Abhörskandal

24. November 2011 17:22; Akt: 24.11.2011 17:23 Print

«Ich fühlte mich wie in einem Video-Spiel»

Verfolgt, gehetzt und verzweifelt: Sienna Miller berichtete vor der Leveson-Kommission, wie ihr Leben durch die Presse Schaden genommen hat.

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Die britische Boulevardzeitung «News of the World» ist nach einem der grössten Medienskandale in der Geschichte des Vereinigten Königreichs eingestellt worden. Im Folgenden eine Chronologie von Ereignissen im Zusammenhang mit dem Abhörskandal und ihren Auswirkungen. Der Königshausberichterstatter der «News of the World», Clive Goodman, schreibt einen Artikel über eine Knieverletzung von Prinz William. Der Palast schaltet die Polizei ein, die Ermittlungen aufnimmt. Auch Kate Middletons Telefonate wurden mindestens 155-mal abgehört. Die meisten Anrufe der späteren Frau von Prinz William habe er kurz vor seiner Verhaftung im gehackt, sagte Clive Goodman. Goodman (im Bild) wird zusammen mit dem Privatdetektiv Glenn Mulcaire festgenommen, weil er in das Voicemail-System von Palastmitarbeitern eingedrungen sein soll. Goodman wird zu vier Monaten Haft verurteilt, Mulcaire (im Bild) erhält eine sechsmonatige Haftstrafe. Der Redakteur Andy Coulson tritt zurück. Der konservative Oppositionsführer David Cameron bittet Coulson (rechts), sein Medienberater zu werden. Coulson sagt vor einem Parlamentsausschuss aus, er habe niemals Abhöraktionen genehmigt. Die ehemalige Chefredakteurin der «News of the World» und später der Schwesterzeitung «The Sun», Rebekah Brooks, wird Chefin des Verlagshauses News International. Der Parlamentsausschuss findet keine Beweise dafür, dass Coulson von den Abhöraktionen wusste. Die Mitglieder erklärten aber gleichzeitig, es sei unvorstellbar, dass ausser Goodman niemand davon Kenntnis gehabt habe. Cameron wird Premierminister. Coulson wird zum Kommunikationschef der neuen Regierung ernannt. Die britische Polizei nimmt erneut Ermittlungen auf. Coulson legt sein Regierungsamt nieder. «News of the World» bezahlt der Schauspielerin Sienna Miller 113'000 Euro, um Vorwürfe einer Abhöraktion aussergerichtlich beizulegen. Eine weitere aussergerichtliche Einigung folgt, dieses Mal mit ehemaligen Fussballprofi Andy Gray. Die Zeitung «The Guardian» berichtet, die «News of the World» habe das Handy der ermordeten 13-jährigen Milly Dowler angezapft. Brooks sei in dieser Zeit Chefredaktorin gewesen. Diese lehnt einen Rücktritt ab und erklärt, sie habe nichts von derartigen Aktionen gewusst. Anzeigenkunden der «News of the World» boykottieren die Zeitung. News International kündigt die Einstellung der «News of the World» an. Coulson wird vorübergehend festgenommen. Goodman wird erneut verhaftet, dieses Mal wegen Zahlung von Bestechungsgeldern an Polizisten. Cameron kündigt Untersuchungen an. Die «News of the World» erscheint zum letzten Mal. Verleger Rupert Murdoch (im Bild) fliegt wegen der Krise nach London. Der Konzern News Corp. zieht sein Angebot zurück, den Sender Sky News auszugliedern. Dieser Schritt war Voraussetzung für die geplante Übernahme des Fernsehsenders British Broadcasting (BSkyB). Berichte über versuchte Abhöraktionen gegen führende Mitglieder des Königshauses und den früheren Premierminister Gordon Brown tauchen auf. Cameron unterstützt eine Aufforderung der Opposition an Murdoch, den Kauf von BSkyB nicht länger voranzutreiben. News Corp. verzichtet auf eine vollständige Übernahme von BSkyB. Die ehemalige Chefredaktorin Rebekah Brooks trat als Chefin des Verlags News International zurück. Brooks erklärte in einer Mitteilung an die Belegschaft, der Ruf des Unternehmens stehe auf dem Spiel. Die Ex-Chefredaktorin Rebekah Brooks wird festgenommen. Mit ihr ist erstmals eine Top-Managerin des Murdoch-Imperiums in Polizeihaft genommen worden. Der Chef der Londoner Metropolitan Police, Sir Paul Stephenson, tritt zurück. Stephenson war ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, als bekannt worden war, dass er sich einen Kuraufenthalt teilweise hatte bezahlen lassen. Einen Tag nach dem Rücktritt des Chefs der Londoner Polizei hat auch dessen Stellvertreter auf die Abhör- und Bestechungsaffäre reagiert und den Hut genommen. Der zweithöchste Beamte bei Scotland Yard, John Yates, gab seinen Rücktritt bekannt.

