Kollaps in «Tagesschau»

26. Januar 2015 16:42; Akt: 27.01.2015 08:27 Print

Andere Sender sind auf solche Pannen vorbereitet

von Monika Rufener - Das SRF entschied nach dem Kollaps von Moderatorin Cornelia Boesch, die «Tagesschau» abzubrechen. Bei der Konkurrenz hätte man weitergesendet.

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Sende-Abbruch bei Moderations-Ausfall während der Sendung? Bei der ARD undenkbar. «Sollte die Sprecherin/der Sprecher (aus welchem Grund auch immer) während der Sendung ausfallen, werden alle Texte vom sogenannten Off-Sprecher gelesen, der normalerweise nur die Texte der Kurzfilme aus dem Off live spricht», erklärt «ARD-Aktuell» Chefredaktor Kai Gniffke gegenüber 20 Minuten. Die Off-Stimme tritt dafür nicht ins Bild:« Stattdessen werden die Illustrationen der einzelnen Meldungen im Vollbildmodus gezeigt», so Gniffke. Die Sendung wird aber zu Ende gefahren. Auch bei den österreichischen Kollegen ist man gewappnet: «Bei uns gibt es immer wieder Besprechungen vom Chef vom Dienst und Moderatoren, wie man mit solchen Situationen denn umzugehen hätte oder umgehen könnte», erläutert ORF TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher, denn: man möchte auch im Notfall «ein rasches und professionelles Reagieren ermöglichen». Das Schweizer Fernsehen hat zwar Notfallpläne, für den Fall, dass eine Sprecherin oder ein Sprecher ausfallt, jedoch nur für den Fall, dass dies vor der Sendung passiert. Cornelia Boesch brach während der Live-Sendung zusammen; ... .. .Sport-Moderator Sascha Ruefer versuchte noch zu übernehmen. Später wurde die Ausstrahlung der «Tagesschau» Hauptausgabe abgebrochen.« Wenn eine Moderatorin einfach zusammenklappt, ist es natürlich eine kritische Situation. Wir wussten ja nicht, wie es Cornelia Bösch geht», so «Tagesschau»- Redaktionsleiter Urs Leuthard gegenüber 20 Minuten. Cornelia Boesch geht es nach ihrem Zusammenbruch am Sonntagabend inzwischen besser: «Sie hat nichts Schlimmeres. Es scheint so, als hätte sie eine Grippe», beruhigt Leuthard gegenüber 20 Minuten. «Sie wird die nächsten paar Tage das Bett hüten.»

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Was Cornelia Boesch in der «Tagesschau»-Hauptausgabe vom Sonntagabend widerfahren ist, gehört wohl zu den Horror-Szenarien einer jeden Moderatorin. Mitten in der Sendung wird es der 39-Jährigen schwarz vor Augen. Sie muss die Sendung aufgeben. Kurz darauf wurden Landschaftsaufnahmen der Schweiz gezeigt mit dem Hinweis «Die Ausstrahlung der geplanten Sendung ist zurzeit nicht möglich». Die Tagesschau wurde abgebrochen.

«Wir wussten ja nicht, wie es Cornelia Boesch geht»

Kurz nach dem Sendeabbruch wurde auf den sozialen Plattformen gerätselt: Warum hat nicht Sascha Ruefer die Tagesschau zu Ende geführt? Sollte das Schweizer Fernsehen für solche Situationen nicht einen stichfesten Notfallplan haben? «Wir mussten sehr schnell eine Entscheidung fällen. Der Produzent teilte Sascha Ruefer mit, dass er mit dem Sport-Block weiterfahren soll», erklärt «Tagesschau»- Redaktionsleiter Urs Leuthard 20 Minuten. Im Studio habe nach dem Zusammenbruch kurz Verwirrung geherrscht. «Wenn eine Moderatorin einfach zusammenklappt, ist es natürlich eine kritische Situation. Wir wussten ja nicht, wie es Cornelia Boesch geht.»

Notfallplan ja, aber nur für Ausfälle vor der Sendung

Notfallpläne hat das SRF zwar, jedoch nur für Ausfälle, die vor der Live-Sendung passieren. «Cornelia Boesch fiel während der Live-Sendung innert Sekunden aus. In dieser Situation konnten wir keinen Ersatz mehr organisieren», berichtigt Leuthard. Wäre Boesch kurz vor der Sendung umgekippt, hätte Wasiliki Goutziomitros die Hauptausgabe übernommen. Goutziomitros war als Moderatorin der Spätausgabe der Tagesschau bereits vor Ort.

Hätte sich Boeschs Ausfall schon früher während des Tages abgezeichnet, hätte man Franz Fischlin aufgeboten. Ein Moderationsersatz während der Live-Sendung ist also bei der «Tagesschau» nicht vorgesehen? «Wenn wir für solche Situationen, in denen eine Moderatorin während der Sendung ausfällt, jederzeit einen Ersatz aufstellen würden, müssten wir jeden Tag noch einen Back-up-Moderator aufbieten. Das scheint mir nicht machbar», meint Leuthard.

