Moskau

15. Juli 2014 10:45; Akt: 16.07.2014 17:15 Print

Zwei Verdächtige nach Metro-Unglück verhaftet

Neue Erkenntnisse zum Metro-Unfall in Moskau mit mindestens 22 Toten: Zwei Arbeiter wurden festgenommen, weil Arbeiten an den Weichen nicht ordnungsgemäss durchgeführt worden seien.

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An der tiefsten Stelle der Metro entgleist ein Zug, voll besetzte Waggons verkeilen sich und werden regelrecht zerfetzt. Ermittler widersprachen mittlerweile ersten Angaben, ein Stromausfall habe die Tragödie vom Dienstag ausgelöst. Sie vermuten, dass die Schuld bei Arbeitern liegen könnte.

Mindestens 21 Menschen kamen amtlichen Angaben zufolge bei dem Unfall ums Leben, Ein weiterer Passagier starb an seinen Verletzungen, wie die Agentur Interfax am Mittwoch unter Berufung auf Behörden meldete. Die Tragödie ereignete sich an der tiefstgelegenen Metro-Station, Park Pobedy.

Rund 120 Verletzte noch in Spitalpflege

Laut den Behörden wurden mehr als 120 der rund 180 Verletzten des U-Bahn-Unglücks noch in Spitälern behandelt. Rund 40 von ihnen sollen schwere Verletzungen erlitten haben. An den Metrostationen Slawjanski Bulwar und Park Pobedy dauerten die Reparaturarbeiten an.

Ermittler gehen von einer technischen Ursache des Unfalls aus. Am Mittwochmorgen wurden zwei Personen verhaftet. Wie die Ermittler mitteilten, handelt es sich dabei um den Abteilungsleiter für die Bahnstrecken und seinen Stellvertreter. Am Unglücksort sei eine neue Weiche bei Reparaturarbeiten im Mai nicht ordnungsgemäss installiert worden, hiess es weiter.

Die Wagen waren bei Tempo 70 mitten im Berufsverkehr entgleist. Wegen des Unglücks setzte die Metro auch am Mittwoch Ersatzbusse ein. In der russischen Hauptstadt begann ein «Tag der Trauer». Es war das schwerste Unglück in der fast 80-jährigen Geschichte der Metro.

«Ein Wunder, dass wir rausgekommen sind»

Mehr als 1100 Menschen wurden aus dem Zug geholt. Mehrere Schwerverletzte wurden mit Helikoptern ausgeflogen. Park Pobedy ist mit 84 Metern die tiefstgelegene Moskauer Metrostation. Über sie ist der riesige Park zu erreichen, in dem sich das Museum zum Zweiten Weltkrieg befindet.

Neben der Tiefe des Tunnels machte auch die Lage der Waggons die Bergungsaktion besonders schwierig. Erst nach zwölf Stunden war sie abgeschlossen. In einem Video des Katastrophenschutzministeriums ist zu sehen, dass die verkeilten Waggons die gesamte Tunnelbreite blockierten.

Über soziale Netzwerke wurden Fotos veröffentlicht, auf denen zu sehen war, wie Fahrgäste entlang der Schienen durch den schwach beleuchteten Tunnel gingen. Ein Mann sagte dem Fernsehsender Rossija 24, der Zug sei abrupt zum Stehen gekommen. «Da war Rauch und wir waren drinnen gefangen», sagte er. «Es ist ein Wunder, dass wir rausgekommen sind. Ich dachte, das ist das Ende.»

Verantwortliche werden gefeuert und angeklagt

Der russische Präsident Wladimir Putin forderte während seines Brasilien-Besuchs eine umfassende Untersuchung und strafrechtliche Ermittlungen, wie sein Sprecher russischen Nachrichtenagenturen sagte.

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin sagte, dass die Verantwortlichen nicht nur ihren Job verlieren, sondern auch angeklagt werden würden. Ministerpräsident Dmitri Medwedew sprach denFamilien der Opfer sein Beileid aus. Nach Angaben russischer Medien waren unter den Opfern auch ein Chinese und ein Tadschike.


(Video: Reuters)

(sda)