07. April 2005 11:33; Akt: 07.04.2005 11:41 Print

Camilla: Einst Mätresse, bald künftige Königin

Camilla Parker Bowles hat das schlechteste Image als Aussenseiterin im britischen Königshaus. Doch ihre höfische Karriere ist nicht mehr aufzuhalten.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Erst in den vergangenen Jahren hat Prinz Charles' Langzeitgeliebte Sympathien gewonnen - für ihre Treue zum britischen Thronfolger, ihre Verschwiegenheit und ihre starke Persönlichkeit. Die Boulevardpresse goss kübelweise Häme über sie aus, Prinzessin Diana bezeichnete die Geliebte ihres Mannes sogar als «Rottweiler». Mit der Heirat am Samstag ist die Camilla Parker Bowles die erste Mätresse, die zur künftigen Königin aufsteigt,

Camilla Parker Bowles wurde am 17. Juli 1947 als Tochter von Major Bruce Shand, Vice Lord Lieutenant of East Sussex, geboren und wuchs auf dessen grossem Familienlandsitz in Sussex auf. Sie wurde unter anderem auf Mädchenpensionaten in der Schweiz und in Frankreich erzogen. Nach ihrer Einführung in die Gesellschaft 1965 soll sie später von einem Gast als «weder hübsch noch intellektuell, aber als kontaktfreudig und humorvoll» beschrieben worden sein. Trotz ihrer konservativen Erziehung machte sie sich nicht viel aus Konventionen, liebte Partys und legte keinen grossen Wert auf Äusserlichkeiten.

In den sechs Monate jüngeren Thronfolger Prinz Charles soll sich Camilla schon nach der ersten Begegnung 1970 verliebt haben. Ihre nüchterne und entspannte Art sowie ihr ähnlicher Humor zogen ihn an. Eine Hochzeit kam aber nicht in Betracht. Als Charles 1973 für sechs Monate zur See musste, heiratete Camilla den Kavallerie-Offizier Andrew Parker Bowles (der mit Charles' Schwester Anne liiert war) und bekam von ihm zwei Kinder.

Der Kontakt zu dem Thronfolger riss aber nach ihrer Hochzeit nicht ab. Trotzdem heiratete Charles 1981 die junge Diana - für die Öffentlichkeit galten die beiden fortan als Traumpaar. Gerüchten zufolge soll Camilla Charles sogar dabei geholfen haben, eine passende Frau zu finden. Andererseits soll sie Diana als «dieses lächerliche Wesen» bezeichnet haben. Diana sagte 1995 in einem Interview: «Es gab drei von uns in dieser Ehe, sie war also ein wenig überfüllt.»


Pikante Details

Zwar blieb Charles' aussereheliches Verhältnis der Königsfamilie nicht verborgen, doch die Öffentlichkeit erfuhr erst beim so genannten «Camillagate»-Skandal, wie intim es war: Anfang der 90er wurden angeblich mitgeschnittene, mit pikanten Details gespickte Telefongespräche zwischen Charles und Camilla veröffentlicht. Kurze Zeit später gestand Charles in einem Interview seinen Ehebruch, was das Ende der angeblichen Traumbeziehung zwischen ihm und Diana besiegelte. Camilla Parker Bowles liess sich 1995 scheiden, die Ehe von Diana und Charles wurde 1996 geschieden.

Schon seit Mitte der 90er Jahre versuchte Charles, die Briten langsam an seine Beziehung zu Camilla zu gewöhnen. Die Bemühungen erlitten mit dem tragischen Unfalltod von Prinzessin Diana einen herben Rückschlag. Ohnehin war Camilla für viele Briten schuld an der Trennung, die Trauer um die geliebte «Prinzessin der Herzen» verstärkte die Abneigung noch. In Dianas Todesjahr waren 55 Prozent gegen eine Heirat von Charles und Camilla.

Doch die Abneigung schwand mit der Zeit, während die Beliebtheit des Thronfolgers, der sich nach dem Tod seiner Exfrau liebevoll um seine beiden Söhne kümmerte, wuchs. William und Harry schienen die neue Frau an der Seite ihres Vaters zu akzeptieren. Schon 1998 trat Camilla als Gastgeberin für die Party zu seinem 50. Geburtstag auf. Eine Hochzeit der beiden Geschiedenen blieb aber zunächst indiskutabel, bei offiziellen Anlässen hatte Camilla sich im Hintergrund zu halten. Den ersten öffentlichen Kuss gab es erst 2001.

Als schwierig erwies sich vor allem die Arbeit an ihrem sprödem Image. Die Britin liebt - wie die Queen - das Landleben, Pferde und Hunde. Mittlerweile scheint sich nicht nur die Königin, sondern auch die Öffentlichkeit an die Frau an Charles' Seite gewöhnt zu haben: Die Mehrheit der Briten sind für die Hochzeit.

(ap)