20. April 2005 13:54; Akt: 20.04.2005 14:02 Print

Zoo Zürich: Elefantengeburten via Internet

Im Zürcher Zoo werden dieses Jahr gleich zwei Elefantengeburten erwartet. Mit der ersten wird jeden Tag gerechnet, die Tierpfleger schieben bereits Nachtwache.

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Interessierte können sich die Geburt im Internet ansehen. Voller Appetit macht sich Ceyla-Himali über das Fressen her, das ihr die Tierpfleger bereit gestellt haben. Die Elefantenkuh packt hier einen dünnen Haselzweig und schlingt dort ein Büschel Heu hinunter.

Ceyla-Himali isst momentan für zwei; sie ist trächtig. Ihr Bauch hat links und rechts zwei mächtige Beulen. Eine Besucherin meint am traditionellen Zoo-Apéro vom Mittwoch eine Bewegung im Bauch bemerkt zu haben: «Schau, das Kleine dreht sich!» ruft sie.

Jeden Tag kanns soweit sein

«Wir rechnen jeden Tag mit der Geburt», sagt Kurator Robert Zingg. Allerdings könne es auch noch ein paar Wochen dauern. Elefanten haben nämlich eine Tragzeit von 22 Monaten, wie Zoo- Direktor Alex Rübel sagt. Abweichungen von bis zu zehn Prozent, also zwei Monate, seien normal.

Für Ceyla-Himali ist es nicht die erste Geburt. Schon fünf Jungtiere hat die bald 30-jährige Elefantenkuh schon zur Welt gebracht. Drei sind bereits tot: Komali musste eingeschläfert werden, Xian und Aishu erlagen einer Herpesinfektion. Im Tierpark München lebt heute die Kuh Panang, im englischen Chester der Bulle Upali.

Indi gebärt im Herbst

Die zweite Geburt erwarten die Zoo-Verantwortlichen ungefähr im September. Mutter wird die 19 Jahre alte Indi. Sie ist zum zweiten Mal trächtig. Im Jahr 2002 gebar sie Tochter Chandra. Zur Zürcher Elefantengruppe gehören neben Ceyla-Himali, Indi und Chandra noch zwei Elefantenkühe und ein Bulle.

Damit nach den zwei Geburten kein Platzmangel herrscht, wurde das Innengehege im Zoo stark vergrössert, wie Rübel sagt. Die Gruppenmitglieder sollen sich auch mal aus dem Weg gehen können. Zudem gibt es einen zweiten Zugang zur Aussenanlage, die zurzeit saniert wird. «Auch das gibt uns mehr Flexibilität», sagt Rübel.

Der Zoo möchte das Publikum an der ersten der beiden Geburten teilhaben lassen. Im Innen- und Aussengehege wurden deshalb Web- Kameras installiert. Besucher der Zoo-Website können das Geschehen live mitverfolgen.

Der Geburtsvorgang selber wird kurz nach der Niederkunft als Aufzeichnung übertragen. Interessenten werden per SMS oder Email alarmiert. Die geplante Internetübertragung gefährde das Wohl der Tiere in keiner Weise, betont Rübel. Bisher hätten alle Elefantengeburten im Zoo Zürich gefilmt oder fotografiert werden können.

Der Zoo wolle das erwartete grosse Interesse an der Geburt nutzen, um auf die bedrohliche Situation des Asiatischen Elefanten in freier Wildbahn aufmerksam zu machen. Der Bestand wird noch auf 40 000 bis 50 000 Tiere geschätzt, mit sinkender Tendenz. Hauptproblem ist der Verlust von Lebensräumen.

(sda)