Tod mit Giftspritze

24. Juli 2014 04:45; Akt: 24.07.2014 04:48 Print

Zweifacher Mörder qualvoll hingerichtet

Erneut wurde eine Hinrichtung in den USA zu einem Todeskampf. Der Anwalt von Todeskandidat Joseph Wood spricht von Pfusch. Die Opferfamilie verspürt Genugtuung.

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Bei einer Hinrichtung in den USA ist es offenbar erneut zu Pannen gekommen: Nach einem fast zweistündigem Todeskampf ist ein verurteilter Mörder im Staat Arizona qualvoll gestorben. Am Mittwoch wurde Joseph Rudolph Wood um 15:49 Uhr (Ortszeit)für tot erklärt, wie das Büro der örtlichen Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Die Exekution begann demnach um 13:52 Uhr.

Noch während der Hinrichtung beantragte Woods Anwalt Dale Baich beim Obersten Gericht der USA eine Notfallverfügung, um den Todeskampf zu stoppen. Der Verurteilte «schnappt mehr als eine Stunde lang nach Luft und schnaubt», hiess es in dem Bittschreiben. Etwa eine halbe Stunde nach dem Tod Woods wurde bekannt, dass Richter Anthony Kennedy das Gesuch abgelehnt hatte.

Ex-Freundin und deren Vater umgebracht

Anwalt Baich sprach von einer verpfuschten Exekution, die eigentlich nicht länger als zehn Minuten hätte dauern dürfen. Mehr als 600 Mal habe sein Mandant um Atem gerungen.

Wood wurde zum Tode verurteilt, weil er seine Ex-Freundin Debra Dietz und deren Vaters 1989 in Tuscon umgebracht hatte. Mit Dietz hatte der heute 55-jährige eine Beziehung geführt, in der er sie wiederholt tätlich angriffen haben soll. Sie hatte versucht sich von ihm zu trennen und erwirkte eine Schutzanordnung gegen Wood.

Letzter Einspruch verworfen

Mehrmals hatte Todeskandidat Wood die Strafvollstreckung abzuwenden versucht. So berief er sich unter anderem darauf, dass er während seines Prozess keine ausreichende anwaltliche Vertretung hatte. Zudem stellte er die Geheimhaltung rund um die Medikamente in der Todesspritze für die Exekution infrage.

Erst am Mittwochmorgen (Ortszeit) machte das Oberste Gericht von Arizona nach einem juristischen Hin und Her in letzter Minute den Weg für die Exekution Woods frei. Die Richter hatten die Hinrichtung zuvor vorübergehend ausgesetzt, um einen letzten Einspruch zu prüfen. Schliesslich verwarfen sie ihn.

Weitere umstrittene Hinrichtungen

Woods langer Todeskampf dürfte die Debatte rund um Exekutionen und den Einsatz von Giftspritzen in den USA neu entfachen. Im Januar japste und keuchte ein verurteilter Mörder in Ohio 26 Minuten lang, bis er starb. In Oklahoma erlag ein Häftling einer Herzattacke, nachdem Gefängnisbeamte die Exekution kurz gestoppt hatten, weil der Giftcocktail nicht richtig injiziert worden war.

Der Staat Arizona setzt mit dem Beruhigungsmittel Midazolam und dem Schmerzhemmer Hydromorphon die gleichen Medikamente ein, die bei der umstrittenen Hinrichtung von Dennis McGuire in Ohio genutzt wurden. Im Fall Oklahoma wurde ein anderer Giftmix verwendet.

Opferfamilie findet Todeskampf nicht schlimm

Mit dem Verlauf der Exekution von Joseph Rudolph Wood hatten die Angehörigen der Opfer keine Probleme. «Dieser Mann hat einen schrecklichen Mord begangen und ihr macht euch jetzt Sorgen um die Medikamente?», fragte Richard Brown. «Warum haben sie ihm nicht eine Kugel verpasst, warum haben wir ihm nicht Drano (Rohrreinigermarke) gegeben?»

