Mein erstes Mal

13. März 2009 15:29; Akt: 30.03.2009 10:39 Print

Die Gummi-Susi und ich

von Philipp Dahm - Sextoys sind zum Spielen da – und zum Vergnügen. Der Test der Gummipuppe «Lolita» war dann auch ein Spass: für den Rest der Redaktion und für die Fotografin, bloss nicht für den Autor.

Bildstrecke im Grossformat »
20 Minuten Online präsentiert: Liebespuppe Lolita, die - so verspricht es die Verpackung - «wie eine Jungfrau» ist. Naja, das wollen wir doch mal sehen ... (Bilder: Madeleine Sigrist) Lolita hat drei «Lustöffnungen», heisst es da weiter. Und vorgestellt wird sie auf dem Karton auch: ... ... «Lolita möchte endlich die Liebe kennenlernen!» Die Liebesöffnungen «stehen Ihnen für Ihren heissen `Sex-Unterricht´ jederzeit zur lustvollen Verfügung». Na dann ... ... auf ins 39,90 Franken teure Vergnügen! Zuerst lese ich die «Kunden-Information»: Nach dem Gebrauch und vor dem ersten Mal müsse man die Puppe reinigen. Der Hinweis erscheint mir richtig und logisch. Ich soll nur Gleitmittel verwenden, die wasserlöslich sind. Es dauert lange, bis ich begreife, dass sich nicht alle Hinweise auf die Susi beziehen. Offenbar bekommt man die Information... ... auch mit jedem anderen Artikel. Jetzt verstehe ich, dass die Puppe keinen «Busensauger» hat, der meine Brüste anschwellen lässt. Ich muss Lolita «sauber, kühl und trocken» lagern. Das sind nicht die ersten Worte, die mir bei Sex einfallen. Dann also auf ins Vergnügen: Ich befreie Lolita aus ihrem Gefängnis und ... ... (schön ist sie nicht gerade) ... ... hauche ihr Leben ein ... ... zur Freude unserer IT-Abteilung. Keine Ahnung warum, aber in unserer Redaktion finde ich einen Blasebalg, was mir Puste spart und Lolita ... zu ganz neuer Form auflaufen lässt. Dank der grossen Fenster des Verlagsgebäudes... ... haben auch diese Passanten auf der Strasse etwas von der journlistischen Feldforschung. Sie sehen recht erfreut aus! Der Praxistest beginnt. Die vordere Lustöffnung ist neun Zentimeter tief. Wer seinen Finger hineinsteckt, ... ... riecht dann auch danach. Deshalb muss man die Gummi-Susi offenbar auch vorher waschen, denke ich. Das mit dem Nachher war mir aber klar gewesen... Das hintere Loch wie auch der Mund sind ebenfall neun Zentimeter tief. Wir machen es uns auf der Redaktionscouch bequem, wo ich mit Lolita in die Horizontale gehen werde. Sie ist zwar überraschend belastbar, taugt wegen ihrer Form aber nicht als Trampolin oder Badeutensil. Aber erregen tut mich Lolita ehrlich gesagt nicht. Und zwar so überhaupt nicht. Ich merke: Mit dem Testen wird es nichts. Wenn man Lolita anzieht, sieht sie besser aus als nackt. Hier hilft auch kein «Flagge rüber und fürs Vaterland», wie es in Proletenkreisen heisst. Die Alternativen: entweder einen Schwimmflügel benutzen (ist auch günstiger) oder auf die gute alte Phantasie zurückgreifen!

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eigentlich ist es ja gar nicht das erstes Mal mit einer Gummi-Susi. Es gab da vor Jahren diese Geburtstagsparty, die unter dem Motto «Porno» stand. Der Jubilar hatte für die Dekoration eine ganze Kiste voll ausrangierter Ware des Erotikkonzern «Beate Uhse» abgestaubt und den Inhalt fein säuberlich über den Festsaal verteilt. Die Gäste waren natürlich hellauf begeistert. Zwei von ihnen kamen nebenbei bemerkt unabhängig voneinander als Polizisten verkleidet. Drei andere kamen in Mönchskutte: Es ist schon spannend, woran die Leute beim Thema «Porno» so denken.

