90 Jahre «Prinz Fettnapf»

10. Juni 2011 08:45; Akt: 11.06.2011 08:55 Print

«Passt auf, ihr bekommt noch Schlitzaugen!»

Auf Vanuatu wird er als Gottheit verehrt, seine Landsleute belächeln seine Fauxpas, der Rest der Welt kennt ihn als kauzigen Ehemann der Queen: Am 10. Juni wurde Prinz Philip 90 Jahre alt.

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16. Juli 2015: Bei einem Besuch in einem Gemeindezentrum im Londoner Stadtbezirk Barking and Dagenham fragte der 94-Jährige Duke of Edinburgh einige der Frauen: Die angesprochenen Frauen nahmen es mit Humor: «Wir sind alle verheiratet, also sind es unsere Ehemänner», sagte sie. 16. September 2010: Anlässlich des Besuchs von Papst Benedikt XVI. fragte Prinz Philip die schottische Politikerin Annabel Goldie, ob sie trage. Die sichtlich erstaunte Frau Goldie erwiderte, dass sie unter keinen Umständen auf diese Frage antworten könne. Bei einem Empfang im Oktober 2009 für Hunderte Mitglieder der indischen Gemeinde in Grossbritannien begrüsste Prinz Philip den Geschäftsmann Atul Patel mit den Worten . Damit hat der Prinz unterstellt, dass alle Inder mit dem Familiennamen Patel verwandt seien. Am 6. März 2008 erlaubte sich Prinz Philip einen Ausrutscher mit der Tanzgruppe «Welsh Belly Dancers»: , sagte er im Gespräch mit den Bauchtänzerinnen. Sie arbeite im Filmbusiness, erklärte Oscar-Gewinnerin Cate Blanchett Prinz Philip am 30. Januar 2008, als beide während eines Wohltätigkeitsdinners aufeinander trafen. Zu seinem 85. Geburtstag, am 10. Juni 2006, erschien eine Sammlung seiner besten Zitate, unter dem Titel «Duke of Hazard». Kurz zuvor hatte der gute Prinz seine Landsleute erneut mit einer originellen Idee zum Lachen gebracht: Der «Firlefanz» der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele, so schlug er vor, sollte 2012 in London gestrichen werden. Bei einer Party fragte er einen Mann dunkler Hautfarbe: Der Angesprochene erwiderte: «Aus Birmingham, Sir, der zweitgrössten Stadt Englands.» Philip hatte es mit Lord Taylor of Warwick zu tun, dem höchstrangigen Schwarzen unter den Politikern der Konservativen Partei Grossbritanniens. Trotz der Empfehlung eines Diplomaten auf einem Bankett in Berlin im November 2004, deutschen Wein zu probieren, meinte der Duke of Edinburgh: Während einer Firmenbesichtigung in Schottlands Hauptstadt Edinburgh erblickte Prinz Philip einen elektrischen Schalter, aus dem die Enden von Kabeln herauskamen und sagte: Beim Besuch eines Jugendclubs für Einwanderer aus Bangladesch fragte der Gatte der Queen: 2004 wies Prinz Philip eine Rollstuhlfahrerin mit den Worten zurecht: Zur Eröffnung der neuen City Hall in London, im Juli 2002, meinte der Prinz: Eher genüsslich wird daran erinnert, wie er im Jahr 2002 in Australien Ureinwohner fragte: Briten, die den pazifischen Inselstaat Papua-Neuguinea durchwandert hatten, gratulierte er 1998 so: Zielsicher trat der Prinz auch beim Besuch eines Hindu-Tempels in London ins Fettnäpfchen. Er wurde einigen tamilischen Priestern vorgestellt: , fragte er in Anspielung auf die Rebellen, die im Norden und Osten von Sri Lanka für einen unabhängigen Tamilenstaat kämpfen. «Nein, wir sind Priester. Wir haben mit Gewalt nichts zu tun», erwiderte einer von ihnen. Legendär ist seine Warnung bei einem Staatsbesuch in der Konsequent hielt er auch beim Besuch des 14-jährigen George Barlow an seiner Linie fest: Als er vor zwei Jahren mit der Königin einer schriftlichen Einladung in eine Romforder Schule in der Grafschaft Essex folgte, fragte er den Jungen: Begonnen hatten die verbalen Ausrutscher des Duke of Edinburgh bereits nach der Verlobung mit der damaligen Thronfolgerin Prinzessin Elizabeth. Als der Herzog sich 1947 bei einem Bahnarbeiter nach dessen Aufstiegschancen erkundigte, bekam er zu hören: «Ach, da müsste schon mein Boss sterben.» Philips Antwort:

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Während sich Vertraute und Politiker in launigen Lobeshymnen üben und das «Oldie Magazin» ihn zum Oldie des Jahres kürt, gibt sich der rüstige Jubilar unbeeindruckt: «Na und? Man wird halt alt», sagte er dem Sender ITV in einem Interview zu seinem Geburtstag.

