«Coras» Lebensgeschichte

24. Januar 2011 11:54; Akt: 24.01.2011 15:02 Print

200 Freier, 1600 Gramm Silikon und ein Todesfall

von Philipp Dahm - Das Schicksal von Carolin Wosnitza geht um die Welt: Von der honorigen britischen BBC bis zu US-Blogs berichten alle von «Sexy Coras» Tod. Ihr Leben war ein Trauerspiel.

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Posthum hat es Carolin Wosnitza dann doch zum ganz grossen Ruhm gebracht. Sogar die seriöse «BBC» berichtet derzeit über die Deutsche: «23 Jahre alter Pornostar stirbt nach Brustoperation», titeln die Briten und vermelden fälschlicherweise, dass das OP-Opfer Carolin Berger heisse. US-Blogs greifen die Nachricht auf: «Was wirklich traurig ist, ist, dass sie mehr und mehr Brustimplantate bekam und einfach nicht glücklich sein konnte», schreibt ein Kommentator auf der anderen Seite des Atlantiks.

Pornoproduktion mit dem Ehemann

Tatsächlich liest sich «Sexy Coras» Lebensgeschichte wie eine lange, vergebliche Suche nach dem Glück – oder dem, was Carolin Wosnitza dafür hielt. Sie wurde als Carolin Ebert am 2. Mai 1987 in Berlin geboren, zog aber mit der Mutter noch in Kindertagen ins ostdeutsche Schwerin, als die Eltern sich trennten. Nach dem Realschulabschluss begann sie eine Ausbildung zur Krankenschwester, die sie angeblich wegen eines Hüftleidens abbrach, wie die «Welt» berichtet. 2005 lernte sie Tim Wosnitza kennen, den sie ein Jahr später im Alter von 19 Jahren in ihrer neuen Heimat Hamburg heiratete.

Weil das junge Paar kaum seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte, begann «Sexy Cora» mit 21 Jahren, Amateur-Pornos zu drehen. Ihr Gatte machte für die frischgebackene Fummelfilmerin den Manager und spielte auch schon mal den Kameramann – es sei denn, die Blondine zog sich mal wieder für eine Webcam und für Internet-Gaffer aus.

Um die Karriere anzukurbeln, wurde 2009 auch schon mal ein rosa Lamborghini ausgeliehen oder ein Fellatio-Rekordversuch gestartet, als im Hamburger Rotlichtbezirk um die bekannte Reeperbahn 200 Freier in Folge bedient werden sollten.

Kreislaufkollaps nach Oral-Marathon auf St. Pauli

«Sexy Cora machte nach Mann Nr. 75 schlapp», titelte im Mai jenes Jahres die «Bild». Zwar konnte der Rekord wegen Kreislaufproblemen nicht eingestellt werden, doch die 50 Minuten schmierige Arbeit hatten sich insofern gelohnt, als dass Carolin mal wieder im Gespräch war. Um im Gespräch zu bleiben, sagte das Pornosternchen ein Jahr darauf zu, in der zehnten Staffel von «Big Brother» aufzutreten: Dort hatte zuvor die Kollegin Ucatis, genannt «Porno-Annina», für Furore gesorgt.

43 Tage machte «Sexy Cora» bei dem medialen Spannerspektakel mit, um nach dem Auszug kläglich mit dem Versuch zu scheitern, ihre fünf Minuten Ruhm in bare Münze umzusetzen: Ihre Single «My Love-La, La, La» blieb weitgehend unbeachtet, sicherte ihr allerdings von Mai bis Oktober 2010 Arbeit in Bierzelten auf Mallorca. Ihren Lohn wollte Wosnitzka in ihren Körper investieren, doch netto blieb ihr bloss der Tod. «Mein Körper ist mein Kapital», sagte die Blondine laut «Stern» noch vor eineinhalb Jahren auf der Berliner Erotikmesse «Venus». «Mit 18 habe ich die erste Brust-OP gemacht - von B auf D.»

Erst «Busen-Cora», jetzt «Busen-Arzt»

Als zwei weitere 800 Gramm schwere Silikonimplantate Carolin auf Körbchengrösse F anschwellen lassen sollten, passierte das Unglück. Erst fiel die Patientin ins Koma, dann starb sie im Kreise ihrer Lieben. Die Hamburger Staatsanwaltschaft beschlagnahmte Geräte und Medikamente –und ermittelt nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen einen Chirurgen und eine Anästhesistin der Alster-Klinik. Die Ärzte dürfen allerdings weiterhin operieren: Noch gelte die Unschuldsvermutung für die deutschen Doktoren.

Auf dem Boulevard werden nun jede Menge Krokodilstränen vergossen. Bei «Bild» ist aus «Porno-Cora» oder «Busen-Cora» jetzt «`Big Brother´-Star Cora» geworden. Dafür ist der vermeintlich schuldige Mediziner nun «Coras Busenarzt», der «weiteroperieren darf». Fakt ist jedoch auch, dass «Cora» und ihr Wahn nach (medialer) Aufmerksamkeit diese Berichterstattung forciert und herausgefordert haben. Carolin Wosnitza wollte das, was «Busen-Stars» wie Anna Nicole Smith, Lollo Ferrari oder eben Annina Ucatis vorgemacht haben. Nur Letztere kann weiter versuchen, aus ihrem Körper Kapital zu schlagen - doch die nächste «Cora» kommt bestimmt.


Carolin Wosnitza beantwortet die Frage, ob ihre Eltern und Freunde wissen, dass sie Pornos dreht. Quelle: YouTube