Fragwürdiger Humor

15. März 2011 12:56; Akt: 15.03.2011 19:36 Print

Bei Japan hört der Spass auf

von Kian Ramezani - Hierzulande halten sich die Komiker zurück, aber in den USA wird versucht, die japanische Katastrophe humoristisch zu verarbeiten. Das Resultat ist peinlich.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Menschliches Leid für eigene Zwecke zu instrumentalisieren, geht meistens schief. Selbst Humor und Satire, wo normalerweise fast alles geht, wandern in solchen Situationen auf einem sehr schmalen Pfad. Zu schmal, fanden etwa Viktor Giacobbo und Mike Müller und verzichteten am vergangenen Sonntag wegen der Ereignisse in Japan auf ihre Satiresendung. Einige US-Amerikaner hingegen zeigten sich völlig schmerzfrei und versuchten sich an Witzen über die Katastrophe - und scheiterten grandios.

Dass Rapper 50 Cent hin und wieder geschmacklose Tweets versendet, ist bekannt. So wird seine Karriere auch über diesen neuesten Tiefpunkt kaum Schaden nehmen. Am Freitagmorgen twitterte er: «Die Welle wird acht Uhr morgens eintreffen, die verrückten weissen Jungs werden versuchen, darauf zu surfen.» Dann am Freitag Nachmittag: «Hört zu Leute, es ist wirklich ernst, ich musste alle meine Schlampen aus Los Angeles, Hawaii und Japan evakuieren. Ich musste einfach. Lol.»

Ein paar Minuten später muss er zu Verstand gekommen sein: «Das ist wirklich verrückt, aber was können wir tun. Lasst uns für alle beten, die jemanden verloren haben.» Seine Reue dauerte nicht lange, genauer gesagt bis neun Uhr abends: «Mann, die haben doch diesen Film 2012 gemacht, sieht nach einem Glückstreffer aus.» Und zum Abschluss wenige Minuten später so etwas wie eine Rechtfertigung: «Manche meiner Tweets sind ignorant, ich will damit schockieren. Ihr könnt es hassen oder lieben, beides ist okay für mich.»

Zwei Entlassungen, eine Entschuldigung

Das sieht bei Dan Turner anders aus. Der Pressesprecher des Gouverneurs von Mississippi, Haley Barbour, hatte offenbar die Angewohnheit, selbst erfundene Witze im Büro herumzuschicken. Dieser hier war einer zu viel und kostete ihn seinen Job. Über Otis Reddings bekannten Song «Sittin' on the Dock of the Bay» (Am Dock der Bucht sitzend) schrieb er: «Aktuell kein grosser Hit in Japan.» Inzwischen ist er beurlaubt: Sein Ex-Boss, der Gouverneur Haley Barbour, ist pikanterweise als Präsidentschaftskandidat der Republikaner 2012 im Gespräch.

Ebenfalls gefeuert wurde der Komiker Gilbert Gottfried, die landesweit bekannte Stimme einer Ente, die für den Versicherungskonzern Aflac Werbung macht. Seine über Twitter verschickten Witze sind an Geschmacklosigkeit kaum zu übertreffen. Ein Beispiel: «Ich habe mich gerade von meiner Freundin getrennt, aber wie die Japaner sagen, wird schon bald eine neue vorbeitreiben.»

Alec Sulkin, ein Autor der US-Fernsehserie «Family Guy» konnte seinen Job bisher behalten. In einem Tweet hatte er geschrieben: «Wenn du dich wegen dieses Erdbebens in Japan besser fühlen willst, google 'Pearl Harbor Opferzahl'». Dieser bizarre Verweis auf den japanischen Überraschungsangriff auf die US-Steitkräfte auf Hawaii 1941, bei dem rund 2500 Menschen getötet wurden, löste einen Sturm der Entrüstung im Internet aus. Sulkin entschuldigte sich und erklärte, er habe gedacht, die Opferzahl in Japan sei tiefer. Seine anstössigen Tweets hat er inzwischen entfernt.