Sheen vs. Galliano

03. März 2011 14:58; Akt: 03.03.2011 15:17 Print

Die Risiken der Ein-Mann-Show

von Karin Leuthold - «Charlie Harper» gibt es nur einen und auch die nächste Kollektion aus dem Hause Dior dürfte ohne John Galliano nicht den Glamour haben, den nur er ihr verleihen konnte.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Charlie Sheen ist vergangene Woche bei «Two and a Half Men» rausgeworfen worden, weil er den Produzenten Chuck Lorre in einem Radiointerview beschimpfte. Wenige Tage später erschütterte ein ähnlicher Fall die Pariser Modewelt: John Galliano, Kreativdirektor von Dior, wird nach 14 Jahren entlassen, nachdem im Internet ein Video aufgetaucht ist, in dem der betrunkene Designer in einem Café mit Worten wie «Ich liebe Hitler» andere Gäste beleidigte.

Das stellt nun die Arbeitgeber vor ein Problem: Wenn ein Charlie Sheen oder ein John Galliano abgesetzt wird, hat man danach kein Produkt mehr – denn sie sind das Produkt. Dennoch gibt man sich beim Modehaus Dior nach Gallianos Abgang gelassen: «Wir konzentrieren uns momentan auf die Vorbereitung der für Freitag geplanten Show», sagte ein Vertreter der Marke. Man wolle sich nicht an Diskussionen über einen Nachfolger Gallianos beteiligen. Die Stellungnahme der Franzosen versteht Jeremy Robinson-Leon, CEO eines Krisenmanagement-Unternehmens in den USA, nicht ganz. «Das Problem, das Dior jetzt hat, ist, dass die Marke mit Galliano sehr eng verbunden ist. Dior ist Galliano und Galliano ist Dior. Sie sollten sich wirklich rasch auf die Suche nach einem geeigneten Ersatz machen.»

Sheens und Gallianos Gemeinsamkeiten

Auch die Folgen von Sheens Entlassung sind verheerend: «Two and a Half Men» wurde eingestellt, die gesamte Crew ist vorerst arbeitslos und Millionen Fans auf der ganzen Welt enttäuscht. Dem Sender CBS und dem Filmstudio Warner Bros. gehen mit der Einstellung der Serie, die auch im Ausland erfolgreich läuft, Hunderte Millionen Dollar durch die Lappen.

Doch den grössten Fehler, den die Produzenten der Show jetzt noch machen könnten, ist zu versuchen, einen neuen «Onkel Charlie» einzustellen. Im Netz machte vergangene Woche schon das Gerücht die Runde, John Stamos könnte als «Charlie Harper» einsteigen. Das sollte man gar nicht erst wagen, denn die Hauptfigur der Serie ist dem echten Charlie Sheen erschreckend ähnlich: «Charlie Harper» ist ein überzeugter Single, der auf der Suche nach One-Night-Stands durch die Bars zieht und praktisch täglich mit einem schweren Kater aufwacht. In einem Kapitel der vorletzten Staffel wird diese Identifikation deutlich, als der Schauspieler Sheen – ohne es nicht einmal zu merken – sich selber Charlie Sheen statt Harper nennt. Diese Szene wurde in der Postproduktion nicht einmal herausgeschnitten.

Fall Tiger Woods als Vorzeigebeispiel

Dass es ohne Charlie Sheen nicht weitergeht, beweist auch der Hype, der um den 45-Jährigen entstanden ist. Kaum aufgeschaltet, folgen ihn bereits 1,2 Millionen Benutzer auf Twitter – rekordverdächtig. Die einstündigen Interviews auf diversen nationalen US-Sendern drehen sich ausschliesslich um seine Person. Das schafft kein anderer Promi – auch nicht mit Hilfe der ausgeklügeltsten PR-Strategie.

Betrachtet man den Fall Tiger Woods, besteht allerdings für die abgestürzten Sheen und Galliano noch Hoffnung: Obwohl nach Bekanntgabe seiner Affären seine wichtigsten Sponsoren abgesprungen waren, konnte der Sportler seine Karriere wiederbeleben. Der jahrelange Markenaufbau eines Promis kann über Nacht kaputtgemacht werden. Doch die Geschichte macht den gefallenen Stars Hoffnung: Auch Sheen und Galliano könnten wieder auferstehen.