Hass-Zitat

01. März 2011 14:43; Akt: 01.03.2011 14:57 Print

«Das habe ich nie so gesagt»

von Marlies Seifert - Man habe ihre Hasstirade gegen Sarah Engels gefälscht, behauptet «DSDS»-Kandidatin Anna-Carina Woitschack. RTL weist den Vorwurf zurück.

Bildstrecke im Grossformat »
Willkommen zur ersten Mottoshow von «Deutschland sucht den Superstar». Das Motto: Mega-Hits. Die verbliebenen zehn Kandidaten stellen sich vor. Moderator Marco Schreyl begrüsst das Publikum und stellt gleich die Jury vor - alle mit einem einprägsamen Attribut ... ... so ist Jurorin Fernanda Brandao eine «Gesamtgranate» ... ... während der Schweizer Patrick Nuo als «Singer-Songwriter und Augenweide» tituliert wird. Apropos Titel: Dieter Bohlen wird als «Unser Unterhaltungsminister, Doktor Dieter Bohlen» angekündigt. In Deutschland geht man mit Doktortiteln lockerer um als im Ausland, so scheint es. Und los gehts mit dem Österreicher Marco Angelini, der für den heutigen Auftritt stylingmässig offenbar alles vom Onkel, der in den 80ger Jahren der Dorfheld war, auslieh. Nur das Puch Maxi fehlte. Publikum und Jury gefiel der Auftritt. «Fehlerlos», so Nuo. «Die Fresse! Wer war das denn? Sieht aus wie eine Granate!» Moderator Schreyl hat die Zürcherin Zazou Mall längst als «unsere kleine Tanzmaus» abgestempelt. Zazou bringt «Don't Stop the Music» von Rihanna – nicht unbedingt der vorteilhafteste Song, um Gesangskönnen zu demonstrieren (starker Beat, schwache Melodie). Doch der Auftritt sitzt: Das Tanzen ist gewohnt souverän, der Gesang treffsicher und gut (was man von etlichen anderen Kandidaten nicht behaupten konnte …) Doch die Jury hat offenbar jene verinnerlicht, die prophezeiten, für Zazou würde es eng werden und meckert schonungslos am Auftritt herum. Nuo: «Stimmlich schwach.» Fernanda: «In dir steckt mindestens 40 Prozent mehr Gas.» Bohlen gewohnt in Alt-Macho-Manier: «Deine Beine sind dünner als Rihanna – die Stimme auch.» Sie müsse einfach mal richtig ins Mikro brüllen, die Sau rauslassen, sonst werde sie hier nicht lange überleben. Zazou lässt die Kritik über sich ergehen und bleibt cool. Ebenfalls auf der Abschussliste ist Nina Richel. Moderation und Jury spricht des Längerem über kürzlich geschossenen Bikini-Fotos und die Frage, wie viel Speck an den Hüften zu ertragen sei – wahrlich keine aufmunternde Song-Vorbereitung! Mit «Breakaway» von Kelly Clarkson ist eine Power-Ballade angesagt – eine schlaue Wahl, denn die zeitweiligen schrägen Töne werden vom Bombast-Arrangement grosszügig kaschiert. Nuo ist aber «enttäuscht». Bohlen: «Du hast abgenommen – aber an der falschen Stelle, an den Stimmbändern.» Fernanda verrät: Nina sei heute krank – von daher gesehen wars ein guter Auftritt. Ardian gilt als Favorit. Grund genug, seinen despektierlichen Ausraster gegenüber gewissen Konkurrentinnen in der vergangenen Woche des langem und breiten auszuwalzen. Der als «Knuddel-Macho» Titulierte zeigt Reue ob seiner Blödheit und gelobt Besserung. Und schon kanns zum Auftritt gehen! Er singt einen angeblichen Megahit, den niemand kennt, ein einfaches Melodielein, das aber beim Plebs Eindruck macht. Klar kommt er weiter! Es folgt «Schlagerkanone» Norman, der wiederum vollkommen ironiefrei einen Bierzelt-Halligalli übelster Sorte zum Besten gibt. Trotz angeblichen Textpatzern muss man ihm eines lassen: So selbstsicher wie er in seinem musikalischen Stil sind wenige am heutigen Abend. Sarah Engels singt Mariah Carey. Oh je. Auch die von der internationalen Castingshow-Polizei vorgeschriebenen Fensterputz-Handbewegungen können nicht davon ablenken, dass der Song eine Nummer zu gross für die 18-Jährige ist. Doch sie schlägt sich tapfer, was Nuo mit «beim letzten Mal wars Schokoriegel, heute Mousse au chocolat» quittiert. Auch Bohlen zeigt sich begeistert: «Du heisst Engel, hast auch so gesungen. Du warst bisher die Beste hier.» Sebastian «Justin Bieber» Wurth singt Westlife ganz passabel, obwohl er – 16-jährig – nicht so recht weiss, was er während dem Solo anstellen soll. Fernanda dazu: «Wir können gerne mal zusammen an der Körperhaltung arbeiten.» Die pubertären Hormone gehen in Kampfstellung. Pietro Lombardi singt «With You», der Megahit von Chris Brown – eine grauenhafte Plattitüde. Streng genommen ist der Song schwach gesungen und schwach performt. Doch Pietro wird von allen Seiten einen «riesengrossen Sympathiefaktor» (Bohlen) attestiert, was sich unter anderem darin bemerkbar macht, dass er seelenruhig in der Nase bohrt, während ihm die Jury die Leviten liest. «Hast du den Popel auch erwischt?», fragt Moderator Schreyl. «Ja, er hat auch geschmeckt!», so Pietro. Als «Puppenspielerin» wird Anna-Carina Woitschack tituliert – und gleich wird ihr Zickenkrieg mit Sarah Engel thematisiert. Reichlich sympathisch kommt sie dabei nicht weg. Und dann wagt sie sich noch an die Über-Ballade «I Will Always Love You». Gleich im ersten Refrain scheint sie der Mut zu verlassen. Der Tonartwechsel beim Schlussrefrain ist schliesslich ihr Tod. Die Halbtonschritte, die sie daneben liegt, sind geradezu schmerzhaft. Doch die Jury sieht darüber hinweg, moniert aber am optischen Auftritt: «Du wirktest wie ein eingesperrtes Tier», so etwa Bohlen. Marvin Cybulski, der Proll mit Soul, besticht durch seine sympathische Art, in der er sich konsequent den gängigen Normen der DSDS-Vorgaben widersetzt: Nein, keine doofen Tanzbewegungen! Nein, kein aufgesetzter, neuer Modeoutfit! Dafür liegt er mit der Songauswahl des gänzlich untrendigen Kenny-Rogers-Hit «We've Got Tonight» für seine Stimme haargenau richtig. Nuo: «Sehr, sehr, sehr geil gemacht.» Dieter: «Die Stimme ist fantastisch wie immer.» Auch bei der Schlussprognose waren sich Dieter, Fernanda und Patrick einig: Zazou und Nina packens nicht mehr. Doch siehe da! Zazou Mall kommt weiter! Eng wird es für Nina, Norman und Sarah, die zunächst als Zitterkandidaten ausharren müssen. Schlussendlich kommt Nina weiter. Sarah muss gehen. Somit erwiesen sich die Prognosen der Jury als komplett falsch. Das sind die neun verbliebenen Kandidaten: Marvin Cybulski, Marco Angelini, Anna-Carina Woitschak, Pietro Lombardi, Nina Richel, Sebastian Wurth, Zazou Mall, Norman Langen und Ardian Bujupi (v.l.).

