Mysteriöser Todesfall

11. Januar 2019 18:55; Akt: 11.01.2019 18:55 Print

Pädophiler gesteht Mord an Kinder-Beautyqueen

Ein verurteilter Pädophiler gibt in einem Brief zu, die sechsjährige JonBenét Ramsey getötet zu haben – doch die Behörden bleiben untätig. Wieso?

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Gary Oliva (54) soll in einem Brief an seinen Schulfreund Michael Vail den Mord an JonBenét Ramsey gestanden haben. Obwohl Oliva ein verurteilter Pädophiler ist, hat ihn die Staatsanwaltschaft von Colorado bis jetzt nicht angeklagt. JonBenét Ramsey aus Boulder, Colorado, wurde in der Nacht auf den 26. Dezember 1996 Opfer eines Gewaltverbrechens. Das Mädchen wurde nur sechs Jahre alt. JonBenét wurde in ihrem Elternhaus erwürgt und im Keller abgelegt. In den frühen Morgenstunden des 26. Dezembers meldeten sie ihre Eltern John und Patsy Ramsey als vermisst, nachdem sie eine Lösegeldforderung im Haus gefunden hatten. Die Summe: 118'000 Dollar. Der Betrag machte die Ermittler stutzig, da Vater John genau jener Betrag als Bonus ausbezahlt worden war. Deshalb gerieten er und seine Frau Patsy in Verdacht, etwas mit JonBenéts Tod zu tun zu haben. Im Laufe der Jahre kamen immer wieder neue Details ans Licht – geknackt wurde der Fall aber bis heute nicht. Im Jahr 2006 geriet der ehemalige Lehrer John Mark Karr ins Visier der Ermittler. Karr hatte sogar gestanden, das Kind ermordet zu haben. Doch das FBI kam zum Schluss, dass Karr sich aus Faszination für den Fall als Mörder aufgespielt hatte. Die Ermittler schlossen auch Mutter Patsy Ramsey nicht eindeutig als Täterin aus: Eine grafologische Untersuchung schloss sie nicht eindeutig als Verfasserin des Erpresserbriefs aus. 2008 wurde Patsy Ramsey formal entlastet. Sie selber erlebte das nicht mehr: Die Mutter war 2006 an Krebs gestorben. Patsy Ramsey liegt neben ihrer Tochter JonBenét begraben. 2016 stellte ein Dokumentarfilm die Theorie auf, dass JonBenéts Bruder Burke, zum Tatzeitpunkt neun Jahre alt, seine Schwester im Streit mit einer Taschenlampe getötet habe. Die Eltern hätten dann versucht, die Tat zu vertuschen. (Im Bild: Burke Ramsey beim Begräbnis seiner Mutter Patsy 2006) In der Netflix-Doku «Casting JonBenét» aus 2017 befasst sich Filmemacherin Kitty Green (Bild) mit dem Mordfall. In der Netflix-Doku spielt Hannah Cagwin die Rolle der getöteten Mini-Schönheitskönigin.

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Ist der Mord an JonBenét Ramsey nach über zwanzig Jahren geklärt? Der 54-jährige Gary Oliva hat in einem Brief an einen ehemaligen Schulkollegen gestanden, das sechsjährige Mädchen im Jahr 1996 getötet zu haben. «Es war ein Unfall, bitte glaub mir», schrieb Oliva. «Ich habe noch nie jemanden so sehr geliebt wie JonBenét. Trotzdem liess ich sie entgleiten. Ihr Kopf schlug in zwei Hälften auf, und ich sah sie sterben.»

Der Fall
Tot im Keller

Der Mord an JonBenét Ramsey beschäftigt die USA seit 22 Jahren. Die Eltern des Mädchens fanden am ersten Weihnachtstag 1996 im Eingang des Familienhauses in Boulder, Colorado, einen dreiseitigen Erpresserbrief. Darin stand, dass die kleine JonBenét, die mehrere Little-Miss-Wettbewerbe gewonnen hatte, gekidnappt worden sei und erst gegen eine Zahlung von 118’000 Dollar freikomme. Die Eltern alarmierten die Polizei, die zunächst wegen Kindesentführung ermittelte.

