Onkel Charlie total kaputt

25. Februar 2011 12:52; Akt: 25.02.2011 13:26 Print

«Ich bin eine F-18 und ich werde dich zerstören»

von P. Dahm - Der bestbezahlte Serienstar der Welt hat mit einem grotesken Interview das Aus von «Two and a half Men» besiegelt. Charlie Sheen wirkt völlig gaga.

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Noch am 25. Oktober 2010 publizierte der Showbiz-Blog «A Socialite's Life» einen Artikel darüber, wie die Ex-Eheleute Denise Richards und Charlie Sheen ihre «turbulente Vergangenheit» (nach Tätlichkeiten hatte Richards 2005 eine einstweilige Verfügung gegen ihren damaligen Noch-Gatten erreicht) hinter sich lassen - für das Wohl der gemeinsamen Kinder, die verständlicherweise etwas Quality Time mit beiden Eltern verbringen wollen. Einen Tag später konnte an derselben Stelle vermeldet werden, «Entwarnung: Charlie Sheen ist weiterhin ein betrunkener, nackter Depp.» Derselben Meinung ist Bloggerin Katie K: «... immer noch ein besoffener, gewalttätiger Blödmann». Die deutsche Boulevardzeitung «Bild» richtet den Fokus auf die wichtigen Details des Falls ... ... während der Newsdienst «TMZ» schockierende Bilder vom «Hotel-Gemetzel» zeigt (will heissen: ein unordentliches Bett, ein beschädigter Stuhl, ein herunterhängender Vorhang). Tja, mit einem «nackten, betrunkenen Tobsuchtsanfall» lassen sich Negativschlagzeilen eben nicht vermeiden. «Er ist wieder mal dabei», schreibt etwa Blogger Perez Hilton ... ... während Blogger Jeremy Feist äzt, «Charlie Sheen weiss, wie man stilvoll bleibt». «Charlie Sheen hatte ne gute Nacht» schreibt Bloggerin Molly, die sich übrigens nicht scheut, den Hollywoodstar geradeaus einen «drogenabhängigen Soziopathen» zu schimpfen. Aber halt, der Ärmste ist ja «emotionell gestört». «Charlie Sheens Leben hat soeben einen Mercedes geleast, der wiederholt und ständig in einen Strassengraben kracht. Er wird herausgezogen, abgestaubt ... und rast sogleich den nächsten Abhang hinunter» - «bloss ein normaler Abend für Charlie Sheen», also, so Blogger Michael K, der darauf hinweist, dass die offizielle Erklärung von Seiten Sheens eine «allergische Reaktion» war. Eine allergische Reaktion? Tsss. «Als wäre nichts passiert» titelt in der Folge der Blog «The Superficial». «The Huffington Post» recherchiert weiter und bringt in Erfahrung, dass Denise Richards, die im selben Hotel (aber in einem separaten Zimmer) zugegen war und die ihren strauchelnden Exmann ins Spital begleitete, besagter Hure über den Weg lief. Der Titel «Das Treffen mit Charlie's Hure» spielt aber bewusst mit der Zweideutigkeit. «Sehr ereignisreich» - na das ist wohl die Untertreibung des Jahres. Aber seien wir doch mal ehrlich: Schockiert uns das überhaupt noch?

Immer Ärger mit Charlie: Nackte Hure im Schrank, Mobiliarbeschädigung, Tobsuchtsanfall auf Koks – die Zutaten des neusten Charlie-Sheen-Zwischenfalls vom 26. Oktober 2010 haben es in sich. Klar, dass die Blogosphäre sich diebisch über den Unterhaltungswert freut ...

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Fehler gesehen?

Für die Fans von «Two and a half Men» war die Nachricht ein Schlag ins Gesicht: Die Serie wird nicht nur weiter unterbrochen, sie wird wohl endgültig abgesetzt. Ausschlaggebend dafür war natürlich Charlie Sheen – oder genauer gesagt ein Interview des Serienhelden mit Radiomoderator Aley Jones, das der Skandalstar telefonisch von den Bahamas führte, wo er gerade mit drei Damen Ferien macht.

Wer bisher daran gezweifelt hat, dass es schlecht um den Darsteller steht, dem werden dort Augen und Ohren geöffnet. Seine drei Begleiterinnen sind seine «Göttinnen»: «Ich glaube, dieser Ausdruck ist gut genug. Wenn du an diese terrestrischen Beschreibungen gebunden bist, musst du die beste Wahl treffen, die möglich ist.» So weit, so ausserirdisch: Noch könnte man dem 45-Jährigen aber wohlwollend unterstellen, er sei einfach ein wenig verrückt-romantisch.

