Chinesischer Rockstar

19. Januar 2014 06:04; Akt: 19.01.2014 06:04 Print

Auftritt bei Staatsgala wegen Zensur abgesagt

Cui Jian hätte eines seiner Lieder an einer Staatsgala nicht spielen dürfen. Er reagiert darauf und sagt seinen Auftritt ganz ab. Viele Internetnutzer begrüssen seinen Entscheid.

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Cui Jian (rechts) stand auch schon mit Udo Lindenberg auf der Bühne. (Bild: Keystone/Shen yu)

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Der regierungskritische Rockstar Cui Jian hat wegen strenger Zensurvorgaben einen Auftritt bei einer Gala im chinesischen Staatsfernsehen abgesagt. Cui Jian hatte 1989 die Studentenproteste in Peking unterstützt und auf dem Tian'anmen Platz gespielt.

Der 52-Jährige habe lieber komplett auf seinen Auftritt zum chinesischen Neujahrsfest verzichtet, als sich seine Lieder vorschreiben zu lassen, sagte sein Manager am Samstag der Pekinger Zeitung «Xinjingbao».

Die Veranstalter hatten ihm für den Auftritt vor dem Millionenpublikum bei der Gala zum chinesischen Neujahr Ende Januar verbieten wollen, das Lied «Nothing to My Name» vor dem Millionenpublikum aufzuführen. Den Song hatte Cui Jian 1989 für Studierende im Hungerstreik auf dem Tian'anmen Platz gespielt.

Mit dem 25. Jahrestag der Niederschlagung der Studentenbewegung im Juni dieses Jahres war ein möglicher Auftritt von Cui Jian bei der Staatsgala in China kontrovers diskutiert worden. In den twitterähnlichen Mikroblogs «Weibo» begrüssten viele Nutzer die Entscheidung von Cui Jian, sich das Lied nicht verbieten zu lassen, und dafür die Teilnahme abzusagen. Damit habe er seine Ideale gewahrt, hiess es in Kommentaren auf der Seite von Cui Jians Manager.

In der Nacht zum 4. Juni 1989 hatte die chinesische Armee die Demokratiebewegung in Peking blutig niedergeschlagen. Sechs Wochen hatten Studenten, Arbeiter und einfache Bürger in Peking und anderen Städten Chinas für politische Reformen und Demokratie demonstriert. Darunter war auch der spätere Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo.

Pflichtprogramm an Neujahrsfeier

Der Rockstar Cui Jian durfte danach nur noch vor wenigen Menschen auftreten. In den vergangenen Jahren gestatteten ihm Behörden jedoch mehrfach wieder Konzerte vor grösserem Publikum in China.

Die Gala im chinesischen Staatsfernsehen gilt als das bekannteste Fernsehprogramm Chinas mit den meisten Zuschauern. Ähnlich wie «Dinner for one» für viele Deutsche gehört für viele Chinesen die Gala im Staatsfernsehen zum Pflichtprogramm für die Neujahrsfeier. In diesem Jahr fällt Chinas Neujahr auf den 31. Januar, die Gala beginnt am Vorabend. Das Programm ist für patriotische Lieder und leichten Humor bekannt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jörg Gäbler am 19.01.2014 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Charakter

    Wenn mehr Menschen diese Charakter Züge hätten,könnte man meinen die Welt wird besser . Stattdessen die Gewissen sind Rein von denen die Schlagzeilen bringen in dieser Verlogenen Welt ! Für dieses Drecksgeld ist alles Möglich . Alles Geregelt alle machen mit .

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  • Ein Chinafreund am 19.01.2014 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf dem richtigen Weg

    China macht auch da Fortschritte, man bedenke wie lange andere Staaten für solche Aufarbeitungen gebraucht haben. Leider sehen viele immer noch Feinde wo keine mehr sind. Ich bin aber zuversichtlich, dass die heutige Führung auch da den Weg finden wird. Die Zeichen stehen immerhin sehr gut. Leider ist durch die Art der Machtübergabe nicht immer alles so schnell möglich. Lassen wir uns überraschen. Die Konsequenz des Künstlers finde ich aber sehr mutig und zeigt auch, dass das Volk emanzipiert ist und diesen Weg gehen möchte und auch wird.

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  • Marcelo am 19.01.2014 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Je nach Land ein bisschen anders

    Hier schreiben die Medien von "Zensur" und "Regierungskritisch". Wie habt ihr das Gleiche nochmals in Frankreich genannt?

Die neusten Leser-Kommentare

  • me too am 19.01.2014 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Entscheidung

    Volle Unterstützung! Ich würde mir von Diktatoren auch nicht vorschreiben lassen, was ich sagen oder singen will.

  • Marcelo am 19.01.2014 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Je nach Land ein bisschen anders

    Hier schreiben die Medien von "Zensur" und "Regierungskritisch". Wie habt ihr das Gleiche nochmals in Frankreich genannt?

  • HB am 19.01.2014 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwechselt

    Entschudigung, habe meinen Beitrag mit dem Dschungelcamp verwechselt.

  • HB am 19.01.2014 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blöd! 

    Die Menschheit wird immer blöder.

  • Ein Chinafreund am 19.01.2014 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf dem richtigen Weg

    China macht auch da Fortschritte, man bedenke wie lange andere Staaten für solche Aufarbeitungen gebraucht haben. Leider sehen viele immer noch Feinde wo keine mehr sind. Ich bin aber zuversichtlich, dass die heutige Führung auch da den Weg finden wird. Die Zeichen stehen immerhin sehr gut. Leider ist durch die Art der Machtübergabe nicht immer alles so schnell möglich. Lassen wir uns überraschen. Die Konsequenz des Künstlers finde ich aber sehr mutig und zeigt auch, dass das Volk emanzipiert ist und diesen Weg gehen möchte und auch wird.

    • DaVinci am 19.01.2014 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wie Bitte?

      65% der Chinesischen Bevölkerung glaubt jetzt noch das am Platz der Proteste nur von Westliche Medien aufgeputscht wurde Wang-Dynasty und Massenmorde das ignoriert man mal einfach

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