05. Mai 2008 12:12; Akt: 05.05.2008 14:14 Print

«Das ist eine tolle Gefuhl, tolle Gefuhl!»

16 Schweizerinnen mit osteuropäischen Wurzeln sind am Wochenende zur Wahl der Miss Russia angetreten. Die Siegerin Rita Danilov über Wodka, Zickig-Sein und andere vermeintliche Russinnen-Klischees.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bildstrecke: Miss-Russia-Wahl in Zürich

Das Publikum, das sich zur ersten Wahl der helvetischen Miss Russia einfand, war ein illustres: Allenthalben waren teure Klunker und Uhren zu sehen. Und aufwändige, auffallende Designer-Kleider aus der Kategorie «vom Feinsten», die ihre Besitzerinnen aussehen liessen wie Prinzessinnen. Das kleine Schwarze gab es in verschiedensten Versionen und manchmal zeigten ihre Trägerinnen darin mehr, als sie verstecken: Etwa bei der Dame mit dem im Rücken tief ausgeschnittenen, halbdurchsichtigen schwarzen Kleid, unter dem ganz offensichtlich kein BH steckte.

Allerdings brauchten die Gäste auch das nötige Kleingeld, um im «Dolder Grand Hotel» in Zürich einen Tisch bei der Wahl zu erstehen: Allein das Gala Ticket, in dem zwar Essen, aber keine Getränke inbegriffen waren, kostete 290 Franken. Das VIP-Package all inclusive (auch mit Übernachtung) war für 1750 Franken pro Nase zu haben.

Unterstützung von Schweizer Mister-Kandidaten

Diese Gäste bekamen zum Auftakt nicht nur schöne Damen, sondern auch smarte Herren zu sehen: Beim ersten Lauf präsentierten sich die Kandidatinnen jeweils mit einem der Teilnehmer der letzten Mister-Schweiz-Wahl. Und die genossen ihren Job an der Seite der Grazien sichtlich, hätten am zweiten Lauf aber noch mehr Freude gehabt. Dort liefen die Mädchen nur in Unterwäsche von «Passionee» bekleidet über den Catwalk im Hotel-Ballsaal.

Und weil es nicht nur um das schnöde Aussehen gehen sollte, wurden die Kandidatinnen nach diesem Lauf vom lockeren Moderatorenduo Andy Wolf und Swetlana Reutener befragt. Die Antworten der Mädchen waren teilweise banal (Was trägt man diese Saison? «Verschiedene Sachen»), teilweise humorvoll (Warum machst du Fallschirmspringen? Antwort ganz trocken: «Zum Spass!») und teilweise aufgeregt. Kandidatin Nona Dummermuth, eine studierte Psychologin, die fünf Sprachen spricht, machte ihrem Ärger über den Titel eines Schweizer Boulevardblattes Luft, sprach von Klischees, die bedient werden und dass russische Frauen nicht nur Wodka trinken. Der Saal applaudierte.

Miss Charme, Miss Fotogen und Miss Russia

Beim dritten Lauf wird schon deutlich, dass die Damen mitunter keine Laufstegerfahrung haben. Das gilt aber nicht für Arina und Anastasia, die beide bei der Castingshow «Supermodel» des Schweizer Senders 3+ dabei waren. Arina bekommt anschliessend auch den ersten Titel: den der «Miss Charme», den die Kandidatinnen selbst vergeben durften. «Miss Fotogen» wurde von der Jury um den Ex-Mister Tim Wielandt gewählt: Die entschied sich für Julia Schneider.

Für den Titel der Miss Russia zählten die Stimmen der Juroren 40 Prozent, die der wahlberechtigten Zuschauer 30 Prozent und die verbliebenen 30 Prozent sind zuvor durch eine Online-Umfrage zustande gekommen. Gewinnerin Rita nimmt Preise (darunter ein Modelvertrag) im Wert von 20 000 Franken mit nach Hause. Die Frage, was sie mit dem Geld mache, beantwortete die glückliche Gewinnerin mit einem Klischee. Allerdings ist das weniger russisch und mehr schottisch oder schwäbisch: Das Geld wolle sie nämlich sparen, gab sie zu Protokoll.

Philipp Dahm