Wenige Stunden später entdeckte Vater John Ramsey seine Tochter erdrosselt und mit Klebeband gefesselt im Keller. Die Gerichtsmediziner stellten eine Schädelfraktur fest, Verletzungen im Intimbereich deuteten auf eine Sexualstraftat hin.

Die Ermittlung
Eine Liste mit Namen

Im Laufe der Ermittlungen glaubte die Polizei mehrmals, den Mörder von JonBenét gefasst zu haben. Zwischenzeitlich standen sämtliche Mitglieder der Familie auf der Liste der Verdächtigen. Ausserdem wurde gegen eine ehemalige Haushälterin der Ramseys sowie gegen einen Handwerker und einen Weihnachtsmann-Darsteller ermittelt. Die Beweise reichten aber nicht für eine Anklage.

Die Spuren
Keiner passt als Täter

Vor zehn Jahren legte der ehemalige Lehrer John Karr ein Geständnis ab. Weil seine DNA jedoch nicht mit den Spuren am Tatort übereinstimmte, schloss die Polizei ihn als Täter aus. Der Mann habe sich aus Faszination für den Fall als Mörder aufgespielt, meinten die Ermittler.

Vor zwei Jahren sorgte schliesslich ein Dokumentarfilm des US-Senders CBS für Schlagzeilen: Darin stellten die Macher die Theorie auf, dass JonBenéts Bruder Burke, zum Tatzeitpunkt neun Jahre alt, seine Schwester im Streit mit einer Taschenlampe getötet habe. Die Eltern hätten dann versucht, die Tat zu vertuschen. Der mittlerweile 31-jährige Burke Ramsey wehrte sich vehement gegen die Anschuldigungen und verklagte das TV-Studio wegen Verleumdung auf 750 Millionen Dollar. Die Klage wurde vor einer Woche abgewiesen.

Gary Oliva
Wer ist dieser Mann?

Nun befeuert der Brief von Gary Oliva den Fall erneut. Der Mann sitzt in einem Gefängnis in Colorado. 2016 wurde er wegen Besitzes von kinderpornografischem Material auf seinem Handy zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Bei der Untersuchung des Geräts fanden die Ermittler auch zahlreiche Fotos von JonBenét Ramsey. Sogar von der Obduktion des Kindes gab es offenbar Aufnahmen.

Trotz Geständnis und obwohl die Ermittler Oliva seit Jahren im Visier hatten, klagte ihn die Staatsanwaltschaft von Colorado für die Tat noch nicht an – aus mehreren Gründen: Genau wie im Fall von Lehrer John Karr stimmen die Spuren am Tatort nicht mit Olivas DNA überein. Ausserdem schloss eine Handschriftenanalyse Oliva als Verfasser des Erpresserschreibens aus.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass Oliva die Tat gesteht, wie das Portal «Newser» berichtet. Er stand zwar schon einmal auf der Liste der Verdächtigen, da er zum Tatzeitpunkt kaum zehn Blocks vom Haus der Ramseys gelebt hatte. Bei einer Verhaftung wegen Waffen- und Drogenbesitzes im Jahr 2000 fand die Polizei ein Gedicht mit dem Titel «Ode an JonBenét» bei Oliva.

Michael Vail, der Empfänger des Briefes von Oliva, erzählte der «Daily Mail», dieser habe in der Nacht vom 26. Dezember 1996 weinend angerufen. «Ich habe einem kleinen Mädchen wehgetan», soll Oliva gebeichtet haben.

Wie weiter?
Ein Entscheid der Behörden

Oliva selber bezeichnet sich «als Serienmörder». «Ich habe eine Störung, die ich nicht kontrollieren kann. Ich habe den Polizisten von allen Morden erzählt, an die ich mich erinnern kann, aber sie können keinen von ihnen beweisen», schrieb der verurteilte Pädophile seinem Kollegen.

2020 soll Oliva auf Bewährung freikommen. Seinem Kollegen graut es. «Gary ist eine Gefahr für alle. Seit dem Anruf in jener Nacht wusste ich immer, dass er etwas mit JonBenéts Tod zu tun hat.» Vail hofft nun, dass die Ermittler Olivas Aussage diesmal ernst nehmen. «Ich denke, sie legen zu viel Wert auf die DNA-Spuren. Es wurde inzwischen festgestellt, dass der Tatort und die Beweise verunreinigt worden waren.»

(kle)