. «Ich bin runter auf die Strassen gegangen, und dort herrschten Szenen grosser Verwirrung, viele sehr aufgeregte Menschen», sagte Parker.

Der Stadtrat Barry Corbett, der sich ebenfalls in der Stadtverwaltung aufhielt, sagte: «Als das Beben aufhörte, habe ich aus dem Fenster gesehen, von dem man einen guten Blick über Christchurch hat, und da war nur Staub. Es war sofort klar, das viele Gebäude verschwunden sind.»

Laut Polizei zwei Busse zertrümmert

Die Polizei teilte in einer Erklärung mit, zwei Busse seien von herabfallenden Gebäudeteilen zertrümmert worden. Ausserdem gebe es Berichte über mehrere Brände und Menschen, die in den brennenden Häusern eingeschlossen seien.

Das Zentrum des Erdstosses lag fünf Kilometer von Christchurch entfernt in vier Kilometern Tiefe, wie der Geologische Dienst der USA mitteilte. Kurz darauf kam es elf Kilometer östlich der Stadt zu einem Nachbeben der Stärke 5,6 in sechs Kilometern Tiefe.

Die Stadt ist seit einem Erdbeben der Stärke 7,1 im September vergangenen Jahres von hunderten Nachbeben erschüttert worden. Bei dem Erdstoss vom 4. September entstand ein Milliardenschaden an mehreren hundert Gebäuden, und einige Menschen wurden verletzt. Ums Leben kam aber niemand.

Christchurch ist mit 350.000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt Neuseelands. Sie ist bei Urlaubern beliebt als Tor zur Südinsel.

Jährlich mehr als 14 000 Beben

Neuseeland liegt im pazifischen Feuergürtel, auch Ring aus Feuer genannt, einer Zone reger Vulkantätigkeit. Dort ereignen sich etwa 90 Prozent aller Erdbeben weltweit. Jedes Jahr kommt es zu mehr als 14 000 Beben, von denen aber nur etwa 150 zu spüren sind. Weniger als zehn richten Schäden an.

(Video: Youtube/waynealex2010)

(ap)