Motto-Party «Porno»

Unter dem Inventar befanden sich auch mehrere Gummipuppen. Eine hatte die Form eines kleinen Schafes, die andere die eines kleinen Schweins. Die beiden baumelten aufgeblasen unter der Decke, so dass sich keiner der Anwesenden an ihren Einlassungen am hinteren Ende auslassen konnte. Das dritte Lustgummi war eine echte, also menschlich wirkende Susi, die an eine Wand gelehnt war.

Neugierig habe ich einen Finger in ihren Schoss gesteckt. Das Gefühl dabei erinnerte mich weniger an Erotik, dafür aber mehr an Kindheitszeiten, als die Mutter einem die schon halb aufgeblasenen Schwimmflügel über den Arm zog, was in der Regel eher schmerzhaft war. Der Geruch des Fingers liess mich an Industriearbeit oder Kondome denken, aber nicht an Fleischeslust.

Lolita ist Chinesin

Viele Jahre später liegt «Lolita» auf meinem Schreibtisch, die auf Herz und Nieren geprüft werden soll. Die an mir vorbeikommenden Kollegen sind begeistert, faseln etwas von «typisch die Unterhaltung». Ich nehme «Lolita» lieber mit nach Hause, um ganz in Ruhe zu recherchieren. Den Weg nach Hause laufe ich schneller als sonst. Nicht dass ich so ungeduldig auf meine Gummi-Susi warte: Ich habe einfach Angst, dass die Passanten sehen könnten, dass das rosafarbene Paket unter meinem Arm kein Kinderspielzeug ist ... Leider ist der Rechner kaputt, sodass «Lolita» prompt wieder in der Redaktion landet.

Dann ist es soweit: Ich bekomme sie das erste Mal zu Gesicht. Als ich die Verpackung öffne, steht die erste Überraschung an: Die Dame ist Chinesin, steht auf dem eingeschweissten Plastik gedruckt. Potzblitz, das sieht man ihr auf der Kartonverpackung gar nicht an! Und apropos Aussehen: Der Gummilappen, den ich aus dem Plastik ziehe, sieht weder der Nackten vom Karton ähnlich, noch einer Asiatin. Von einem menschlichen Antlitz zu sprechen, wäre schon übertrieben.

Drei «Lustöffnungen»

«Lolita» ähnelt einem bunten Bonbon, das zu lange in der Sonne gelegen hat. Die «Haut» und Anus sind in fleischfarbenem Orange gehalten, die Vagina blitzt rosa zwischen den «Beinen» hervor, die – wenn überhaupt – zu einem 15-jährigen Magermodel passen würden. Der «Busen» ist eher klein, vielleicht Körbchengrösse A. Die «Augen» sind himmelblau und die dritte «Lustöffnung» – der Mund – knallrot. Ganz ehrlich: Auf den ersten Blick macht mir die Gute keine Frühlingsgefühle.

Der einzige Testmoment, auf den ich mich gefreut habe, ist da. Mit leicht kindlicher Freude lege ich zögerlich Hand an: Beim späteren Nachmessen lerne ich, dass alle drei «Lustöffnungen» neun Zentimeter tief sind. In Sachen Gefühlen ist es nicht anders als beim letzten Mal: Ich denke an den Gardasee und Mutter. Weil die mir Schwimmflügel überzieht, nicht weil ich es Ödipus gleichtun will.

Fazit

Mir ist völlig schleierhaft, wie sich Menschen mit «Lolita» vergnügen können. Es ist einfach nicht denkbar, das Stück Gummi mit einem Gleitmittel zu befüllen und darin einzudringen. Zwar ist Madame erstaunlich belastbar und besteht einen einfachen «Drucktest», ist aber eigentlich – wenn überhaupt – als bessere Luftmatratze zu gebrauchen. Auch vorstellbar ist sie als Nackenstütze beim Fernsehen.

Sorry, Dr. Sex, die Mission schlägt fehl. Bei «Lolita» bekomme ich ungefähr so viel amouröse Gefühle wie bei einer Zahnsteinentfernung oder beim Jahresgespräch mit unserem Chefredaktor.