Fall Epstein

21. Februar 2020 20:05; Akt: 21.02.2020 20:05 Print

«Bitten Sie Prinz Andrew, das FBI anzurufen»

Ein Schulbus mit dem Foto von Prinz Andrew fuhr durch London – mit einer Bitte an die Passanten: «Wenn Sie diesen Mann sehen, sagen Sie ihm, er soll das FBI anrufen.»

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Am 21. Februar 2020 fuhr ein gelber Schulbus mehrmals am Buckingham-Palast vorbei. An der Seite des Busses war zu lesen: «Wenn Sie diesen Mann sehen, dann bitten Sie ihn, das FBI anzurufen, um Fragen zu beantworten.» Hinter der Aktion steht die US-Anwältin Gloria Allred, die mehrere Frauen in dem Skandal vertritt. Sie wird ungeduldig: Der Prinz zeigt im Fall Epstein «null Kooperation». Auf eine Anfrage des FBI hat er nicht reagiert. November 2019: In einem Interview mit BBC hatte sich der zweitälteste Sohn von Königin Elizabeth II. erstmals zu seiner Beziehung zu Epstein und den gegen ihn selbst erhobenen Missbrauchsvorwürfen geäussert. Das Gespräch mit der Journalistin Emily Maitlis zog heftige Kritik auf sich. Doch er selbst war damit offenbar mehr als zufrieden. Zumindest kurz danach. Das verriet die BBC-Moderatorin bei Radio Times. Das erste gemeinsame Bild nach dem misslungenen TV-Interview: Am 22. November 2019 reiteten Prinz Andrew und die Queen zusammen im Windsor Park. Dabei dürfte die Königin ihrem Sohn mitgeteilt haben, dass er sein Büro im Buckingham-Palast räumen müsse. Am 20. November 2019 legte Prinz Andrew seine öffentlichen Ämter als Mitglied des britischen Königshauses nieder. Grund dafür ist ein Interview, das er zum Thema Jeffrey Epstein gegeben hat. Der Prinz wies dabei die Missbrauchsvorwürfe einer zum mutmasslichen Tatzeitpunkt minderjährigen Frau gegen ihn zurück. Er habe an jenem Tag mit seiner Tochter Pizza im Restaurant Pizza Express in Woking, England, gegessen. Er habe «Ihre Majestät gebeten, auf absehbare Zeit von öffentlichen Aufgaben zurücktreten zu dürfen», erklärte Prinz Andrew am 20. November 2019. Königin Elizabeth II., seine Mutter, habe dem Anliegen zugestimmt. Der Vorwurf: Andrew soll in den Jahren 2001 und 2002 dreimal Sex mit der damals minderjährigen Virginia Giuffre gehabt haben. «Ich bedaure weiterhin in unmissverständlicher Weise meine unbedachte Verbindung zu Jeffrey Epstein», erklärte Prinz Andrew in Bezug zum misslungenen Interview. Virginia Giuffre soll von US-Unternehmer Epstein an den Prinzen ausgeliehen worden sein. Das britische Königshaus hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Queen soll «jenseits von wütend» sein. Am 21. November 2019 wurde bekannt, dass die «entsetzte» Queen Andrew zum Rücktritt gezwungen habe. Das FBI hat die Ermittlungen aufgenommen. Prinz Andrew hat angegeben, mit allen möglichen Justizbehörden zusammenarbeiten zu wollen. Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Michelle Licata (rechts) und Courtney Wild sind zwei seiner Opfer, die nun brisante Details bekannt geben. Epstein soll die beiden sexuell missbraucht haben, als sie noch minderjährig waren. Einige der Mädchen sollen bei den Übergriffen erst 14 Jahre alt und «höchst anfällig für Ausbeutung» gewesen sein: Opfer-Anwalt David Boies spricht vor den Medien. Die Übergriffe fanden zwischen 2002 und 2005 in Epsteins Immobilien in New York (im Bild), Palm Beach und an anderen Orten statt. Bei der Durchsuchung eines Tresors in Epsteins Anwesen in Manhattan wurden mehrere Datenträger mit Nacktfotos von augenscheinlich minderjährigen Mädchen beschlagnahmt. Epstein war am 6. Juli 2019 mit seinem Privatjet aus Frankreich kommend nach der Landung in New Jersey festgenommen worden. Epstein verstarb am 10. August 2019 in Gefangenschaft.

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Ein gelber US-Schulbus ist am Freitag mehrmals am Buckingham-Palast in London vorbeigefahren. Der Bus überbrachte eine wichtige Nachricht für die Londoner. Am Fahrzeug prangte ein grosses Plakat mit dem Gesicht von Prinz Andrew. Darauf zu lesen: «Wenn Sie diesen Mann sehen, dann bitten Sie ihn, das FBI anzurufen, um Fragen zu beantworten.»

Die Botschaft steht in Bezug auf den Missbrauchsskandal um den verstorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein. Dem zweitältesten Sohn der Queen selbst wird vorgeworfen, Sex mit einer Minderjährigen gehabt zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe. Aber nicht nur das: Laut dem New Yorker Staatsanwalt Geoffrey Berman habe der Prinz bislang «null Kooperation» gezeigt. Auf eine Anfrage der Bundespolizei FBI habe der Royal nicht geantwortet.

Sex mit Andrew «war ekelhaft»

Hinter der Bus-Aktion steht die US-Anwältin Gloria Allred, die mehrere Frauen in dem Skandal vertritt. Eines von Andrews Opfern ist Virginia Giuffre. Sie wirft dem Herzog von York vor, er habe sie missbraucht, als sie noch minderjährig war. Die US-Amerikanerin gibt an, drei Mal zum Sex mit Andrew gezwungen worden zu sein. Einer der Vorfälle soll sich im März 2001 in London im Haus der damaligen Epstein-Partnerin Ghislaine Maxwell zugetragen haben. «Es war ekelhaft», schilderte Giuffre in einem Interview.

Andrew hatte zwar im vergangenen November mitteilen lassen, dass er der US-Justiz helfen wolle, die Vorwürfe gegen Epstein und mögliche Mittäter aufzuklären. Doch es folgten offenbar keine Taten. Auch Virginia Giuffre wird ungeduldig. Ende Januar twitterte sie: «Tick, tack Andy - es ist Zeit zu reden!! Mach das Richtige, wenn nicht für mich, dann für die unzähligen anderen Epstein-Opfer, die die Wahrheit verdient haben!» Darunter veröffentlichte Giuffre ein Suchplakat mit Foto des Royals mit der Frage: «Haben Sie diesen Prinzen gesehen?»

(kle)