Samuel Kochs Familie

03. Juni 2011 11:44; Akt: 03.06.2011 12:29 Print

«Wir wollen uns noch nicht zufrieden geben»

Therapien, biblische Worte und nervende Fliegen: Elisabeth und Christoph Koch haben bei «Markus Lanz» über Samuels Genesung nach dem «Wetten, dass ..?»-Unfall gesprochen.

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Bei der «Wetten, dass ..?»-Sendung vom 4. Dezember 2010 stürzte Kandidat Samuel Koch beim Versuch, Autos mit sogenannten Power-Jumpern zu überspringen. Die Sendung wurde abgebrochen.

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«Es war ja klar, dass die Frage zuerst kommt», antwortete Christoph Koch auf die Frage von Moderator Markus Lanz, wie es seinem Sohn denn nun gehe. «Es geht ihm mal besser und mal schlechter. Er hat neben der Lähmung noch die Verletzung im Halswirbel auszukurieren. Das ist noch längst nicht ausgestanden. Bei dem einen [Halswirbel] ist ein kleines Edelmetall eingesetzt, bei dem anderen sind wir jetzt dran, damit es endlich gut wird.»

«Bewegung ist keine Quälerei»

Er scheue die Frage nach dem Befinden Samuels, so Christoph Koch. Zum einen, weil sich sein Zustand immer wieder ändern könne, zum anderen, weil er nicht mit dem Schicksal des Sohnes hausieren wolle. «Aber wir sind ja auch hier, um es den Menschen ein bisschen zu vermitteln.» Es sei stressig für ihn, im Fernsehen aufzutreten, doch durch die Anteilnahme des Publikums fühle er sich verpflichtet, in der Talkshow «Markus Lanz» zu informieren.

Wie ein Tag im Leben Samuels derzeit aussieht, verriet die Familie auch. «Um 7 Uhr wird er geweckt, dann frühstücken wir mit ihm», begann Schwester Elisabeth. «Die Mahlzeiten verstehen wir nicht nur als Nahrungsaufnahme, sondern da versuchen wir auch, Zeit miteinander zu haben. Wir lesen dann ein Mut machendes biblisches Wort», ergänzte der Vater, der die Dinge «positiv angehen» will. «[Samuel] hat Therapien bis um 12 Uhr. Dann essen wir und er hat Pause bis um 14 Uhr, dann Therapien bis um 17, 18 Uhr. Er freut sich da drauf», so Elisabeth. «Bewegung ist keine Quälerei. Wir wollen uns mit dem Zustand jetzt noch nicht zufrieden geben. Ich glaube, dass es wirklich werden kann», ergänzte der Vater.

«Ohne [Elisabeth] würde die Familie brach liegen»

Vater Christoph bezeichnete Tochter Elisabeth als «Bindeglied» der Familie. «Ich probiere einfach weiterzuleben und zu gucken, wo ich helfen kann», sagte die junge Frau. «Ohne sie würde die Familie brachliegen. Elisabeth schmeisst den Haushalt. Überall, wo etwas fehlt, ist sie da. Wenn wir mal nicht mehr können, ist sie eine Woche bei Samuel», lobte dagegen der Vater. Ohne Arbeitsteilung ginge es auch nicht, denn Samuel braucht viel Betreuung, wie die Kochs veranschaulichten.

«Der Samuel kann ja nichts selbst. Sein Gehirn funktioniert einwandfrei, er hört gut und sieht gut. Aber deswegen sind wir viel bei ihm. Um einfach da zu sein. Neulich hat ihn nachts eine Fliege geplagt», sagte Christoph Koch. Vertreiben könne sein Sohn das Tier wegen der Lähmung nämlich nicht. «Im Moment ist er so weit, dass er über [Schulter-]Muskeln einen elektronischen Rollstuhl mit Joystick steuern kann.» «Gab es eine Diskussion über Schuld?», fragte Lanz. «Ja. Wir hatten turbulente Zeiten auf der Intensivstation, und wir haben über alles gesprochen. Es gibt keine Tabus, keine Notlügen, kein Drumherumreden. Die Vorwürfe, die man sich selbst macht, sind die grösseren. Das gilt für ihn wie für mich.»

«Schönen Gruss an die Klinik»

Elisabeth versucht ebenso positiv zu bleiben wie ihr Vater: «Wenn man nicht mal mehr eine Hoffnung hat, was bleibt ihm dann in so einer Situation noch?», fragte sie in der Talkshow. Zusammen mit Samuel versuche sie, alles nicht so ernst zu nehmen. «Im Kopf ist er ja noch klar. Humor hat er schon noch. Menschen verändern sich - und grad durch so was. Manchmal ist es Galgenhumor.» Oder aber der Patient flüchtet sich in Träume. «Er träumt, dass er seinen Finger bewegt, dass er schwimmt. Die Träume sind meist angenehm, das Aufwachen ist unangenehm», berichtet Christoph Koch. Wie es mit seinem Sohn weitergehe, fragte Lanz. «Wir schauen von Tag zu Tag. Der Glaube stützt uns.»

Bestärkt wird das Familienoberhaupt in seiner Meinung durch Zuschriften von Menschen, die ein ähnliches Schicksal wie Samuel erlebt haben. Vor 18 Jahren habe ein Mann in demselben Schweizer Hospital gelegen wie sein Sohn, so Christoph Koch. Die Ärzte hätten dem Mann gesagt, er könne nie wieder laufen, doch heute fahre er fröhlich Fahrrad. «Schönen Gruss an die Klinik, soll ich sagen», endete der Vater die Erzählung und begründet so auch seine eigenen Träume: «Medizinisch mag es unwahrscheinlich sein, aber warum sollen wir die Hoffnung aufgeben?»

(phi)