US-Journalisten

28. Mai 2015 12:33; Akt: 28.05.2015 13:21 Print

Zmorge neben nervösen Fifa-Funktionären

Die Reporter Sam Borden und Michael Schmidt waren hautnah dabei, als es im Baur au Lac zu den Verhaftungen kam. Doch woher wusste die «New York Times» von der Polizeiaktion?

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Gestern noch forderte Uefa-Präsident Michel Platini (r.) Fifa-Boss Sepp Blatter zum Rücktritt auf. Heute beglückwünscht er ihn zur Wiederwahl. Sepp Blatter bleibt Präsident der Fifa und tritt damit seine fünfte Amtszeit an. Notare zählen die Stimmen nach der Wahl zum Fifa-Präsidenten aus. «Ich stehe Ihnen zur Verfügung. Und wenn Sie mich wollen, liebe Freunde, dann danke ich Ihnen», sagte Fifa-Präsident Sepp Blatter in seiner Rede kurz vor der Wahl. Israels Verbandspräsident Ofer Eini (vorne Mitte) reicht seinem palästinensischen Amtskollegen Jibril al Rajoub (Mitte) die Hand. Der Kongress hatte Blatters Vorschlag angenommen, eine Kommission zu gründen, die sich dem Zwist zwischen den Verbänden Israel und Palästina annimmt. Fifa-Vizepräsident Prinz Ali bin al-Hussein hält seine Rede vor der Wahl. Er tritt gegen Sepp Blatter an. Fifa-Präsident Sepp Blatter (r.) und Prinz Ali bin al-Hussein reichen sich vor der Wahl die Hand. Demonstranten wollten ins Hallenstadion - die Polizei drängte sie zurück. Die Polizei hat weitere Beamte aufgeboten. Zwei Demonstranten gelang es ins Hallenstadion einzudringen. Mit Rufen störten sie den Fifa-Kongress. Die Security begleiteten die Damen hinaus. Sepp Blatters erster Auftritt nach dem Auffliegen des Korruptionsskandals: «Es wird noch mehr schlechte Nachrichten geben», sagte er an der Eröffnung des Fifa-Kongresses. IOC-Präsident Thomas Bach hielt ebenfalls eine Rede: «Es sind wichtige Tage für die Fifa, aber auch schwierige und traurige Tage.» Vor, zwischen und nach den Reden wurde immer wieder musiziert, getanzt und gesungen. Uefa-Präsident Michel Platini: «Nur ein Wechsel an der Spitze kann bei der Fifa etwas ändern.» Platini will Blatters Wahl verhindern und empfiehlt die Stimme dem Herausfordere Ali bin al-Hussein zu geben. Mehrere Fifa-Funktionäre sind wegen Verdachts auf Korruption am 27. Mai 2015, zwei Tage vor der Fifa-Präsidentschaftswahl, festgenommen worden. Die Polizeiaktion ist im Zürcher Hotel Baur au Lac durchgeführt worden. Einige der Verhafteten sind aus diesem Personaleingang geführt worden. Die Festgenommenen werden mit Sichtschutz aus dem Nobelhotel eskortiert (Screenshot eines Smartphone-Videos). Beamte begleiten Verhaftete zu einem Auto. Mitglieder der Schweizer Strafverfolgungsbehörde an der Rezeption des Baur au Lac. Das Interesse ist riesig, vor Ort sind zahlreiche Medienvertreter aus aller Welt. Journalisten vor dem Nobelhotel Baur au Lac. Die Polizei vor dem Fünf-Sterne-Haus. Innenhof des Luxushotels. Die Organisation von Sepp Blatter wird immer wieder mit Korruption in Verbindung gebracht. Der Hauptsitz des Weltfussballverbands Fifa in Zürich. Um 11 Uhr findet hier eine Medienkonferenz statt. Riesenaufgebot der Medien am Zürichberg, wo die Fifa ihren Hauptsitz hat. Journalisten kurz vor der Medienkonferenz. Fifa-Sprecher Walter De Gregorio.

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Die Meldung der renommierten «New York Times» hat am frühen Mittwochmorgen ein Medienbeben ausgelöst. Die Polizei verhaftete im Zürcher Fünf-Sterne-Hotel Baur au Lac sieben ranghohe Mitglieder der Fifa. Und dies lediglich zwei Tage bevor ein neuer (oder der alte) Präsident der Fussball-Organisation gewählt wird. Für einen Tag schaute die ganze Welt nach Zürich.

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An vorderster Front dabei waren die beiden Reporter Sam Borden und Michael Schmidt der «New York Times». Um vier Uhr in der Früh kamen sie im Nobelhotel beim Zürichsee an. «Wir wussten nicht, was genau passieren wird. Landen sie mit dem Helikopter auf dem Dach oder stürmt ein SWAT-Team das Hotel?», sagt Schmidt der Online-Zeitung Huffington Post. «Schliesslich war es ein Gruppe freundlich dreinblickender Schweizer Hipster», beschreibt er die Zürcher Beamten.


Die Verhaftungen seien sehr friedlich und ruhig verlaufen, bestätigt auch Sportkorrespondent Borden dem Newsportal. «Wenn ich im Zimmer nebenan geschlafen hätte, wäre ich wohl nicht aufgewacht.»

Informationen zugespielt?

Doch woher wussten die Reporter vom Polizeieinsatz? Im Netz kursieren Gerüchte, dass der «New York Times» von offizieller Seite Informationen zugespielt worden seien. So schrieb beispielsweise Fifa-Blogger Jens Weinreich: «Die ‹New York Times› wusste das, dank traditionell guter Kontakte zu den Law Enforcement Agencies, offenbar vorab.»

