Kritik an Verhaftung

27. September 2009 22:27; Akt: 28.09.2009 10:34 Print

«Freiheit für Polanski»

Filmschaffende und Künstler aus aller Welt verlangen die sofortige Freilassung des in der Schweiz inhaftierten Regisseurs Roman Polanski. Auch am «Zurich Film Festival» wurde heftige Kritik laut.

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Namhafte internationale Künstler unterzeichneten eine Petition, die am Sonntagabend der Nachrichtenagentur AFP übermittelt wurde. Unter den Erstunterzeichnern sind zahlreiche Filmemacher wie Costa-Gavras, Wong Kar-Wai, Ettore Scola und Marco Bellocchio sowie Schauspielerinnen wie Fanny Ardant und Monica Bellucci.

Die Unterzeichner sind entrüstet, dass eine internationale kulturelle Veranstaltung missbraucht worden sei für eine polizeiliche Aktion. Unannehmbar sei zudem, dass Polanski in einem neutralen Land verhaftet worden sei, in dem er bis dahin glaubte, sich frei bewegen zu können.

Kritik in Zürich

Gegenüber 20 Minuten nahmen Exponenten des «Zurich Film Festival» (ZFF) und Teilnehmende folgendermassen Stellung.

Nadja Schildknecht, Co-Leiterin ZFF: «Von der geplanten Verhaftung hatte die Festivalleitung zu keinem Zeitpunkt Kenntnis. Es bestand nie Anlass zur Sorge. Roman Polanski ist schon oft ungehindert in die Schweiz eingereist. Wir sind schockiert.»

Martin Rapold, Schauspieler: «Das stinkt nach einem Deal, mit dem sich die Schweiz von der UBS-Affäre rehabilitieren will. Man hat hier nicht nur einen Regisseur oder ein Festival, sondern ein ganzes Land ins offene Messer rennen lassen.»

Christian Frei, Regisseur: «Ich schäme mich in diesem Moment, Schweizer Bürger zu sein. Die Schweiz spielt eine ganz traurige Rolle in einer amerikanischen Justiz-Posse und hat dabei das Zurich Film Festival desavouiert.»

Gilles Tschudi, Schauspieler: «Was geschehen ist, ist eine Schande. Trotzdem glaube ich nicht, dass das Zurich Film Festival einen Image-Schaden davontragen wird. Wenn, dann schadet die Affäre den Bürokraten im Justizdepartement.»

Monika Schärer, Filmexpertin bei SF: «Ich sehe auf der einen Seite den Künstler Roman Polanski, der ohne Zweifel jede Ehre verdient hätte. Andererseits verstehe ich auch die rechtlichen Argumente von Bundesrätin Widmer-Schlumpf.»

Auch Jungfilmer protestieren

Der Wirbel um die Festnahme von Roman Polanski überschattete am Sonntag auch die Premiere des neuen Films «Gangs» der Brüder Wilson Gonzalez (19) und Jimi Blue (17) Ochsenknecht. Die Stimmung am Festival war sichtlich gedrückt. Blue und Gonzalez fordern: «Lasst Polanski frei.»

«Wir haben heute Morgen von der Geschichte erfahren», erzählt Jimi Blue weiter. «Wir standen unter Schock und beschlossen, ein Zeichen zu setzen», so Wilson Gonzalez. Er kenne die Hintergründe und könne nicht verstehen, weshalb Polanski verhaftet wurde. «Die Sache ist doch längst vom Tisch. Das Opfer hat ihm öffentlich verziehen.»

(sei/rub/20 Minuten/sda)