Die britische Boulevardzeitung «News of the World» ist nach einem der grössten Medienskandale in der Geschichte des Vereinigten Königreichs am 10. Juli 2011 zum letzten Mal erschienen. Eine Chronologie des Debakels.

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Sienna Miller leidet heute noch unter dem Abhörskandal und macht ihrem Ärger gegenüber der Presse Luft: Laut eigenen Angaben wurde die britische Schauspielerin durch die Aufdringlichkeit der Boulevardmedien in einen paranoiden Zustand versetzt, erklärte Miller am Donnerstag vor einem Medienuntersuchungsausschuss in London.

Miller beschuldigt Reporter der inzwischen eingestellten Zeitung «News of the World», ihr Handy gehackt zu haben. Die 29-Jährige war eines der ersten prominenten Opfer, die wegen illegaler Abhörpraktiken rechtliche Schritte gegen das Blatt einleiteten. Das Boulevardblatt willigte ein, Miller 100 000 Pfund zu zahlen.

«Paranoid und ständig ängstlich»

Die aus Filmen wie «Alfie» und «Layer Cake» bekannte Schauspielerin geriet in den Blickpunkt der Boulevardpresse, als sie mit ihrem britischen Schauspielkollegen Jude Law liiert war. Durch die ständige Beobachtung habe sie sich «sehr verletzt und sehr paranoid und ständig ängstlich» gefühlt, sagte Miller am Donnerstag. «Es fühlte sich an, als lebte ich in irgendeiner Art Videospiel.»

Die Beobachtung durch die Paparazzi nannte Miller furchterregend. «Mehrere Jahre lang wurde ich schonungslos von 10 bis 15 Männern verfolgt, fast täglich», sagte sie. Sie sei «angefaucht» und «verbal misshandelt» worden.

Ausschuss soll ethische Standards für Presse erarbeiten

Ihr Vorgehen gegen den Konzern News Corp. von Medienmogul Rupert Murdoch, zu dem «News of the World» gehörte, sei keine einfache Entscheidung gewesen, sagte Miller. «Ich war sehr nervös, gegen ein Imperium anzutreten, das reicher und wesentlich mächtiger war, als ich es jemals sein werde. Es war beängstigend.»

Der Untersuchungsausschuss, vor dem Miller aussagte, wurde nach Bekanntwerden des Abhörskandals um die «News of the World» eingesetzt und soll Empfehlungen für neue ethische Standards der Presse ausarbeiten. Die Traditionszeitung war im Juli eingestellt worden, nachdem bekannt geworden war, dass Journalisten dort systematisch Gesetze überschritten hatten. Unter anderem hatte die Redaktion das Handy eines entführten und später ermordeten Mädchens gehackt.

Zuvor hatte bereits Hollywood-Schauspieler Hugh Grant vor dem Ausschuss ausgesagt. Noch am Donnerstag sollte «Harry-Potter»-Autorin J.K. Rowling als Zeugin aussagen.

(sim/sda)

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