«Bravo»-Jubiläum

26. August 2016 09:52; Akt: 26.08.2016 12:09 Print

60 Jahre Popstars, Pickel und Pubertätsprobleme

Auch eine Jugendzeitschrift wird älter: Das Kult-Heftchen «Bravo» feiert dieser Tage seinen 60. Geburtstag.

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Die erste «Bravo» überhaupt: Am 26. August 1956 erschien die neue «Zeitschrift für Film und Fernsehen». 1960 präsentierte «Bravo» «Die 30 Schlagersängerinnen des Jahres». Starschnitt: Winnetou in Lebensgrösse gabs anno 1964. 1965 kam die britische Welle: Hi-Hi-Hilfe, «Help» von den Beatles. 1976: Alles, was Sie je über den Busen wissen wollten. 1978: Elvis in Lebensgrösse - und die Bay City Rollers gross im Heft. 1979, immer am Puls der Zeit: «Bravo» mit KISS. 1982: Ein Ausserirdischer namens E.T. beglückt die ganze Welt. 1985: Bum-Bum Becker schaffte es aufs «Bravo»-Cover. Es ist auch die grosse Zeit der Sticker - kein Jugendmagazin ohne Aufkleber. 1992: Michael Jackson ist noch ein Superstar. Und Kondome verlieren im Zeitalter von AIDS ihr Stigma. 1997: Grosser «Love & Sex»-Report. Und Star-Tattoos für die nackte Haut. Grosse Ausnahme: «Bravo» für einmal ganz ernst und politisch mit diesem Titelbild nach dem 11. September 2001. 2004: «Hochzeit aus Spass, Comeback ohne Erfolg, Ärger mit Justin: Britney kann nicht mehr!» 2005: Alyssa Milano auf dem Cover: «Ich mach mir's gern selbst.» Mit Bauchnabel-Piercing Extra. 2006: Ja, das ist Bill von Tokio Hotel. 2007 war «LaFee total verknallt» (in einen Boygroup-Sänger). 2011: Und so sah die Miley vor fünf Jahren mal aus. Und im Jahr 2012 war auch noch «DSDS» erfolgreich. Und 2013 gab es neben One Direction auch noch ganz viele Poster als Extra. 2014: Das Jahr, in dem es gar Menderes auf die Titelseite schaffte. 2015: Musiker, Sänger, Schauspieler und gar Reality-Stars werden langsam, aber sicher von Youtubern ersetzt. Und auch im rüstigen Alter von 60 Jahren befolgt «Bravo» das Motto «Ich mach, was mir gefällt!». In diesem Sinne: Happy Birthday, «Bravo»!

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Schon so mancher Vertreter der heutigen Rentnergeneration hat sie heimlich unter der Schulbank gelesen, inzwischen suchen die Enkel in dem Heft nach neusten Nachrichten über Stars oder Rat bei Pubertätsproblemen: Deutschlands grösste Jugendzeitschrift «Bravo» feiert am Freitag, dem 26. August ihren 60. Geburtstag.

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Ein Heft für junge Filmliebhaber sollte die «Bravo» ursprünglich werden. Und so startet Deutschlands erstes Jugendmagazin am 26. August 1956 als «Zeitschrift für Film und Fernsehen», herausgegeben vom 2005 gestorbenen Journalisten Peter Boenisch. Für 50 Pfennige geht «Bravo» damals mit dem Covergirl Marilyn Monroe über die Ladentheke.

Dann kommen die 60er-Jahre - und die Beatles. Musikstars verdrängen Leinwandhelden vom Titel, das Interesse an immer neuen globalen Popikonen befeuert auch den Absatz der «Bravo». Auf die «Fab Four» folgen Abba, Nena, Michael Jackson, Take That und Britney Spears.

Starschnitt und Dr. Sommer

Zum Renner entwickelt sich der Starschnitt. Fans sammeln Woche für Woche Fototeile und kleben ihre Stars in Lebensgrösse zusammen. 122 Starschnitte entstehen in mehr als 50 Jahren, bevor die Rubrik endet. Der letzte zeigt Bill und Tom Kaulitz von Tokio Hotel.

Doch nicht nur Geschichten über Musik- und TV-Stars schlagen die jungen Leser in den Bann. Als die Auflage Ende der 60er-Jahre einbricht, heben die Bravo-Macher ein neues Thema ins Blatt: Sex. Dr. Sommer heisst die Vertrauensperson, die auf delikate Fragen antwortet und so zum Teenie-Chefaufklärer avanciert. Damals eine absolute Neuheit.

Hinter dem Pseudonym verbirgt sich zunächst der inzwischen verstorbene Jugendtherapeut Martin Goldstein, später gibt es ein ganzes Expertenteam. Gefragt ist der Rat von Dr. Sommer trotz fast allgegenwärtiger Sexualität noch immer. Wöchentlich erreichen das Team laut «Bravo» rund 300 Anfragen.

