Sein Name bedeutet Hölle

22. April 2018 19:14; Akt: 22.04.2018 19:14 Print

Avicii hat seine Abgründe nie versteckt

Die Nachricht von seinem frühen Tod hat die Welt geschockt. Um seine innere Zerrissenheit und seinen Gesundheitszustand hat Avicii derweil nie ein Geheimnis gemacht.

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Bei den riesigen Erfolgen, die Avicii als DJ feierte, war es leicht zu übersehen, dass hinter dem Superstar ein sensibler und suchender Mann stand. In seinem Schaffen und mit seinen Auftritten in der Öffentlichkeit hat er immer wieder gezeigt, wie schwer es ihm fiel, seine Liebe zur Musik zu leben, ohne dabei von der ständigen Arbeit und den Nebenerscheinungen des Welt-Ruhms zermürbt zu werden. Eine Spurensuche.

Sein Künstlername steht für die Hölle:

Als sich Tim Bergling in seinen Anfängen vor rund zehn Jahren auf die Suche nach einem Künstlernamen begab, wurde er beim Buddhismus fündig: Avici bezeichnet die «tiefste Ebene der buddhistischen Unterwelt, auf die jene Verstorbenen gelangen, welche die schwersten Verbrechen begangen haben», heisst es auf Wikipedia. Aus Wiedererkennungsgründen hängte Tim noch ein zweites -i an das Wort an.

Aviciis letzter Release, eine EP mit sechs Songs, die er im Sommer 2017 veröffentlichte, benannte er denn auch nach dieser buddhistischen Hölle. «Avīci», in Originalschreibform. Das Dunkle schien ihn zu faszinieren.

Im Video spricht Avicii über seinen Künstlernamen und seine Gesundheit.

Er thematisierte seinen Gesundheitszustand:

In mehreren Interviews sprach der Schwede offen darüber, dass ihm das Leben auf Tour und in der Öffentlichkeit stark zusetze – er sei ein introvertierter Mensch. 2014 musste Avicii mehrere Auftritte absagen, weil er sich die Gallenblase und den Blinddarm entfernen liess. Der DJ trank übermässig Alkohol.

Wie ein Veranstalter, der mehrere Shows von Avicii organisiert hat, gegenüber Bild.de sagt, sei er auch mit Krücken noch auf die Bühne gegangen. «Er war selten wirklich fit. Trotzdem trat er auf. Einmal hab ich erlebt, wie er auf die Bühne im wahrsten Sinne des Wortes gekrochen ist.»

2016 zieht Avicii die Reissleine: In Ibiza tritt er im Ushuaia-Club ein letztes Mal auf. Mit der Dokumentation «True Stories», die Ende 2017 erschien, gab Avicii offene Einblicke in sein Leben, liess sich sogar im Spitalbett filmen.

In seinem Schaffen steckt Schwermut:

Selbst in seinen allergrössten Hits, zu denen Menschen weltweit tanzen und feiern, stecken schwere Zeilen: «Weck mich auf, wenn es vorbei ist» («Wake Me Up»), oder «Manchmal fühle ich mich gut / so wie ich mich nie, nie, nie, nie gefühlt habe» («Levels»). Auch die Suche nach Liebe wird in vielen Songs thematisiert – über Aviciis Beziehungsstatus war zuletzt nichts bekannt. Seine letzte Beziehung hatte er 2014 mit der Bloggerin Racquel Bettencourt.

Das Video zu «Levels» zeigt zudem einen Mann, der in Anlehnung an den antiken Mythos von Sisyphus einen Stein einen Berg hochrollt. Die Geschichte ist bekannt: Er wird mit der Arbeit nie fertig. Ein Bild, das mit den neusten Erkenntnissen zu Aviciis getriebener Arbeitsweise eine neue Tiefe erhält. Wie der Präsident von Geffen Records sagt, habe Avicii zuletzt bis zu 16 Stunden am Stück gearbeitet.

Er suchte offensichtlich nach Ausgleich:

Auf seinem Instagram hat Avicii in den vergangenen Monaten immer wieder Bilder von seinen Reisen auf der ganzen Welt mit seinen mehreren Millionen Followern geteilt. Bergling war auf der Suche nach Ruhe und echtem Leben, fernab der Showbiz-Mühle, die ihn jahrelang so zermürbt hatte. Umgeben von der Natur scheint er auf den Reise-Bildern am zufriedensten.

«Vergesst nicht, zu chillen.»

Don't forget to chill 🤙

Ein Beitrag geteilt von Avicii (@avicii) am

«Selfies zu knipsen bringt mehr Leute um als Hai-Attacken.»

«Ich empfehle jedem, den Tafelberg auf die Bucket-List zu nehmen.»

Seinen Bezug zum Smartphone macht er in diesem Post klar: «Ich kann nicht mit, ich kann nicht ohne [es] leben.»

Cant live with it, cant live without it.

Ein Beitrag geteilt von Avicii (@avicii) am

(fim)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leon am 20.04.2018 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Er war ein talentierter Produzent und scheint ein bodenständiger Mensch gewesen zu sein. Danke für die Musik und die damit verbundenen Erinnerungen.

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  • Margrith am 20.04.2018 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RIP

    Er sieht sehr dünn aus auf dem Foto...Finde es sehr traurig. So jung von uns gegangen. RIP Avicii - deine Hits werden uns für immer begleiten

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  • Raffi am 20.04.2018 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RIP AVICII

    unglaublich. einer der beste dj den es je gab..rip avicii.. ich werde dich sooo vermissen.. du bist und bleibst der GRÖSSTE

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Othmar am 22.04.2018 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Happy family

    Denkt man mal das bum, bum, bum weg, sind es schon arge Ohrwürmer...

  • Viola T. am 22.04.2018 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Die Besten!

    Erst Naddel mit ihrer Leberzhirrose und jetzt DJ Avicii mit einer Pankreatis! Auch Ernst August von Hannover, der Prinz mit der Regenschirm-Attacke, litt unter dieser mysteriösen Krankheit. Wer hätte schon geahnt, dass ein kleines Bierchen ab und an zum Tode führen kann?

  • Jenny am 22.04.2018 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgenutzt bis in den Tod

    Mit 28 war dieser junge Mann ein so schwerer Alkoholiker, dass seine Organe dauerhaft geschädigt waren und er schlimme Operationen über sich ergehen lassen musste. Ich befürchte, dass der Hype, der jetzt um seinen Drogentod gemacht wird, von den Musikfirmen ausgeht, die nochmal so richtig Kohle damit machen wollen.

  • A.Surrer am 22.04.2018 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    junges und Mädels

    absichtlich Komplet unpolitisch...da gab es während den 80-90, also, als der "Krieg" gewonnen war, viele gute Künstler, bis Ende 90er..dann kam die "Hilton"...und was habt ihr jetzt? Zuki sitzt auf Milliarden und ihr "schnorrt beim Sozialamt ein paar Nike-Schuhe"...denn alle die "Reich" sind werden sich nicht "öffentlich" darüber äussern, ..hat mir mein älterer ruder beigebracht.

  • tim am 22.04.2018 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ruhe lassen

    lasst ihn doch in frieden. er ist uns keine rechenschaft schuldig. höchstens seinen eltern und geschwister.