Wussten Sie schon?

01. August 2011 17:26; Akt: 04.08.2011 16:46 Print

Zehn Fakten zum Ramadan

Seit dem ersten August läuft der islamische Fastenmonat. Zeit für Erstaunliches, Erhellendes und Kurioses über den heiligsten Monat der Muslime.

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Mal im Winter, mal im Sommer.
Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders, der als reiner Mondkalender keinen direkten Bezug zum Gregorianischen Sonnenkalender hat. 2011 findet der Ramadan vom 1. bis 29. August, 2012 hingegen vom 20. Juli bis 18. August statt. Jedes Jahr verschiebt er sich im Vergleich zum Gregorianischen Kalender um elf oder zwölf Tage. Somit wird ein Muslim im Zeitraum von rund 33 Jahren an jedem Tag des Gregorianischen Kalenders mindestens einmal gefastet haben.

Siehst du die Mondsichel?
Der Ramadan beginnt wie jeder islamische Monat mit dem Neumond. Gemäss den Anweisungen des Propheten Mohammeds beginnt die Fastenzeit, sobald der Neumond (Sichelmond) von blossem Auge erkennbar ist. Aufgrund unterschiedlicher geografischer und klimatischer Bedingungen sehen aber nicht alle Muslime den Neumond zur selben Zeit. Das wiederum bedeutet, dass nicht alle am selben Tag mit dem Fasten beginnen. Astronomische Berechnungen bieten einen Ausweg, doch nicht alle sind damit einverstanden. Konservative Muslime mahnen an die Worte des Propheten.

Weniger essen? Nicht wirklich.
Festtage, auch solche mit religiösem Hintergrund, sind Zeiten des ungebremsten Konsums und der Völlerei. Warum sollte es im Islam anders sein? Tatsächlich zeigen Studien, dass in islamischen Ländern während der Fastenzeit eher mehr als weniger gegessen wird. Einen gewissen Ausgleich schafft das vermehrte Beten, das im Islam mit wiederholtem Aufstehen und Niederknien verbunden ist.

Konsum, Konsum, Konsum.
Während des Ramadans wird nicht nur mehr, sondern auch schwerer (mehr Fleisch, Süssigkeiten und Naschereien) gegessen. Die nächtlichen Gelage inklusive Festbeleuchtung führen auch zu einem Anstieg des Elektrizitäts- und Wasserkonsums sowie Verdauungsschwierigkeiten, die ihrerseits den Bedarf an Medikamenten ankurbeln. Staatsangestellte in islamischen Ländern stehen zudem unter Verdacht, während des Ramadans spät zur Arbeit zu erscheinen und früh wieder zu gehen. Ihre Entschuldigung: Erschöpfung vom Fasten.

Nicht nur Essen ist tabu.
Zur Verteidigung erschöpfter Beamten ist zu sagen, dass zwischen Sonnenaufgang und Sonnenaufgang nicht nur Essen, sondern auch Trinken untersagt ist – gerade in potentiell heissen Regionen des Nahen und Mittleren Ostens eine harte Bedingung, die konzentriertes Arbeiten wenn nicht verunmöglicht so doch erheblich erschwert. Bei Tageslicht ebenfalls verboten sind Rauchen, Kaugummikauen und Sex.

Wenn schon essen, dann bitte das Richtige.
Gemäss der Überlieferung empfahl der Prophet Mohammed während des Ramadans den Verzehr von Datteln und Wasser. Aus diesem Grund sind Datteln bis heute ein sehr beliebter Snack während des Ramadans, vor allem zum Frühstück kurz vor Sonnenaufgang. Der morgendliche Teil des Fastenbrechens findet sich auch im englischen Wort für Frühstück, «breakfast», wieder.

Kannst du den weissen Faden sehen?
Die nächtliche Zeitspanne, während der gegessen und getrunken werden darf, muss irgendwann enden. Diesen Augenblick beschreibt der Koran wie folgt: «Und esst und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weissen Faden von einem schwarzen Faden unterscheidet.» Das ist nicht wörtlich zu nehmen, sondern stellt vielmehr eine bildliche Umschreibung der Morgendämmerung dar. Der schwarze Faden ist die dunkle Silhouette der Erdoberfläche und der weisse der Silberstreifen am Horizont.

Hat jemand Remmidemmi gesagt?
Das Wort Ramadan ist vom arabischen Wortstamm r-m-d abgeleitet, der «grosse Hitze», «verbrannte Erde» und «Nahrungsknappheit» bedeutet. Vor der Einführung des islamischen Mondkalenders fiel der Fastenmonat tatsächlich in die heisse Jahreszeit. Der Name Ramadan verweist somit sowohl auf die ursprünglichen klimatischen Bedingungen als auch auf leiblichen Verhältnisse während des Fastenmonats

Warum das Ganze?
Im Kern soll die Entbehrung des Fastens dem Gläubigen helfen, seine Triebe zu kontrollieren. Damit hat er mehr Zeit und Energie um nachzudenken, zu beten, in die Moschee zu gehen, den Koran zu lesen, den Armen zu geben und damit Gott näher zu kommen. Da während des Ramadans dem Propheten Mohammed der Koran offenbart wurde, gilt er als der heiligste aller Monate.

Müssen alle?
Grundsätzlich ja, denn das Fasten ist einer der fünf Säulen des Islams. Trotzdem gibt es zahlreiche Ausnahmen, wenn Fasten gefährlich oder umständlich werden könnte. «Gott will es euch leicht machen, nicht schwer», heisst es hierzu im Koran. Ausgenommen sind vorpubertäre Kinder, Kranke, Senioren sowie schwangere oder stillende Frauen. Während der Menstruation ist Frauen das Fasten verboten. Neuerdings gilt auch harte, körperliche Arbeit als Grund für einen Dispens. Allerdings sollten verpasste Fastentage nachgeholt werden.

(kri)