Matt Apuzzo, Journalist der «New York Times» und Co-Autor bei der Fifa-Story, widerspricht. «Niemand zieht dich zur Seite und sagt, ‹so, das musst du wissen›. Es hat viel mit der Deutung von Signalen und Vermutungen zu tun», so Apuzzo zur Huffington Post. Die Journalisten hätten mehrere Tage lang an dieser Story gearbeitet und intensiv recherchiert. Die Zeitung habe die beiden Journalisten ins Flugzeug in Richtung Schweiz gesetzt, in der Hoffnung, dass es klappt. Die «Times» habe aber weder einen Tipp zum Zeitpunkt, zum Ort oder zu den involvierten Personen im Vorfeld erhalten.

Gipfeli und Zitronenkuchen

Die beiden US-Journalisten versorgten aber nicht nur ihre Zeitung mit Informationen. Auf Twitter veröffentlichten sie Bilder und Beobachtungen direkt aus dem Hotel. «Die Polizisten haben an der Rezeption die Zimmer-Nummern von Fifa-Funktionären erfahren und gehen jetzt nach oben», twitterte Michael Schmidt. Und als andere Medien auf die Story aufmerksam werden, schreibt er: «Der Concierge wird mit Telefonanrufen bombardiert. Es hört sich an wie Presseanrufe. Sein Englisch ist nicht sehr gut.» Borden hingegen twitterte ein kurzes Video von der Szenerie beim Baur au Lac.

Das alles taten sie auf leeren Magen, wie die Huffington Post schreibt. Denn fürs Frühstück war in der ganzen Aufregung keine Zeit. Fünfeinhalb Stunden nach ihrer Ankunft hätten sie dann doch noch einige Gipfeli sowie Zitronenkuchen im Baur au Lac verspeisen können – direkt neben einigen sehr nervösen Fifa-Mitgliedern.

(dia)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sepple am 27.05.2015 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lächerlich, nur noch lächerlich

    es ist eine schande wie der concacaf soviel gewicht haben kann als wäre der verband ein global player auf dem fussballweltmarkt! die noch grössere schande ist nur noch blatter selber. die FIFA und die folgenden WMs sind nur noch ein witz. überlege mir schwer ob ich die noch verfolgen soll (und dass als fussballbegeisterter). ich könnt wirklich kotzen...

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  • Luschti am 27.05.2015 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, ja

    es passiert etwas, aber eben nicht genug. Denkt ihr, wenn SB abtritt gibt es in de FIFA keine Korruption mehr? Der Nächste wartet schon bereits. Macht, Geld und Gier sind die Hauptzutaten für Korruption. Die FIFA steht nicht alleine da. Wenn Ihr was dagegen tun wollt, dann hört auf Fussball zu schauen und konsumiert die Produkten von den Sponsoren nicht mehr. Lästern und sich dabei aufregen hilft hier nichts. Aber ich verstehe den Frust ;)

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  • Michael Bonaventura am 27.05.2015 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    16.07.1979

    Ok, mann soll ja "Seppli" nicht mit Saddam Hussein vergelichen. Erinnert mich aber in gewisser Weise, als dieser seine Macht erst dann fertigte, wo alle Delgierten versammelten waren. Was ja danach geschah ist Geschichte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Res am 29.05.2015 00:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Süd Amerikaner

    So viel Gerede aber wo wurden die Bankkonten von diese Herren aus Süd Amerika eingefroren ????? Wo Wohl ??? In der Schweiz und ist denn dieses Geld legal schwarz oder weiss????

  • Hans am 29.05.2015 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Mich wundert

    warum haben die AMI's die Leute nicht zur Fandung ausgeschrieben, so dass sie schon bevor sie in der Schweiz waren am Zoll verhaftet worden wären? Die Schweiz hat wieder mal wie schon bei Roman Polanski als Chasperli-Figur fungiert. Warum nur haben wir solche Weicheier von Politikern, Staatsanwälen, Richtern welche sich immer drein reden lassen von fremden Staaten, Gerichten etc. (wie ja auch von der EU oder dem Europ.-Gerichtshof etc.

  • Tanja am 29.05.2015 00:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ernst der Lage...

    Also die Karikaturen sind zum schmunzeln...

  • Cel Lo am 28.05.2015 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis

    Ihr habt es nicht begriffen. Es wird nicht gegen die FIFA ermittelt, sondern gegen einzelne Funktionäre, die in den USA kriminell geworden sind.

    • Rumpelstilzchen am 28.05.2015 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Alles nur Verschwörungstheorie?

      Aber es geht doch nur um die FIFA. Die Funktionäre sind nur die Bauernopfer. Zeitlich passend, hat die USA nun zugeschlagen und Macht demonstriert. Sie wollen mehr Einfluss bei der FIFA und werden dafür Blatter den Posten sichern. Blatter hat wichtige Kontakte und womöglich werden dann künftig Länder mit höheren Ölvorkommen in den Genuss der nächsten WM-Austragungsorte kommen, womit diese Länder viel Geld verdienen können, und die USA bekommen dann dafür Öl.

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  • Martin Lerch am 28.05.2015 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    UNSER REICHTUM

    Es geht um ein paar hundert Millionen Dollar Schmiergelder, die diese FIFA Funktionäre erhalten haben. Die USA wollen beweisen, dass die Straftaten auf US-Boden begangen, über US-Banken abgewickelt wurden. Das Ziel ist klar: Die USA wollen dieses Geld beschlagnahmen und in die Staatskasse bekommen, was legal wäre, wenn die Funktionäre verurteilt würden. Besser sollten wir sie in der Schweiz vor Gericht stellen und beweisen, dass das in der Schweiz verbrochen wurde und das Geld hier beschlagnahmen. Aber so helle ist unser Bundesrat nicht.