Bizarres Interview

02. März 2011 17:10; Akt: 02.03.2011 17:57 Print

«Mir gehts ums Leben»

von Bettina Bendiner - Die kanadische Rockgöre will kein Rotzlöffel mehr sein. Doch beim Interview mit 20 Minuten Online stand Avril Lavigne ziemlich neben sich. Und philosophierte über das Leben und die Kunst.

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Finnen, Schweizer, Polen und ein Deutscher – und alle haben das gleiche Ziel: Ein Interview mit Avril Lavigne. Doch die kanadische Rockgöre fühlt sich gar nicht wohl. Sie bricht die Interviews ab. Das Warten beginnt. Nach knapp zwei Stunden hat sie sich erholt. Es geht los.

Avril Lavigne: Hi, es tut mir so Leid. Ich bin so dankbar, dass du von so weit hergekommen bist für dieses Interview. Aber ich gebe dir das beste Interview, das du je gemacht hast.

20 Minuten Online: Gut. Danke. Dann mal los. Du hast während drei Jahren an deinem neuen Album gefeilt: Wie ist es geworden?
Es ist weniger Pop-Rock und aggressiv (niest). Es hat einen anderen Ton. Sorry (dreht sich weg, hüstelt). Ich habe immer Lieder geschrieben und auch co-geschrieben. Jetzt habe ich auch etwas produziert.

Es heisst «Goodbye Lullaby». Sagst du deiner Kindheit tschüss?
Oh ja, total. Es ist total `erwachsen werden`. Es geht um den Schritt nach vorne, eine Chance, ein neues Kapitel. Es hat auch diese positive Nachricht. Es geht ums Leben.

Was steht im neuen Kapitel?
Es gibt so viele Kapitel in unserem Leben. Ich finde, seit ich 26 oder 25 bin, hat eine neue Phase begonnen. Es gab viele Veränderungen.

Auch in deinem Styling. Du siehst fast jeden Tag anders aus...
Also diese Style-Veränderungen sind nicht berechnend. Das kommt bei mir natürlich. Weil ich bin ich in mir und lebe mein Leben und andere können zuschauen. Von Aussen können Leute sagen – oh, sie schaut anders aus. Mit 17 war ich mehr Tomboy, jetzt sieht man mich auch in Kleid und Stöckelschuhen. Das gehört zum Prozess des Älterwerdens. Ich war so jung. Ich war ein Kind. Jetzt bin ich wirklich an Mode interessiert. Ich habe auch ein Label. Ich habe sehr viel Spass damit.

Ja, du verkaufst viel. Parfums, Klamotten…

So kann ich meine Kreativität ausleben. Musik mache ich seit zehn Jahren. Dann hatte ich das Angebot, eine Klamotten-Linie zu designen. Mode hat so viel mit meiner Musik zu tun. Ich gehe über den roten Teppich, ich mache Foto-Shootings, Videos. Und ich designe Kleider für mich selbst. Ich habe diese Linie. Und das macht Spass.

Woran merkst du, dass du nicht mehr der rotzige Teenie bist?
Je älter ich werde, desto mehr schätze ich die Dinge. Wenn man etwas lernt und lebt, dann wird das Leben irgendwie einfacher.

Aha.
Als Teenager will man entdecken, wer man ist – so als Person. Man ist noch in dieser Phase des Erwachsenwerdens. Als Erwachsene sagt man – hier bin ich. Das bin ich.

In einem Interview sagtest du, du bist sehr schüchtern…

Nö, ich bin nicht schüchtern. Eher introvertiert, still und ein bisschen schüchtern. Ich bin Künstlerin. Und tiefgründig. Ich gehe in meine Welt. Das gehört zu mir. Wenn ich dann rumspringe in Videos, sind meine Freunde und meine Familie überrascht.

Also doch schüchtern – und wie viel Verrücktheit hast du noch in dir?
Ich bin ein menschliches Wesen und habe viele Seiten. Jeder Tag ist anders. Wir erleben verschiedene Dinge. Ich habe viele Seiten. Wie ihr ja auch. Ich arbeite hart, bin auch ernst, aber am Schluss habe ich auch eine gute Zeit. Dann kichere ich auch. Ich habe verschiedene Gefühle. Das ist auch in meiner Musik so.

Du sagtest, das neue Album aufzunehmen, sei schwierig, weil sehr persönlich gewesen…
Es war nicht schwer. Manchmal wollte mir die Plattenfirma reinreden, das war etwas schwer. Aber das war egal. Ich habe mir viel Zeit genommen. Ich habe mich da richtig reingekniet.

...und mit deinem Ex-Mann zusammen gearbeitet.
Es ist sehr schön, dass wir Freunde geblieben sind. Ich respektiere ihn. Er ist ein wunderbarer Künstler und eine tolle Person und sehr talentiert. Wir sind sehr gute Freunde. Dass er ein Teil des Albums ist, er ist so talentiert, er hat so viel für die Songs getan.

Wie schafft mans nach der Scheidung Freunde zu bleiben?
Hm, ähm (kichert). Ich weiss gar nicht. (Avril kichert erneut. Die sympathische Assistentin bittet freundlich, aber bestimmt um die nächste Frage)

In Ordnung. Dein letztes Album ist eine Weile her. Stehst du sehr unter Druck?
Das ist das entspannteste Album für mich. Es geht nur um Musik. Und das kommt rüber. Ich wollte ehrlich zu den Songs sein. Ich bin hier, will mich amüsieren und Musik machen und das den Fans zeigen. Mit allem anderen, Business und so, damit befassen sich andere Leute.

Du bist sehr lange dabei: Welche Lektion hast du denn gelernt?
Ich wusste immer, dass es wirklich wichtig ist, sich selbst zu bleiben. Und sich treu zu sein. Das war schon immer meine Message. Ich fühle mich auch so. Man muss an alles glauben, was man tut. Es wird ja ein Teil deiner Identität. Mein ganzes Leben richte ich danach.

«Goodbye Lullaby» ab 4. März im Handel erhältlich.


Quelle: YouTube