Tod einer Ikone

07. Februar 2011 16:01; Akt: 07.02.2011 17:28 Print

«Ich zeigte es der männlichen Spezies!»

Ausgerechnet Busenfetischist Russ Meyer machte sie zur Ikone der Frauenbewegung: Tura Satana, Darstellerin der mordenden Rennfahrerin aus «Faster, Pussycat! Kill! Kill!», ist tot.

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Es ist eines der ikonischsten Bilder der Filmgeschichte: Das Vollweib Varla hat ihren männlichen Gegner zu Boden gerungen und bricht ihm zum Abschluss mit einem gezielten Schlag den Arm. Obwohl «Faster, Pussycat! Kill! Kill!» als waschechter B-Movie bei seinem Release anno 1965 keine grossen Wellen warf, war sein Status als Kultfilm ein für alle Mal besiegelt. Wie bei allen Filmen von Regisseur Russ Meyer hatten die Darstellerinnen von «Faster, Pussycat» vor allem eins: ... ... ordentlich Holz vor der Hütte. Wohl deshalb gab der deutsche Verleih dem Streifen den unsinnigen Titel «Die Satansweiber von Tittifield». Doch mögen Meyers Filmfrauen vordergründig wie Sexobjekte daherkommen, sind sie in Wahrheit nicht nur in Sachen Körbchengrösse anders ... Kaum eine zeitgenössische Mainstream-Produktion Hollywoods zeigte so starke weibliche Charaktere. Allen voran Varla, die Anführerin eines mörderischen Mädchen-Trios, das die Wüste von Kalifornien in ihren Sportwagen unsicher macht. Die Frontfrau avancierte durch die Wiederentdeckung des Kultfilms in den Neunzigerjahren zur Ikone der starken Lady: Gespielt wurde sie von einer kurvigen Tänzerin mit dem klingenden Namen Tura Satana. Geboren als Tura Luna Pascual Yamaguchi auf der japanischen Insel Hokkaido ... ... hatte die Tänzerin und zeitweilige Schauspielerin japanische, philippinische, schottisch-irische und indianische Wurzeln. Bereits in jungen Jahren arbeitete sie als Burlesque-Tänzerin ... ... und Nacktmodell. Vor ihrem Durchbruch bei «Faster, Pussycat!» konnte sie noch eine Nebenrolle an der Seite von Shirley MacLaine in «Irma La Douce» (1963) vorweisen. «Irma La Douce»-Regisseur Billy Wilder mit Tura. In einem Interview mit dem «San Francisco Bay Guardian» erzählte Satana, dass sie in ihrer Varla-Rolle vor allem sich selbst spielte ... «Ich bin damit eine Menge Wut losgeworden. Wegen vieler Dinge, die passiert sind, als ich aufwuchs und ein kleines Mädchen war - die Wut, die ich all die Jahre in mir getragen habe - ich glaube, die habe ich endlich rausgelassen.» «Eine Frau schaffte es, der männlichen Spezies zu zeigen, dass wir nicht hilflos und von ihnen abhängig sind. […] Den Leuten hat es gefallen, dass Frauen zeitgleich wunderschön und sexy sein und trotzdem jemanden in den Arsch treten können.» Tura Satana verstarb am 4. Februar in Reno im US-Bundesstaat Nevada an Herzversagen. Unklar ist, in welchem Alter sie dahinschied: Ihre Managerin, Siouxzan Perry Perry, gab 72 als Alter ihrer Klientin an. Gemäss anderen Quellen war sie 75.

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Es ist eines der ikonischsten Bilder der Filmgeschichte: Das Vollweib Varla hat ihren männlichen Gegner zu Boden gerungen und bricht ihm zum Abschluss mit einem gezielten Schlag den Arm (im Film ist es das Genick). Obwohl «Faster, Pussycat! Kill! Kill!» als waschechter B-Movie bei seinem Release anno 1965 keine grossen Wellen schlug, war sein Status als Kultfilm ein für alle Mal besiegelt.

Kurven haben das Kommando

Wie bei allen Filmen von Regisseur Russ Meyer hatten die Darstellerinnen von «Faster, Pussycat» vor allem eins: ordentlich Holz vor der Hütte. Wohl weshalb gab der deutsche Verleih dem Streifen den unsinnigen Titel «Die Satansweiber von Tittifield»? Doch mögen Meyers Filmfrauen vordergründig wie Sexobjekte daherkommen, sind sie in Wahrheit nicht nur in Sachen Körbchengrösse anders: Kaum eine zeitgenössische Mainstream-Produktion Hollywoods zeigte so starke weibliche Charaktere.

Allen voran Varla, die Anführerin eines mörderischen Mädchen-Trios, das die Wüste von Kalifornien in ihren Sportwagen unsicher macht. Die Frontfrau avancierte durch die Wiederentdeckung des Kultfilms in den Neunzigerjahren zur Ikone der starken Lady: Gespielt wurde sie von einer kurvigen Tänzerin mit dem klingenden Namen Tura Satana.

Die Exotin an der Seite Shirley MacLaines

Wie die «New York Times» nun berichtet, verstarb Tura Satana bereits am 4. Februar in Reno im US-Bundesstaat Nevada an Herzversagen. Unklar ist, in welchem Alter sie dahinschied: Ihre Managerin, Siouxzan Perry Perry, gab 72 als Alter ihrer Klientin an. Gemäss anderer Quellen war sie 75.

Geboren als Tura Luna Pascual Yamaguchi auf der japanischen Insel Hokkaido hatte die Tänzerin und zeitweilige Schauspielerin japanische, philippinische, schottisch-irische und indianische Wurzeln. Einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie - wie viele japanischstämmige US-Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs - im Internierungslager in Kalifornien. Bereits in jungen Jahren arbeitete sie als Burlesque-Tänzerin und Nacktmodell: Vor ihrem Durchbruch bei «Faster, Pussycat!» konnte sie noch eine Nebenrolle an der Seite von Shirley MacLaine in «Irma La Douce» (1963) vorweisen. Auch spielte sie in diversen TV-Serien mit, wie «Burke's Law» oder «The Man from U.N.C.L.E.».

«Ich konnte endlich meine Wut rauslassen!»

In einem Interview mit dem «San Francisco Bay Guardian» erzählte Satana, dass sie in ihrer Varla-Rolle vor allem sich selbst spielte: «Ich bin damit eine Menge Wut losgeworden. Wegen vieler Dinge, die passiert sind, als ich aufwuchs und ein kleines Mädchen war - die Wut, die ich all die Jahre in mir getragen habe - ich glaube, die habe ich endlich rausgelassen.»

Auch ging es ihr bewusst um die Darstellung starker Frauen: «Eine Frau schaffte es, der männlichen Spezies zu zeigen, dass wir nicht hilflos und von ihnen abhängig sind. [...] Den Leuten hat es gefallen, dass Frauen zeitgleich wunderschön und sexy sein können und trotzdem jemanden in den Arsch treten können.»

«In den Arsch treten» ist dabei ein arges Understatement. Den Klang der brechenden Wirbelsäulenknochen bleibt jedem Zuschauer für immer in Erinnerung.

(obi)