John Paul Getty III.

09. Februar 2011 14:52; Akt: 09.02.2011 17:37 Print

Der «Goldene Hippie» ist tot

1956 sah die Zukunft von John Paul Getty III. rosig aus. Er wurde in eine der reichsten Familie hineingeboren. Doch Grossvater, Mafia und Drogen zerstörten diese Zukunft.

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John Paul Getty III., Milliardärsenkel, Entführungsopfer und Schauspieler, ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 54 Jahren, wie die «Washington Post» am Dienstag berichtete. Sein Leben war eine einzige Folge von Schicksalsschlägen. Dabei begann es so vielversprechend.

Am 4. November 1956 erblickte John Paul Getty III. in Los Angeles als jüngster Spross der Getty-Dynasty das Licht der Welt. Sein Grossvater, Öltycoon Jean Paul Getty, arbeitete zu diesem Zeitpunkt daran, mit cleveren Geschäften zum reichsten Mann der USA zu werden. Die Familiengeschäfte in Italien übertrug er seinem Sohn John Paul II. und so kam es, dass der kleine John Paul einen grossen Teil seiner Jugend in Rom verbrachte. Doch das unbeschwerte Leben in der ewigen Stadt sollte für John Paul III. von kurzer Dauer sein.

Im Alter von nur acht Jahren schlug das Schicksal erstmals zu. Vater John Paul II. verliess Frau und Familie und setzte sich nach Marokko ab. John Paul III. entwickelte sich danach zu einem rebellischen Jungen. So wurde der Milliardärsenkel mit 17 Jahren von der exklusiven St. George's English School in Rom verwiesen.

Frei – nach langen Verhandlungen

Am 10. Juli 1973 schlug das Schicksal erneut zu. Um 3.00 Uhr morgens wurde John Paul Getty III, der «Goldene Hippie», auf der Piazza Farnese in Rom entführt. In einem Schreiben forderten seine Kidnapper die Zahlung von 17 Millionen Dollar Lösegeld. Zunächst glaubte die Familie an eine inszenierte Entführung, mit der der Enkel an sein Geld kommen wollte.

Grossvater Getty – der immer sehr hart gegenüber seiner Familie gewesen war - weigerte sich, seinem Sohn die geforderten Millionen zur Verfügung zu stellen. «Ich habe 14 Enkel, und wenn ich nur einen Penny Lösegeld bezahle, habe ich 14 gekidnappte Enkel», sagte Getty Senior damals.

Erst als die Entführer dem Enkel ein Ohr abschnitten und es den entsetzen Eltern zuschickten, knickte der Grossvater ein. Nach fünf Monaten in der Hand der Entführer wurde Getty schliesslich freigelassen. Als die Entführer später gefasst wurden, stellte sich heraus, dass der Grossvater eine Zahlung von rund 2.9 Millionen Dollar Lösegeld ausgehandelt hatte. Wie die «Washington Post» später enthüllte, tat er dies mit der Bedingung, dass ihm sein Enkel den ganzen Betrag zurückzahlte – mit vier Prozent Zinsen.

Vom «Goldenen Hippie» zum Pflegefall

Nur ein Jahr nach der Freilassung heiratete John Paul seine damals im fünften Monat schwangere Freundin, die deutsche Journalistin Gisela Schmidt. Aus der Ehe ging der 1975 geborene Sohn Balthazar hervor. 1992 wurde die Ehe geschieden.

John Paul versuchte sich inzwischen als Schauspieler und war unter anderem im Wim-Wenders-Film «Der Stand der Dinge» zu sehen. Ein Durchbruch blieb ihm jedoch versagt. John Paul III. flüchtete sich immer mehr in die Drogen. 1981 erlitt er durch einen Drogencocktail aus Valium, Methadon und Alkohol einen Schlaganfall und war seitdem an den Rollstuhl gefesselt, taub und fast blind.

Daraufhin machte sein Vater, selber kein Kind von Traurigkeit, dem Ruf der Familie alle Ehre und weigerte sich, für die Behandlungskosten seines Sohnes aufzukommen. Ein Gericht in Los Angeles urteilte schliesslich zugunsten John Paul III. und verknurrte den Vater zur Übernahme der Behandlungskosten von über 10 000 Dollar.

Zuletzt lebte John Paul Getty III. in Wormsley Park, dem Familienanwesen in Buckinghamshire, England, als kompletter Pflegefall. Am Samstag hörte sein Herz nach 30 Jahren Krankheit schliesslich auf zu schlagen.

(kle)