Chartstürmer Roudette

01. Dezember 2011 09:41; Akt: 01.12.2011 11:17 Print

«Sex mit Schweizerinnen ist sicher gut»

Marlon Roudette ist mit seinem Song «New Age» zurzeit auf Platz acht der Schweizer Hitparade. Im Interview redet er über Schäferstündchen, Skiferien in der Schweiz und das Mattafix-Ende.

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Mit «Big City Life» schrieb Marlon Roudette 2005 DEN Mattafix-Hit schlechthin. Die Grosstadthymne hat das Duo, bestehend aus Roudette und Preteesh Hirji, schlagartig bekannt gemacht und viele Menschen mitten ins Herz getroffen. Nun ist der 30-Jährige mit seinem Album «Matter Fixed» im Alleingang unterwegs. Mit Erfolg: Die erste Single-Auskopplung «New Age», belegt zurzeit den achten Platz der Schweizer Hitparade. Nach einem gelungenen Auftritt am Energy Stars For Free-Konzert, beehrt der Künstler am 21. Dezember erneut die Schweiz.

Wo hast du die besten Ideen für deine Musik?
Marlon Roudette:
In der Badewanne und im Bett. Ich singe immer nach dem Aufwachen ein paar Songs, die ich mit dem iPhone aufnehme. Die klingen meistens schrecklich und von 100 Stück ist nur eines zu gebrauchen.

Hattest du mal Sex in der Schweiz?
Lass mich überlegen … Nein. Ich denke jedoch, dass Sex mit einer Schweizerin gut ist. Ihr seid ja gesunde Menschen und durchs Skifahren viel an der frischen Luft.

Was vermisst du auf Tour am meisten?
Alleine am Klavier zu sitzen. Und natürlich fehlt mir meine Familie. Ich bin mir das Reisen jedoch gewohnt. Als ich neun Jahre alt war, zog meine Familie in die Karibik. Ich bin auf Tour meist voll aufgedreht und stachle meine Band zu Höchstleistungen an. Reisen sind grosser Lehrer. Es ist schön, andere Länder zu entdecken. Schon nur wegen des Essens.

Wie oft warst du schon in der Schweiz?
Ich bin jeden Winter hier zum Skifahren. Ich habe einen guten Freund in Crans Montana. Dieses Jahr werde ich einen 80er-Retro-Skianzug tragen.

Was magst du hier?
Die Schweiz war immer toll zu mir. Ich habe eine goldene Schallplatte für «Big City Life» aus der Schweiz zuhause. Bei meinem ersten Besuch hier war ich in Genf. Das ist wie Klein-Paris und die ländliche Gegend dort ist toll.

Was machst du wenn du mal einen Tag frei hast?
Musik. Irgendwie krass, vielleicht bin ich ein kleiner Workaholic. Ich koche aber auch gerne! Ich mag die karibische Küche. Kino finde ich auch toll. Ich wurde schliesslich nach Marlon Brando benannt.

Was hältst du von Twilight?
Das ist doch der Film mit dem heissen Typen, oder?

Zwei! Das ist im Prinzip die Idee des Films: Ein Girl kann sich nicht zwischen zwei Typen entscheiden.
Oh, und das trennt die ganze weibliche Welt in zwei Gruppen? Interessant. Ich war von ein paar Tagen im Kino und sah haufenweise Mädchen anstehen. Das würde ich nicht einmal für einen Brando-Film machen.

Was würde dein bester Freund über dich sagen?
Dass ich zu viel arbeite und mal runterfahren soll. Wieder ein anderer würde sagen, dass ich weiter Gas geben soll.

Klingt nach einer guten Mischung.
Ja, ich profitiere sehr von meinem guten Umfeld. Vor allem in den letzten drei Jahren, als ich mein ganzes Geld in das Soloalbum gesteckt habe und es nur langsam vorwärts ging. Da brauchte ich Leute, auf die ich zählen kann.

Als Künstler hängt alles davon ab, wie gut du performst. Wie gehst du mit dem Druck um?
Ich setze mich selber am meisten unter Druck. Aber ich mache schon seit langem Musik und weiss, wie wichtig es ist, körperlich und mental fit zu bleiben. Das Musikgeschäft ist echt wild.

Ein Beispiel?
Durch Osteuropa zu touren ist ziemlich krass. Dort ist das Musikgeschäft wie in Amerika in den 50-er Jahren. Überall Gangster mit Taschen voller Geld. Ich mag das jedoch und habe kein Problem damit. Ich bin meistens ziemlich unauffällig unterwegs und renne nicht mit Goldketten und meterhohen Bodyguards herum. Das könnte ich mir gar nicht leisten.

Wieso hast du dich von deinem Mattafix-Partner getrennt?
Ich habe viele Musiker der Band mitgenommen, aber Mattafix besteht im Moment nicht mehr. Auch mein alter Partner Preteesh hat eigene Projekte und macht nun den Soundtrack für einen grossen Film. Wir sind stolz aufeinander. Kreativ gesehen, haben wir uns jedoch auseinandergelebt. Es gibt Bands wie R.E.M. oder U2, bei denen eine jahrzehntelange Zusammenarbeit funktioniert, unsere Leben aber waren zu verschieden.

Was hat dich zu «Big City Life» inspiriert?
Ich war gerade im Schlafzimmer meines Apartments im Osten Londons. Das war eine echt seltsame Gegend: Auf der einen Seite waren die Eisenbahnschienen, auf der anderen die Hauptstrasse. Ich hatte kein Geld und war sehr unsicher. Der Text kam in dieser Situation von alleine. Eine Woche später wurde ich rausgeschmissen, da ich die Miete nicht mehr bezahlen konnte. Drogendealer haben dann in einem Streit die Bude niedergebrannt. Wir wurden folglich von der Versicherung in andere Wohnungen umgesiedelt und mussten dort keine Miete zahlen, was für mich super war.

Dafür hattest du keine Sachen mehr.
Meine Gitarre hat überlebt! Ich hatte sowieso nicht viel Zeug. Die Klamotten mussten vielleicht verbrannt werden, ich war damals nicht der stilsicherste Typ . Als wir zurück in die Wohnung konnten, war «Big City Life» schon ein Hit und das Geldproblem gelöst.

Hat dir also ziemlich den Arsch gerettet, nicht?
Total. Der Track war riesig und der Erfolg völlig surreal. Diese Erfahrung hat mich nachdenklich gemacht. Was wäre gewesen, wenn ich in der Nacht der Liedentstehung einen Anruf erhalten hätte? Oder sonst abgelenkt gewesen wäre? Ich bin sehr dankbar.

Bist du gläubig?
Ja, ich glaube an etwas Höheres. Aber ich kann mit organisierten Religionen nicht viel anfangen. Ich verurteile aber niemanden. Der Glaube an die Kirche gibt vielen Leuten einen Grund, am Morgen aufzustehen.

Was hat dich zum Darfur-Einsatz bewogen?
Die Abschaffung des Sklavenhandels ist 200 Jahre her. Um diesen Zeitpunkt zu markieren, sollte es heute keinen Völkermord in Afrika mehr geben. Ein Menschenrechtsanwalt hat von unserem Song gehört und mich gefragt, ob er den Track in die Safe-Darfour-Kampagne einbauen dürfte. Natürlich war ich damit einverstanden. Ich wurde anschliessend in die Flüchtlingslager eingeflogen. «Living Darfur» ist das einzige Musikvideo eines internationalen Künstlers, das in der Kriegszone gedreht wurde. Ich bin stolz auf diese Zusammenarbeit.

(ask)