Sheen, der Kampfjet F-18

Mit warmen Gefühlen ist aber nicht mehr begründbar, was er über seinen eigenen Geisteszustand sagt: «Es tut mir leid, aber ich habe die Magie. Ich habe Poesie in meinen Fingerspitzen. Die meiste Zeit – und das beinhaltet [sogar] die Nickerchen – bin ich eine F-18, Bruder. Und ich werde dich in der Luft zerstören. Ich werde meine Gefechtsaufstellung am Boden einsetzen.» An dieser Stelle sollten wir erwähnen, dass Sheen in dem Radiogespräch betonte, er sei dieser Tage nüchtern.

Das wirre Gerede war jedoch nun ausschlaggebend für «CBS» und «Warner Brothers», den Star zu feuern. Nachdem Sheen sich gerade erst negativ über Chuck Lorre, den Erfinder und Produzenten von «Two and a half Men» geäussert hatte (20 Minuten Online berichtete), stänkerte er jetzt schon wieder gegen den Fernsehmann. «Ich hasse Chaim Levine leidenschaftlich», sagte Sheen, wobei er gewiss nicht aus Nächstenliebe Chuck Lorres jüdischen Namen verwendet hat. «Er ist ein dummer, dummer, kleiner Mann und ein Muschi-Punk. Ich wollte nie so sein wie er.»

«Ihr dachtet, ihr habt nur Stress mit einem Typen? Sorry: Ich gewinne!»

Die Begründung für seine Heissblütigkeit liefert «Charlie Harper» frei Haus: «Mein Motto ist: Du musst entweder lieben oder hassen. Und das musst du leidenschaftlich. Und du musst jeden hassen, der nicht in deiner Familie ist, weil sie deine Familie zerstören und in allen Formen hinter dir her sind. Und deshalb gibt es nichts in der Mitte: Lebe nicht in der Mitte, denn dort wirst du abgeschlachtet. Dort wirst du vor der Promi-Königin blossgestellt. Darin liegt ein enormer Fokus, eine enorme Klarheit und enormer Frieden, weil du absolute und totale Entschlossenheit in den Entscheidungen hast.»

Und weiter im traurigen Text: «Wenn du leidenschaftlich liebst und hasst, gibt es nichts, was bezweifelt werden kann. Und Leute sagen, du musst dich durch den Groll durcharbeiten. Ich halte an ihm fest, er heizt meinem Angriff ein. Und er heizt den Schlachtruf meiner geheimen und stillen Soldaten an. Weil sie alle um dich herumstehen. Ihr dachtet, ihr habt nur Stress mit einem Typen? Sorry: Ich gewinne!»


Alex Jones im Gespräch mit «energiegeladenen» Charlie Sheen. Quelle: YouTube

In einem Brief an das Klatschportal «TMZ» nannte er Chuck Lorre abermals eine «Made»: «Ich wünsche ihm nichts als Schmerz auf seinen albernen Wegen.» Nun ist Schluss, die Staffel vorbei.

Inzwischen hat Sheen sich auch zu seinem Rausschmiss geäussert: «Verrückt» und «traurig» nannte er die Entscheidung in einer SMS an das US-Magazin «Radar». Und: Er kündigte eine neue Serie an, für die er angeblich schon mit einem US-Sender verhandelt. «Ich bin nahe dran, einen Deal mit HBO für zehn Episoden Minimum abzuschliessen. Es wird episch sein mit allen möglichen Gästen und wir werden uns auf die Wahrheit und das Absurde konzentrieren.» Am 28. Februar werde er einen Drogentest durchführen lassen, kündigte Sheen ausserdem an.

Und das alles aus den Ferien mit seinen drei Gespielinnen, mit denen er noch vor dem Abflug im Privatjet posierte: Die Identität der Damen ist Riesenthema auf dem US-Boulevard, die Bilder werden von einer Agentur für das doppelte Honorar angeboten. Der Bogen ist derart überspannt, dass es insbesondere für Produzent Chuck Lorre keinen anderen Weg gab, als den irren Onkel in Rente zu schicken. Doch Sheen hat nicht nur die «Familie Harper» und ihre Fans auf dem Gewissen, sondern auch Statisten, Techniker, Beleuchter und nicht zuletzt Co-Stars, die seinetwegen nun neue Arbeit suchen müssen. Sie können wohl nicht bei «HBO» anfangen.