Silvia «Anna» Seidel

09. März 2011 13:44; Akt: 10.03.2011 08:37 Print

«Die Rolle hat mir mein Leben versaut»

Mit der Weihnachtsserie «Anna» sendete das ZDF 1987 einen Strassenfeger. Für Hauptdarstellerin Silvia Seidel war der Quotensegen aber auch ein Fluch.

Sivia Seidel tanzt zum Serienhit «My Love is a Tango». Quelle: YouTube
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Die Serie war bloss sechs Episoden lang, doch das reichte 1987, um den deutschsprachigen Raum in ein Ballettfieber zu versetzen. Silvia Seidel spielte darin die Tanzschülerin Anna Pelzer, die nach einem Verkehrsunfall an der Seite ihres Bruders um ihre Beweglichkeit bangen muss. Rainer Hellwig, ein Rollstuhlfahrer gespielt von Patrick Bach, hilft ihr zurück auf den Ballerina-Weg.

Die Erfolgsgeschichte stammt aus der Feder von Justus Pfaue, der als Drehbuch-Autor schon für Serien wie «Timm Thaler» (1979), «Silas» (1981), Nesthäckchen» (1983) oder bis 1991 «Die Wicherts von Nebenan» geschrieben hat. In Deutschland sahen zwölf Millionen, wie Anna Pelzer sich zurück aufs Parkett und in die Herzen der Zuschauer tanzte: Als einzige Weihnachtsserie schaffte es «Anna» 1988, auch im Kino ein Publikum zu finden.

«Ich konnte nicht mehr über die Strasse gehen»

Für Schauspielerin Silvia Seidel hatte der Quotenerfolg aber auch seine dunklen Seiten. «Die Rolle der Anna hat mir mein Leben versaut», sagte Silvia Seidel der «Freizeit Revue». «Ich wollte nur noch weg aus Deutschland. Es war unerträglich geworden für mich. Ich konnte nicht mehr über die Strasse gehen, ohne angesprochen zu werden, ich war nicht mehr Silvia, sondern Anna.» Ein Ausflug für einen US-Ballettfilm 1989 brachte wegen ausbleibendem Erfolg aber keine Luftveränderung.

Eigentlich wollte die Aktrice nach England ausreisen, doch ihre Familie hielt sie zurück. «Ich war total behütet aufgewachsen und zuhause sass meine kranke Mutter, die total an mir hing. Es hätte mir das Herz gebrochen, wenn ich sie im Stich gelassen hätte. Also bin ich in München geblieben.» Neue Rollenangebote bekam die heute 41-Jährige aber nicht mehr. «Ich bin oft arbeitslos und weiss dann nicht, wovon ich die Miete zahlen soll.»

«Ich muss hart arbeiten»

1992 beging Mutter Hannelore Selbstmord – und Silvia Seidel musste sich im Leben neu positionieren. «Wenn man eine Kinderserie gemacht hat, dann hat man einfach keine Chance mehr, sich zu entwickeln. Und heute muss ich daher nehmen, was ich kriegen kann, wenn ich spielen will. Man muss sich freuen, wenn man als freier Schauspieler Arbeit bekommt. Es ist schwer, davon zu leben», so Seidel in der «Freizeit Revue».

Heute verdient sie ihre Brötchen mit Theaterrollen: Derzeit ist sie nahe München in dem Stück «Nie wieder arbeiten» zu sehen. Für sie selbst gilt dieses Motto zwar nicht, doch die Ex-Ballerina freut sich dennoch über jedes Angebot. «Ich habe Lust auf die Bühne. Aber ich muss dort auch hart arbeiten. Ich möchte auch wieder mehr im Fernsehen sein», sagte die Schauspielerin, die glücklich mit dem 34-jährigen irischen Autoren Patrick McGinley zusammenlebt.


Ein ZDF-Interview mit der jungen Sivia Seidel. Quelle: YouTube


Eine Tanzszene aus «Anna», die erstaunlich viel Ähnlichkeit mit dem Film «Fame» aufweist. Quelle: YouTube


Fame: «Hot Lunch Jam». Quelle: YouTube


Ebenfalls aus der Drehbuch-Feder von Justus Pfaue stammt die TV-Schmonzette «Nesthäckchen». Quelle: YouTube

(phi)