Doch die Teenager-Bibel erlebt schwierige Zeiten, droht durch geänderte Lese- und Konsumgewohnheiten ins Abseits zu geraten. Liegt die Auflage Anfang der 90er noch bei rund einer Million Exemplaren, sind es 2006 knapp 511'000 und heute etwa 131'500. Kein Wunder: An den Kiosken ist die Konkurrenz inzwischen gross, das Internet tut das Übrige.

Neues Erfolgsrezept

Der Verlag reagiert und baut das Blatt zu etwas um, was er selbst heute als «Europas grösste Jugend-Multichannel-Marke» bezeichnet. Neben die gedruckte Ausgabe tritt die Online-Plattform Bravo.de. Ausser der klassischen «Bravo» erscheinen Spezial-Magazine wie «Bravo Sport» und «Bravo Girl». Seit 2014 setzt das Blatt ausserdem voll auf soziale Medien.

Youtuber und andere Social-Media-Promis wie die Lochi-Zwillinge und Dagi Bee treten als neue Stars an die Seite der alten. «Wir haben früh erkannt, wie wichtig diese nahbaren Idole für unsere Zielgruppe sind», sagt Chefredakteurin Nadine Nordmann.

Das Ergebnis? Die Facebook-Seite der «Bravo» hat mehr als 950'000 Fans, den aktuellen Titel zieren die Lochis, nicht Adele oder Justin Bieber. Eine Sache gilt für die «Bravo» auch nach inzwischen 3079 Ausgaben immer noch: Um eine erfolgreiche Jugendzeitschrift zu bleiben, muss sie sich für jede Lesergeneration neu erfinden.


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(sda/mor)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • thomas am 26.08.2016 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    War der hammer!

    Gratuliere der Bravo. Als Jahrgang 1972 bin ich mit dieser Zeitschrift aufgewachsen. Die 80-er waren von der Mode der Musik und dem Zeitgeist einfach klasse. Keine Smartphones, Pc, etc. zur unnötigen Ablenkung. Einfach coole Musik und ein Walkman!

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  • Rolf am 26.08.2016 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Was waren das noch für Zeiten

    als Peter Kraus, Freddy Quinn, Udo Jürgens, Roy Black, Beatles oder Elvis die Titelblätter der Bravo schmückten? Wenn ich mir heute anschaue was für unbegabte Milchreisbubis heute da drin stehen. Die Jugend hatte damals besser Idole.

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  • Simon am 26.08.2016 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Dr. Sommer

    Immer wenn ich an BRAVO denke, kommt mir folgender Dr. Sommer Artikel ausm Jahr 98 in den Sinn: "Lieber Dr. Sommer, hören meine Eltern das Platzen des Jungferhäutchen?" Selbst heute immer noch ein Schenkelklopfer im Freundeskreis. Das BRAVO-Heft brachte mich, und viele andere, durch die Pubertät und zeigte so, dass andere auch diese Probleme haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Volkan S. am 27.08.2016 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Miley?

    Hatten die damals die Überarbeitung des Miley-Fotos einem Lehlring gegeben? Die sieht ja aus, eine Mischung aus Mickey Maus und Lion King... :D Aber ansonsten ein cooles Heft, gratuliere Bravo zum 60. Geburtstag!

  • Martial2 am 27.08.2016 00:01 Report Diesen Beitrag melden

    Ach Probleme gibt's...

    Ich habe weder Pickel noch Pubertätsprobleme, bin 72 Jahre jung...!

  • C.K. am 26.08.2016 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ich gebe es zu

    Ich bin 35 und wurde teilweise durch das Bravo aufgeklärt. Zu Hause war es ein absolutes Tabu-Thema, in der Schule wurde das Thema nur gestreift (unser Lehrer war der Meinung, Oralesex sei etwas animalisches und verbotenes, daher muss man es auch nicht behandeln). Also las ich halt die Bravo-Heftchen der älteren Schwester...

    • Martial2 am 27.08.2016 00:03 Report Diesen Beitrag melden

      @C.K.

      Und jetzt ist für Sie alles klar, Bravo...

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  • Daniel am 26.08.2016 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Habe ich etwas verpasst?

    Bild 7 mit Kiss aus dem Jahr 1979 irritiert mit "Damals gab es doch noch gar kein allgemein zugängliches Internet. lol.

    • vivi von e am 27.08.2016 02:43 Report Diesen Beitrag melden

      Anno damals

      Ich hab mir genau das Gleiche gedacht.

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  • Ronny am 26.08.2016 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Frage

    Du sagst du machst konsequent Muskeltraining. Warum ist dann ihre Konsistenz Pudding ähnlich?