Andrew im Zwielicht

07. März 2011 15:33; Akt: 07.03.2011 18:25 Print

Das Comeback des Skandal-Prinzen

Prinz Andrew ist stets für einen Skandal gut. Nun steckt er wegen seiner Freundschaft mit einem «Kinderschänder» und Treffen mit einem Gaddafi-Sohn tief im Schlamassel.

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Als zweitgeborener Sohn eines Monarchen hat man es nicht leicht. Andrew Albert Christian Edward Mountbatten-Windsor, Herzog von York, ist keine Ausnahme. In der Thronfolge stehen ihm sein Bruder Charles und dessen Söhne vor der Sonne. Seit 2001 hat Prinz Andrew als Sonderbeauftragter der britischen Regierung für internationalen Handel und Investitionen zumindest einen halbwegs passablen Job. Nun aber muss er um ihn bangen.

In den letzten Tagen taucht der 51-Jährige permanent in den Schlagzeilen auf. Für Aufsehen sorgt seine Freundschaft mit dem US-Milliardär Jeffrey Epstein, die laut Andrews Privatsekretär Alastair Watson bis in die 90er Jahre zurückreicht. Epstein war 2008 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Daneben soll er weitere junge Mädchen sexuell missbraucht haben.

Verfängliches Foto mit 17-Jähriger

Eines seiner Opfer war Virginia Roberts. Letzte Woche veröffentlichte der «Daily Mail» ein Foto aus dem Jahr 2001, das die damals 17-Jährige im Arm von Prinz Andrew zeigt. Laut der Zeitung war Roberts die private «Masseurin» von Jeffrey Epstein, zu ihren Pflichten habe es gehört, ihm und seinen Freunden sexuelle Gefälligkeiten zu erweisen. Ob auch der Prinz davon profitierte, ist unklar. Er selbst verneint ein Fehlverhalten kategorisch.

Allerdings will das FBI gemäss der «Mail on Sunday» nach den jüngsten Enthüllungen die Ermittlungen im Fall Epstein wieder aufrollen. Dabei könnte auch der Herzog von York befragt werden. Ihm dürfte es wenig helfen, dass er Jeffrey Epstein erst im letzten Dezember in New York besucht haben soll. Ausserdem habe der Milliardär auf Vermittlung des Prinzen rund 23 000 Franken an dessen notorisch klamme Ex-Frau Sarah Ferguson überwiesen.

Turbulentes Privatleben

Das Leben von Prinz Andrew, um den es in den letzten Jahren eher ruhig geworden war, ist damit um einen Skandal reicher. Wegen seiner Frauengeschichten nannte man ihn «Randy Andy» (scharfer Andy). Auch die Ehe mit Sarah «Fergie» Ferguson, der Mutter seiner Töchter Beatrice und Eugenie, verlief turbulent. Nach nur fünf Jahren wurde sie geschieden, nachdem Fergie von einem Paparazzo mit ihrem Geliebten abgelichtet worden war. Allerdings wohnt sie auch 20 Jahre nach der Scheidung noch immer bei ihrem Ex-Mann.

Ins Gerede geriet der Prinz auch wegen anderen Kontakten: Der «Guardian» berichtete am Samstag, er habe drei Monate vor dem Sturz des tunesischen Präsidenten Ben Ali einen von dessen Schwiegersöhnen als Ehrengast empfangen. 2007 hatte er zudem Saif al-Islam Gaddafi, den Sohn des libyschen Diktators, zwei Mal getroffen, wie Privatsekretär Watson bestätigte. Beide Treffen seien im Rahmen von Andrews Funktion als Handelsbeauftragter erfolgt. Trotzdem kommen diese Begegnungen in britischen Politkreisen nicht gut an.

Premierminister steht hinter ihm

Bereits wird darüber spekuliert, dass Andrew seinen Job verlieren könnte. Die Regierung allerdings hält sich bislang zurück. Der Herzog von York habe «viel Gutes» für das Land getan, sagte Aussenminister William Hague. Premierminister David Cameron sprach ihm am Montag sein «volles Vertrauen» aus. Der Historiker und Königshaus-Experte Hugo Vickers erklärte in der BBC, Andrew sei Opfer einer «Schlammschlacht» der Medien.

Hinter den Kulissen aber ist die Skepsis gross. Eine weitere ernsthafte Enthüllung könne die Stellung des Prinzen «unhaltbar» machen, zitierte die BBC eine Regierungsquelle. Ein Rauswurf sei aber wenig wahrscheinlich, da dies zu einem «schädlichen und peinlichen Zwist zwischen der Regierung und der königlichen Familie» führen könne. Es sei jedoch möglich, seine Aktivitäten als Handelsdelegierter auf eine zeremonielle Funktion herabzustufen.

An einen freiwilligen Abgang denkt Prinz Andrew offenbar nicht. Laut dem «Guardian» will er demnächst eine Handelsdelegation nach Saudi-Arabien begleiten, trotz der gegenwärtigen Unruhen in der Region. Sein Neffe Prinz Harry dagegen habe aus diesem Grund die Teilnahme an einem Wohltätigkeits-Poloturnier in Dubai abgesagt, so die Zeitung.

(pbl)