Vor seiner Hinrichtung wandte sich Wood in seinen letzten Worten an die Familie seiner Opfer. «Mich tröstet das Wissen, dass mein Schmerz heute endet, und ich habe ein Gebet gesprochen, dass ihr an diesem oder einem anderen Tag in euren Herzen Frieden finden möget und Gott euch allen vergibt», erklärte Wood.

(ann/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steff am 24.07.2014 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja...

    Tja, habe gerade nicht sooo viel Mitleid.

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  • Maddin Joop am 24.07.2014 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Darum heisst es ja "Strafe"

    Die Opfer hatten es oft nicht einfacher und starben einen langsamen, qualvollen Tod. Und die konnten nicht wählen, ob sie Opfer werden. Er als Mörder wählte, dass er Täter wurde. Hört auf mit diesem "Mörder-Versteherlis"..

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  • Z.Kali am 24.07.2014 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechte Strafe

    Mein Mitleid hält sich da definitiv in Grenzen.Frage mich, wie die von ihm Ermordeten um ihr Leben gebetelt haben,oder Leiden mussten? Er hat aus niedrigen und egoistischen Beweggründen zwei Menschen ermordet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Henker am 25.07.2014 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Meschenunwürdig oder vertretbar?

    Ob das Menschenunwürdig war oder nicht möchte ich nicht beurteilen. Ich bin auch froh, dass dies nicht meine Entscheidgung war. Tatsache ist, dass wir hier von einem DOPPELMÖRDER sprechen welcher grossen Schmerz und Leid anderen Menschen zugefügt hat. Also in diesem Fall hält sich mein Mitleid sehr in Grenzen.

  • Mensch am 24.07.2014 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch!!

    Wenn man hier liest, dass immer noch Menschen Gleiches mit Gleichem vergelten wollen und dass es für sie in Ordnung ist, wenn ein Mörder (Mensch!!!) beim Tod verrecken muss, tja dann... haben weder der Mann aus Nazareth, noch der Humanismus erreicht, was sie eigentlich wollten! Da wird einem nur schlecht!!!

  • Rigoletto am 24.07.2014 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was solls

    Die Natur kann schon grausam sein.

  • Morde am 24.07.2014 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Deut besser als der Mörder

    Im Namen des Staat ist morden ok? Das ist wie Selbstjustiz einfach legal, und wenn sie dann Leiden finden das die Angehörigen noch rechtens, weil sie auch gelitten haben. Logisch ist es nicht zu beschreiben was Leute durchmachen nach einem Mord, aber Mord ist Mord egal was da für Rechtfertigungen aufgestellt werden. Oder soll ein Vergewaltiger auch vergewaltigt werden? Und ich frag mich sowieso was schlimmer ist, lebenslang in Knast sitzen und da zu sterben, oder nach 2,3 Jahren durch die Spritze sterben? Wenn alles gut läuft ist es ja ähnlich wie bei der Sterbehilfe, man pennt ein und stirbt.

  • karinY am 24.07.2014 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wie im Mittelalter

    Unglaublich. Wenn ich mir die Kommentare so durchlese. Bei der Scharia regt man sich auf und hier tönt es wie ein Jubelgeschrei beim Scheiterhaufen. Wir müssen uns andere Strafen für Gewaltverbrecher ausdenken, Haft und Einsperren bringt offensichtlich gleich wenig wie Resozialisierung. Wie wärs mit Alternativvorschlägen? Wir leben im 2014! Habt ihr aus der Geschichte nichts gelernt?

    • Beobachter am 24.07.2014 15:02 Report Diesen Beitrag melden

      Unterschied!

      Bei der sharia wird das Urteil in 20 Miuten gefaellt und die Hand gleich anschliessend abgehackt. Wenn man Glueck hat wird sie "amputiert". Da Allah bei der Urteilsfindung hilft sind Fehlurteile ausgeschlossen. Hier handelt es sich um einen Moerder dessen Fall/Schuld geprueft wurde. Aber stimmt schon, dieser Fall sollte nicht die Todesstrafe bekommen daes kein Widerholungstaeter war.

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