Bilder aus der ersten Mottoshow von «Deutschland sucht den Superstar» 2011.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Ich hasse Sarah Engels», schallte es in der ersten Mottoshow von «Deutschland sucht den Superstar» gleich mehrmals durch die Showhalle. Urheberin des Zitats: Mit-Kandidatin Anna-Carina Woitschack. Vor der RTL-Kamera versucht sie danach zu beschwichtigen: «Man hat ja gar nicht verstanden, ob ich gesagt habe, 'ich hasse' Sarah Engels oder 'ich heisse Sarah Engels'.» Inzwischen hat Anna-Carina eine neue Theorie und belastet damit RTL. Sie behauptet gegenüber Express.de, den Satz gar nie so ausgesprochen zu haben. «Ich habe nie gesagt, dass ich Sarah Engels hasse.» Ganz im Gegenteil: «Ich hasse Sarah nicht», das habe sie gesagt. «Das wurde alles ganz falsch zusammengeschnitten, weil es für die Sendung gut wirkt», so Anna-Carina.

«Anna-Carina hat das so gesagt»

Bei RTL lässt man den Vorwurf nicht gelten: «Wir haben nichts synchronisiert, weg- oder umgeschnitten. Anna-Carina hat das so gesagt, und sie kann sich die Originalbänder gerne anschauen, wenn sie sich selber nicht mehr so genau erinnern kann», so Redaktionsleiterin Anke Eickmeyer zu 20 Minuten Online. Man habe mit Anna-Carina über ihre falschen Anschuldigungen gesprochen. «Damit ist der Fall für uns vorerst einmal erledigt. Wir arbeiten ganz normal mit Anna-Carina weiter.»

Jedoch haben sich vor Anna-Carina auch schon andere Kandidaten darüber beschwert, falsch dargestellt worden zu sein. So war die rausgewählte Sarah Engels nicht glücklich darüber, als arrogante Zicke gezeigt worden zu sein, und Ardian Bujupi bekam – seiner Meinung nach ungerechterweise – den Macho-Stempel aufgedrückt, nachdem er eine Mitbewerberin als Schlampe bezeichnet hatte. Inszeniert sei das nicht, behauptet man bei RTL: «Die Kandidaten bringen ihre Persönlichkeit mit und verhalten sich dementsprechend. Wir zeigen nur, was hinter den Kulissen wirklich passiert.» Aber: «Natürlich ist es spannender, wenn Ardian polarisiert, als wenn er einfach der liebe, nette Ardian ist», räumt Eickmeyer ein. So etwa, wenn er wie in einem Einspieler der ersten Mottoshow sagt, dass er es «krank» findet, dass sich Männer schminken, nachdem Kandidat Norman Lange gerade eben erklärt hat, wie ausgiebig er sich der Gesichtspflege widmet.

RTL pocht auf die Eigenverantwortung der Kandidaten

Der Kontext sorgt eben meist erst für den nötigen Zündstoff – und welches Zitat wann verwendet wird, darauf haben die Kandidaten keinen Einfluss. «Sie sollten sich lieber vorher überlegen, was sie sagen, wenn sie nicht möchten, dass es ausgestrahlt wird», findet Eickmeyer deshalb. «Wir verbieten den Kandidaten nicht den Mund und geben auch nicht vor, was sie sagen sollen.» Man betreue die Finalisten so gut wie möglich: «Sie sind keine Medienprofis. Wir bereiten sie so gut wie möglich auf die Interviewsituationen vor», so Eickmeyer. Der Rest liegt in der Verantwortung der Promi-Novizen: «Es gibt immer wieder Momente, in denen man Kandidaten auch vor sich selber schützt, aber wir können sie in ihrer Persönlichkeit auch nicht beschneiden.»