Bei ARD und ORF ist man vorbereitet

Dass ein solcher Zwischenfall jedoch nicht einen Abbruch der Live-Sendung zur Folge haben muss, beweist die Konkurrenz aus dem Ausland. «Bei der Tagesschau in Hamburg gibt es für solche Fälle ein Havarie-Szenario: Sollte die Sprecherin/der Sprecher (aus welchem Grund auch immer) während der Sendung ausfallen, werden alle Texte vom sogenannten Off-Sprecher gelesen, der normalerweise nur die Texte der Kurzfilme aus dem Off live spricht», erklärt Kai Gniffke, Chefredaktor von «ARD-aktuell», 20 Minuten. «Dafür wechselt der Off-Sprecher nicht ins Bild. Stattdessen werden die Illustrationen der einzelnen Meldungen im Vollbildmodus gezeigt. Auf diese Weise würde die Sendung dann zu Ende gefahren.»

Auch beim Österreichischen Rundfunk ist man auf solche Szenarien vorbereitet. «Während der Hauptnachrichtensendungen haben wir meist – auch kurzfristig – eine Moderatoren-Alternative vor Ort», so ORF-TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher. Zugute kommt «Zeit im Bild» (ZIB) jedoch auch, dass jeweils im Doppel moderiert wird. Sollte es trotzdem zu Zwischenfällen kommen, ist man gewappnet. «Bei uns gibt es immer wieder Besprechungen vom Chef vom Dienst und von Moderatoren, wie man mit solchen Situationen denn umzugehen hätte oder umgehen könnte», erklärt Dittlbacher, denn: Man möchte auch im Notfall «ein rasches und professionelles Reagieren ermöglichen».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jimi am 26.01.2015 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    SRF hat Kurzarbeit

    bereits eingeführt. Die Sendungen werden, bis auf Weiteres, bei 60% abgebrochen. Hat das noch niemand mitbekommen? ;)

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  • marc am 26.01.2015 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht flexibel

    Warum durfte sascha ruefer nicht weiter moderieren? traute mann ihm das nicht zu? meine es kann doch jedem mal schwarz vor augen werden, dann sollte mann auch ein bisschen flexibel sein. aber nein, in einem staatsfernsehen darf nur ein nachrichtensprecher auch die nachrichten ab dem telepromter ablesen, dafür ist ein sportmoderator wohl nicht qualifiziert! schade, hätte die stiere tagesschau ein wenig aufgefrischt.. gute besserung

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  • René K. am 26.01.2015 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Medienpolitische Scheuklappen

    Unglaublich, diese ständigen Superbesseralleswisser, wenns um das ach so böse "Staatsfernsehen" geht... Die sollen doch einfach ihre Privatsender einschalten, die machen ja alles viel, viel besser. Oder etwa doch nicht?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Giulierie Maissen am 27.01.2015 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Theater

    Wie kann man deswegen so ein Theater machen. Das ist nicht mehr Wert als ein Zweizeiler. Kann ja jedem mal passieren!

  • Susi am 27.01.2015 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    So oder so - nie ist es recht

    Wie man es macht, nie ist es recht. Wird weiter gesendet, gibt es sicherlich Stimmen, welche das daneben finden, wird nicht weiter gesendet ist man unprofessionell.

  • Klari Birch am 27.01.2015 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Aufstand wegen einem Mal..lächerlich

    Es ist menschlich dass so etwas passiert. Das kann jedem passieren. Ich finde diesen ganzen Medienwahnsinn darüber jedoch schon fast lächerlich. Dann ist die Tagesschau nun mal einmal ausgefallen, na und? Ist doch nicht tragisch. Schon mal etwas von Zeitungen und Internet gehört? wenn man es nicht mal einen Tag ohne Tagesschau aushält...Und schon gar nicht wenn es dabei um die Gesundheit eines Menschen geht. Denkt mal drüber nach!

  • bruno ribi am 27.01.2015 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tagesschaupanne

    Eine Panne wie am Sonntag ist nun mal passiert. Nun meckern viele wie man es besser hätte machen sollen.Ich bin nicht erzürnt , wies das Schweizer Fernsehen gemeistert hat. Aber wie immer gibt es "Schlaumeier" dies besser gemacht hätten, vielleicht ???

    • Bettina am 27.01.2015 15:35 Report Diesen Beitrag melden

      SRG sind keine Profis

      Bei ARD und ORF ist man vorbereitet auf solche Situationen - sind eben die Profis.

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  • channy am 27.01.2015 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    menschlichkeit?

    Ich versteh diesen ganzen wirbel nicht! Die tagesschau sowie deren Mitarbeiter zeigen nur menschlichkeit und kollegiales verhalten und werden hier als unprofessionell dargestellt, nur weil sie keinen Notfallplan hatten. Niemand ist durch den abbruch der tagesschausendung zu schaden gekommen. Ich persönlich finde es schön zu sehen dass in dieser branche solche kollegialen Teams vorhanden sind und sich so um einander kümmern.!