Rapper Nipsey Hussle

29. Juni 2019 21:53; Akt: 30.06.2019 11:05 Print

«Du hast mich erwischt» waren seine letzten Worte

Drei Monate nach dem Mord an Rapper Nipsey Hussle wurden die Gerichtsakten veröffentlicht. Sie zeigen den genauen Tathergang auf.

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Zwischen dem Streit mit Nipsey Hussle (33) und der Tat, bei der Eric Holder (29) zehn Kugeln auf den Rapper abfeuerte, war der Täter noch im Fastfood-Restaurant, wo er sich eine Portion Pommes mit Chillikäse holte. Dies geht aus den Gerichtsakten hervor, die am Donnerstag während einer Gerichtsanhörung beim Bezirksgericht von Los Angeles veröffentlicht wurden.

Zu der tödlichen Ausseinandersetzung war es am 31. März auf dem Parkplatz vor dem Hyde Park Mall in Los Angeles gekommen, wo der Grammy-nominierte Rapper mehrere Geschäfte besass. Opfer und Täter kannten sich, beim Treffen hätten sie Hände geschüttelt. Die beiden waren offenbar in derselben Gang, wie eine Rekonstruktion des Tathergangs vermuten lässt.

Hussle warf dem Schütze vor, eine «Petze» zu sein

Offenbar hatte Hussle im Beisein von Holder angedeutet, dass letzterer ein «Snitch», also eine «Petze» sei. Nach einer «nicht sonderlich intensiven» vierminütigen Diskussion, wie es heisst, habe sich Holder entfernt. Aus Zeugenberichten ist zu entnehmen, dass er sich dann beim Fastfood-Restaurant von einer Frau in einem Auto abholen liess.

Diese steht unter Zeugenschutz, ihre Identität wird geheim gehalten, weil sie sich sonst in grosser Gefahr befinde, wie die Ermittler gemäss der «Los Angeles Times» schreiben. Sie hat jedoch zu Protokoll gegeben, dass Holder, den sie bereits in der Vergangenheit chauffiert hatte, nach seinem Mittagessen eine Waffe zückte und diese zu laden begann.

Nach der Tat liess er sich zu seinem Cousin chauffieren

Sie habe den 29-Jährigen darauf hingewiesen, dass sie in ihrem Auto kein «Drive-By», also eine Schiesserei aus einem fahrenden Wagen, wolle, woraufhin er die Waffe wieder versorgt habe. Daraufhin sei er ausgestiegen und habe sie angewiesen, dort auf ihn zu warten. Kurz darauf seien Schüsse gefallen und Holder sei wütend zurückgekehrt. Sie habe ihn dann auf seine Anweisung zum Haus seines Cousins gefahren.

Aus den Aussagen eines weiteren Zeugen geht hervor, dass der Rapper seinem Mörder gewarnt habe, sorgfältiger zu sein, denn es gebe Gerüchte, er habe jemanden verpetzt, sagte Herman Douglas, der für Hussle arbeitete und bei der Schiesserei verletzt wurde.

Nach dem Gespräch sei Douglas in den Fastfood-Laden gegangen, wenig später seien die Schüsse gefallen. Er habe Hussle auf den Boden liegend gesehen. «Er atmete noch und versuchte, bei Bewusstsein zu bleiben. Er hat einfach weiter gekämpft.»

Wieder zurück mit einer Waffe in jeder Hand

Auch Kerry Lathan hatte die Szene beobachtet. Er wurde ebenfalls bei der Schiesserei verletzt, zum Gerichtssaal wurde er am Donnerstag im Rollstuhl gebracht. Er habe gehört, wie der Schütze zum Rapper gesagt habe: «Du bist am Ende.»

Kurz danach sei Holder mit einer Waffe in jeder Hand zurückgekehrt und habe angeblich das Feuer eröffnet. Ein Forensiker sagte aus, Hussle habe zehn Schusswunden erlitten, im Kopf, in der Brust, im Bauch und am Fuss. Bei der Obduktion seien sechs Kugeln aus seinem Körper entfernt worden. Noch bevor Eric Holder den Tatort verliess, trat er mit dem Fuss gegen Hussles Kopf. Laut Zeugen waren die letzte Worte des Rappers zu seinem Killer: «Du hast mich erwischt.»

Der Verdächtige wurde zwei Tage nach der Tat in Bellflower gefasst . Er wurde im Mai des Mordes angeklagt, dabei setzte der Richter eine Kaution von 6,5 Millionen Dollar fest. Sollte Holder schuldig gesprochen werden, droht ihm lebenslange Haft.

(mat/kle)