Germans on the Throne

25. April 2011 20:05; Akt: 25.04.2011 20:06 Print

Die deutschen Herrscher Britanniens

von Peter Blunschi - Die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton wird zum Freudenfest des britischen Nationalstolzes. Dabei haben die Deutschen noch mehr Grund zum Feiern.

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Königin Elizabeth und Prinz Philip, flankiert von Prinzessin Sophie von der Pfalz, der «Stammmutter» der Königsfamilie, und von Philips Vater Prinz Andreas von Griechenland aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg.

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Den Five-O’Clock-Tea gibt’s nur noch für Touristen, statt Fish’n’Chips isst man Curry – selbst bei den traditionsbewussten Briten ist vieles nicht mehr so, wie es mal war. Gut gibt es die Royals, sie wenigstens bleiben eine unerschütterliche, zutiefst britische Institution. Bei genauer Betrachtung allerdings verfügt William Arthur Philip Louis Mountbatten-Windsor nur über wenige britische Gene – zum grössten Teil ist er ein Deutscher.

Das Deutschtum auf dem britischen Thron geht zurück auf das Jahr 1701. Damals regierte Königin Anne aus dem schottischen Haus Stuart. Trotz etwa 18 Schwangerschaften konnte sie die Thronfolge nicht sichern – keines ihrer Kinder wurde älter als elf Jahre. Das führte zu einem Problem, denn die Stuarts waren vorwiegend römisch-katholischen Glaubens – für das englische Parlament ein Tabu. Es verfügte im Act of Settlement, dass die Thonfolge auf die nächste protestantische Verwandte überging: Prinzessin Sophie von der Pfalz.

Hannoveraner und Coburger

Die Kurfürstin von Braunschweig-Lüneburg starb 1714, nur wenige Wochen vor Königin Anne. Deshalb erbte ihr Sohn Georg als König George I. die britische Krone. Weil sich seine Residenz in Hannover befand, wurde die britische Königsfamilie von nun an als Haus Hannover bezeichnet. Dessen Regentschaft dauerte fast 200 Jahre und endete mit der legendären Queen Victoria. Diese hatte ihren ebenfalls deutschen Cousin geheiratet, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Von nun trugen die Royals seinen Namen.

Allerdings nur bis 1917. Im deutschfeindlichen Klima der Ersten Weltkriegs beschloss Victorias Enkel, König George V., den Familiennamen zu «anglisieren». Aus Sachsen-Coburg-Gotha wurde das Haus Windsor, benannt nach dem königlichen Residenzschloss vor den Toren Londons. Die deutsche Abstammung wurde dadurch verschleiert, der deutsche Genpool hingegen nicht etwa verwässert, sondern weiter aufgefrischt durch die aktuelle Königin Elizabeth, oder vielmehr ihren Gemahl Philip Mountbatten.

Der falsche Grieche

Dessen Nachname ist genauso eine «Mogelpackung» wie jener der Royals. Philip hat ihn von seiner Mutter übernommen, Prinzessin Alice von Battenberg. Diese Adelsfamilie geht zurück auf eine 1851 geschlossene morganatische, also nicht standesgemässe Ehe von Prinz Alexander von Hessen-Darmstadt mit Julia Hauke, einer Hofdame der russischen Zarin. Ihre Nachkommen erhielten den Titel eines Jahrhunderte zuvor ausgestorbenen hessischen Grafengeschlechts, eben der Battenbergs. Deren englischer Zweig fügte sich 1917 ebenfalls dem antideutschen Trend und übersetzte den Namen in Mountbatten.

Philips Vater war Prinz Andreas von Griechenland. Wer nun an Sirtaki und Moussaka denkt, liegt daneben. Die griechischen Monarchen waren eine Seitenlinie der dänischen Königsfamilie, und diese wiederum entstammt dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Prinz Philips lose Zunge kann somit nicht darüber hinweg täuschen, dass er deutscher ist als ein Schäferhund. Und die Familie Mountbatten-Windsor eigentlich Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg-Sachsen-Coburg-Gotha heissen müsste.

Windsor bleibt Windsor

Ein solcher Bandwurm ist nicht nur unpraktisch, so viele Deutsche auf einem Haufen geben dem härtesten britischen Kampftrinker den Rest. Das hat auch die Queen erkannt. Sie verfügte 1961, wohl noch unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs, dass die Familie zwar den Namen Mountbatten-Windsor trägt, das Königshaus aber weiterhin nur Windsor genannt wird. Am deutschen Erbe wird sich trotzdem so schnell nichts ändern: Der Act of Settlement von 1701 legte fest, dass nur Nachfahren von Sophie von der Pfalz die Krone tragen dürfen.