Eartha Kitt

26. Dezember 2008 09:00; Akt: 26.12.2008 09:41 Print

«Aufregendste Frau der Welt» gestorben

Die amerikanische Sängerin Eartha Kitt, deren Hit «Santa Baby» seit Jahrzehnten an Weihnachten rund um den Globus geht, ist tot. Sie starb am Donnerstag im Alter von 81 Jahren in Connecticut an Darmkrebs.

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Kitt galt als eine der vielseitigsten Künstlerinnen der USA. Nicht nur als Sängerin, sondern auch als Schauspielerin und Tänzerin machte sie sich einen Namen. Sie gewann zwei Emmys, wurde für einen dritten der angesehenen Fernsehpreise nominiert und sicherte sich mehrere Tony- und Grammy-Nominierungen.

Eleganz und Sinnlichkeit waren Markenzeichen der Sängerin, die sich auf der Bühne gern das Image der Männer verschleissenden Diva gab. Privat zeigte sich Kitt eher schüchtern und zurückgezogen. Dafür machte sie auch ihre Kindheit verantwortlich: Sie beschrieb sich als ungeliebtes «kleines Baumwollpflücker-Schmuddelkind» aus South Carolina. Als Tochter einer Schwarzen und eines Weissen wuchs sie ihrer Biografie zufolge bei Verwandten auf, nachdem der neue Mann der Mutter sich geweigert hatte, sie aufzunehmen.

Mit einer Tante gelangte Eartha Kitt schliesslich nach New York, wo ihre Karriere begann. Den Besuch einer Schule für Schauspiel und Tanz brach Kitt zwar ab, schaffte aber trotzdem Mitte der 1940er Jahre den Sprung in die Tanzgruppe der afro-amerikanischen Tanzpionierin Katherine Dunham, die sie auch nach Paris führte. Dort wurde der Regisseur und Autor Orson Welles auf sie aufmerksam. Eine Rolle in Welles' Pariser Produktion von «Faust» öffnete die Tür für weitere Engagements auf der Bühne.


Von «Faust» zu Catwoman

Schon wenige Jahre später tourte Kitt als Sängerin und Tänzerin um die Welt und wurde Musical-Star auf dem Broadway. Auftritte hatte sie unter anderem in «Mrs. Patterson» oder «Shinbone Alley».

1954 kam das erste Album auf den Markt, mit Hits wie «I Want to Be Evil», «C'est Si Bon» oder dem frechen Weihnachts-Hit «Santa Baby». Auch in Fernseh- und Kinofilmen hatte Kitt aufsehenerregende Auftritte. Als sexy Catwoman war sie 1967 Nachfolgerin der ersten Rolleninhaberin Julie Newmar.

Als «aufregendste Frau der Welt» beschrieb einst Welles seine Entdeckung. Selbst mit fast 80 Jahren zeigte sich Kitt noch voller Vitalität und gewann neue Fans hinzu, die weit jünger waren als sie selbst.


Gegen den Vietnam-Krieg

Ihre politischen Ansichten vertrat Kitt mit Vehemenz. In den 60er Jahren machte sie Schlagzeilen mit ihrer Kritik am Vietnam-Krieg. Im Weissen Haus erklärte sie bei einem Essen, zu dem First Lady Bird Johnson geladen hatte, vor einer Gruppe von Frauen: «Ihr schickt die Besten des Landes fort, damit sie erschossen und verstümmelt werden.»

In den kommenden vier Jahren trat Kitt fast ausschliesslich ausserhalb der USA auf. Sie wurde von FBI und CIA beobachtet. «Es schmerzte, es wurde zu Ärger, als ich merkte, dass man ins Gesicht geschlagen wird und seine Arbeit verliert, wenn man die Wahrheit sagt - in einem Land, in dem es heisst, dass man das Recht hat, die Wahrheit zu sagen», erklärte Kitt zwei Jahrzehnte später in einem Interview des Magazins «Essence». 1978 kehrte sie auf den Broadway zurück - und erhielt wieder eine Einladung ins Weisse Haus, diesmal von Präsident Jimmy Carter.


Noch mit fast 80 Jahren auf dem Broadway

Noch vor wenigen Jahren stand Kitt in Musicals auf der Bühne. 2003 übernahm sie auf dem Broadway eine Rolle in «Nine».

Privat hielt keine von Kitts Beziehungen mit oft wohlhabenden Männern. 1960 heiratete sie Bill McDonald, liess sich jedoch nach der Geburt von Tochter Kitt wieder scheiden.

Ihre wahre Familie seien ihre Anhänger, tröstete sich Kitt in einem Interview. «Ich bin ein Waisenkind. Aber die Öffentlichkeit hat mich adoptiert», sagte sie. «Die grösste Familie der Welt sind meine Fans.»

Wann genau Kitt geboren wurde, fand sie erst 1997 mit Hilfe von Universitätsstudenten heraus: am 17. Januar 1927. Zuvor hatte die Künstlerin ihren Geburtstag am 26. Januar gefeiert.

(sda)