Jahrelang sorgte der Herzog von Edinburgh vor allem mit seinem lockeren Mundwerk für Schlagzeilen, zu seinem 85. Geburtstag erschien sogar ein eigenes Buch über seine Fettnäpfchen. So sagte der Prinz einmal zu einem britischen Studenten in Papua-Neuguinea: «Sie haben es also geschafft, nicht verspeist zu werden?» Legendär ist seine Warnung bei einem Staatsbesuch in der «hässlichen Stadt» Peking 1986 an britische Studenten: «Wenn ihr noch länger hier bleibt, bekommt ihr auch Schlitzaugen.»

«Reichskanzler Kohl»

Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl begrüsste er einmal mit «Herr Reichskanzler», und dem Landestracht tragenden Präsidenten von Nigeria erklärte er unverblümt: «Sie sehen aus, als wollten sie gleich ins Bett gehen.» Seine Ausrutscher machten ihn berühmt, er sieht sie inzwischen aber eher kritisch: «Ich würde die Fehler, die ich mache, lieber nicht machen», sagte er ITV, fügte aber gleich hinzu: «Welche es sind, werde ich nicht verraten.»

Von seinen 90 Jahren stand der Herzog von Edinburgh die meisten im Schatten seiner Frau. Auf einer Pazifik-Insel ist er jedoch der Hauptdarsteller. Die Bewohner von Yaohnanen auf der Insel Tanna verehren Philip als Gottheit. Sie glauben felsenfest, dass Philip eines Tages zurückkehrt als Heilsbringer, der sie von Krankheit und Tod befreit. Die Vorbereitungen für das Geburtstagsfest laufen seit Monaten.

Blonder Grieche

Über seine Gefühle spricht Prinz Philip nicht gerne. Dass er für seine Frau seine vielversprechende Karriere bei der Royal Navy aufgeben musste, bezeichnete er im Gespräch mit ITV knapp als «enttäuschend». Doch mit einer Königin verheiratet zu sein, bedeute für ihn vor allem, «ihr behilflich zu sein, so gut ich kann».

Auch Elizabeth II. liess ihrerseits nie einen Zweifel daran aufkommen, dass sie zu ihrem Mann steht. Kennengelernt hatten sich der am 10. Juni 1921 auf der griechischen Insel Korfu geborene einzige Sohn von Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark sowie die spätere Königin im britischen Dartmouth: Gerade einmal 13 Jahre jung war Elizabeth, als sie 1939 bei einem Besuch der dortigen Marineschule den fünf Jahre älteren Prinzen erspähte.

Beeindruckt von Philips stattlicher Figur, seinen für Griechen eher unüblichen blonden Haaren und den blauen Augen, soll die Prinzessin sofort für ihn entflammt sein. Am 20. November 1947 heirateten sie in der Westminster Abbey in London, rund fünf Jahre später folgte Elizabeth ihrem verstorbenen Vater George VI. auf den Thron. Für das Protokoll war Philip ab da nur noch Anhängsel seiner Frau.

Trophäe für Flohhüpfspiel entworfen

Dennoch wurde Philip populär: Mit seinem «unnachahmlichen», bodenständigen Stil habe er längst die Herzen seiner Landsleute erobert, sagt Premierminister David Cameron. Der Buckingham Palast veröffentlichte anlässlich des Geburtstags 90 Fakten zum Herzog von Edinburgh - darunter, dass er die Trophäe für die Universitätsmeisterschaft im Flohhüpfspiel entworfen hat.

Dass der einstmals begeisterte Polo-Spieler und Motorradfahrer immer noch fit ist, liess sich bei der Hochzeit seines Enkels Prinz William Ende April und kurz darauf beim historischen Staatsbesuch der Queen in Irland besichtigen: Nur eine halbe Stunde nach dem Frühstück stemmte Philip bei einer Tour durch die Guinness-Brauerei problemlos ein frischgezapftes Pint.

Seinem Charakter entsprechend will Prinz Philip auch am Freitag seine Verpflichtungen nicht vernachlässigen, einzig ein Gottesdienst in der Kapelle von Schloss Windsor und ein anschliessender Empfang am Sonntag soll seinem Geburtstag gewidmet werden.

(sda)