Beyoncé «angeschwärzt»

24. Februar 2011 16:39; Akt: 24.02.2011 16:52 Print

«Sklaven-Chic» sorgt für rote Köpfe

von Philipp Dahm - Die Sängerin Beyoncé hat sich für ein Shooting in Frankreich das Gesicht schwärzen lassen – und mit den Bildern eine Diskussion über Rassismus neu entfacht.

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Beyoncé Knowles Hautfarbe ist zum kontroversen Diskussionsthema geworden. Der Grund: Für ein französisches Magazin hat sich die Sängerin das Gesicht schwarz färben lassen. Im August 2008 war ihr noch das Gegenteil zum Verhängnis geworden. Damals wurde «L’Oréal» noch vorgeworfen, der Kosmetikkonzern habe das Gesicht der 29-Jährigen für eine Werbekampagne digital aufgehellt.

Freiwillig schwarz

Das umstrittene Shooting wurde für die März-Ausgabe des französischen Mode-Magazins «L'Officiel» gemacht. Es verkaufte die Foto-Sitzung als «Hommage an Afrikas Königinnen»: «Eine Rückkehr zu ihren afrikanischen Wurzeln, bei der sie ihr Gesicht freiwillig schwärzen liess», lautet die entsprechende Erklärung. Dass die Bemalung unfreiwillig gar nicht funktioniert hätte, ist dabei offenbar nebensächlich.

Weiter heisst es von Seiten des Magazins: «Die Inspiration für das kunstvolle Make-up kam von verschiedenen afrikanischen Ritualen, bei denen Gesichtsfarbe benutzt wird. Wir finden dieses Bild wunderschön und inspirierend. Die Designs reflektieren den afrikanischen Einfluss auf die Mode in dieser Saison. Miss Knowles posiert mit königlichem Reiz. Eine Queen, eine Göttin, Beyoncé ist eine Schönheit mit göttlicher Stimme.»

Lara Stone, die «weisse Schwarze»

«L'Officiel» feiert mit der Ausgabe sein 90-jähriges Bestehen. Die Beyoncé-Geschichte soll ausserdem ein Tribut an nigerianische Musik und den Menschenrechtler Fela Kuti sein. «Weit weg von der glamourösen Sasha Fierce [Beyoncés Alter Ego, Anm. d. Red.] posiert die Schönheit für ein Magazin in erstaunlicher Designer-Mode, aber auch in einem Kleid, das ihre Mutter entworfen hat», schreiben die Franzosen.

Doch selbst wenn der Wille gut ist, schlagen in den USA nun die Wellen hoch. Und es ist nicht das erste Mal, dass ein französisches Heft einen Promi «anschwärzt»: Im Oktober 2009 machte die «Vogue» aus der weissen Niederländerin Lara Stone ein schwarzes Model (20 Minuten Online berichtete). Die «New York Daily News» schrieb damals von einer «haute controversy» - und diese geht nun mit Beyoncé weiter.

«Ist das eine Form von Kunst oder Rassismus?»

Wo das Problem liegt? Stellvertretend für den US-Feuilleton fragte die «Atlanta Post»: «Ist das eine Form von Kunst oder Rassismus?» Schwarz angemalte Gesichter kommen aus einer Zeit, in der so im Theater Farbige dargestellt wurden, schreibt die Zeitung. «Die Praxis wurde zu einem Synonym für Rassismus, weil sie von weissen Schauspielern benutzt wurde, um ein weisses Publikum mit stereotypischen Karikaturen von Schwarzen zu unterhalten.» Auf diesem Wege seien Rassen-Klischees im Land verbreitet worden, ärgern sich die Autoren: Für solche Kunst sollte «null Toleranz» gelten.

Bloggerin Kaiser, eine Halb-Asiatin, befand: «Dieses Styling ist einfach ... dumm. Es ist ein idiotischer 'Trend'. Das ist, als würden einige Stylisten ihre Köpfe zusammenstecken und entscheiden, dass im Herbst 2011 der neue Trend 'Sklaven-Chic' oder 'verprügelte Frau als hohe Kunst' heisst.» Mit Lara Stone und Beyoncé wurden aber nicht nur Frauen eingefärbt, auch US-Sänger Will.I.Am machte sich am 12. September 2010 schwärzer als er ist. Bei der Verleihung der «MTV Video Music Awards» trat der Rapper mit geschwärztem Gesicht und mit Kollegin Nicki Minaj auf.

«Mein Outfit wirft Schwarze 100 Jahre zurück?»

Nachdem er dafür kritisiert wurde, schoss er via Twitter zurück. «1.: Nur weil ich inklusive Gesichtsmaske ganz schwarz war, um mein Outfit zu betonen und hervorzuheben, sollte das nicht als rassistisch angesehen werden. Lasst die Vergangenheit ruhen. Es gibt wichtigere Dinge. 2.: Schreit rum wegen Jobs, Gesundheit, Bildung. Nicht wegen eines Schwarzen, der nur schwarz trägt.» Und dann setzte er nach: «Meint ihr Leute das ernst? Mein Outfit wirft Schwarze 100 Jahre zurück? Wählt eure Twitter-Worte weise. Fehlende Bildung wirft Leute zurück. Und fehlende Jobs und schlechte Gesundheit.»

Mit Beyoncés Shooting ist diese Rassismus-Diskussion nun also wieder auf der Tagesordnung. Ohne schwarz malen zu wollen, steht doch zu befürchten: Fortsetzung folgt.


Ein Video von Beyoncés umstrittenen Shooting. Quelle: YouTube