Campino im Interview

20. August 2018 05:43; Akt: 20.08.2018 09:36 Print

«Schwiizertüütsch zu reden, trau ich mich kaum»

Am Samstag spielen Die Toten Hosen zum ersten Mal auf der Allmend in Luzern. 20 Minuten fragte bei Frontmann Campino nach, was ihm an der Schweiz besonders gefällt.

Im Video verrät Campino, ob er in die Schweiz auswandern würde und welche Mundart-Schimpfwörter er kennt. (Video: Nicole Agostini/Tamedia)
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Die Toten Hosen haben einen speziellen Bezug zur Schweiz, sei es beruflich oder privat — wäre das ein Lied wert?
Ich wollte mal ein Lied über meine Heimatstadt schreiben, aber auch das ist mir bis heute nicht gelungen. Bei den Sachen, an denen man am meisten hängt, ist es oft besonders schwer. Zudem können sich die Leute eher mit Liedern identifizieren, in denen es zum Beispiel um die Unterschiede zwischen Stadt- oder Landmenschen geht. Verschiedene Nationalitäten sind da nicht so wichtig.

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Wie magst du deine Hosen am liebsten?

Diesen August spielen die Hosen zum ersten Mal auf der Allmend in Luzern — welchen Bezug gibt es zur Leuchtenstadt?
Markus Babbel, der ehemalige FC-Luzern-Trainer, ist ein guter Freund von mir. Ich wollte ihn immer schon besuchen und auch ein Ligaspiel anschauen. Leider habe ich es zeitlich nie geschafft. Er hat mir erzählt, dass die Leute in Luzern sehr nett seien.

Was ist für dich typisch Schweiz und gefällt dir besonders gut?
Ich finde die kulturelle Vielfalt toll und dass jede Kultur ihre eigene Identität hat. Wir haben uns mit der Mentalität der Menschen immer wohlgefühlt und viele Freunde hier. In der Schweiz mussten wir nie befürchten, dass unser Humor missverstanden wird.

Gibt es etwas, das dich auch nervt?
Ich müsste hier leben, um das beurteilen zu können. Die Schweizer behaupten selbstkritisch, dass sie ein bisschen spiessig seien in ihrer kleinen Welt. Das merke ich so nicht. Vielleicht würde ich diese Eigenschaften eher als heimelig oder nett beschreiben.


2017 hat sich eine Thuner WG für einen Gig der Hosen in ihrem Wohnzimmer beworben – und die Zusage bekommen. (Video: Paul Ripke)

Was steht noch auf eurer To-do-Liste für die Schweiz?
Wir sind noch längst nicht jede Piste mit den Ski abgefahren. Ich habe auch nicht jeden See oder jede Stadt gesehen. Es gibt also noch viel zu entdecken.

Reist du in der Schweiz lieber privat oder mit dem ÖV?
Das hängt ganz von der Situation ab: Wenn wir uns zum Beispiel zum Skifahren treffen, nehme ich nicht mein Auto, sondern fliege nach Zürich und steige dann in den Zug. Wir haben kein Problem damit, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Wie findest du Schweizer Bier?
Es gibt gute und schlechte Biere – wie bei uns auch. Früher haben wir immer nur lokales Bier getrunken. Wenn wir jetzt auf Tournee gehen, trinken wir, was der Küchenchef serviert. Inzwischen sind wir auch nicht mehr nur unterwegs, um überall das örtliche Bier auszuprobieren (lacht).

Welchen Schweizer Käse magst du besonders gern?
Käse ist nicht so mein Ding, da bin ich eher zurückhaltend. Schweizer Käsefondue muss allerdings einmal im Jahr sein – dann aber auch richtig, mit Kirsch.


Zum Release der aktuellen Hosen-Platte «Laune der Natur» hatten wir Campino 2017 zum Interview bei uns im Haus. (Video: Schimun Krausz)

Wer ist dein Favorit unter den Schweizer Musikern?
Yello ist bis heute eine von uns sehr geschätzte Band, genauso wie Kleenex beziehungsweise LiLiPUT aus Zürich – das war die erste Frauenband, die wir je live gesehen haben. Zudem waren die Punks von Hungry for What mit uns befreundet und wir mögen die Jungs von Überyou.

Verfolgst du die Schweizer Politik?
Ja. Es ist aber nicht mein grösstes Steckenpferd. Den letzten Volksentscheid über «No Billag» haben wir mit grosser Aufmerksamkeit verfolgt und waren hocherfreut, dass die Schweiz die staatlichen Medien und Gebühren beibehält.

Welche Schweizer Mundart-Begriffe kennst du?
Ich traue mich kaum, Schwiizertüütsch zu sprechen. Aber: Ich verstehe mehr, als man meint. Also wenn es um Beleidigungen geht, dann wartet doch, bis ich draussen bin (lacht). Ich finde den Dialekt sympathisch und dass er einen guten Sound hat.

Die Toten Hosen spielen kommenden Samstag, 25. August, zusammen mit The Living End, Feine Sahne Fischfilet und den Donots auf der Allmend in Luzern. Karten sind bei Ticketcorner erhältlich.


Der Titeltrack des aktuellen Albums. (Quelle: Youtube/DIE TOTEN HOSEN)

(nia)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gggana am 20.08.2018 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sympathisch

    Sympathischer Typ!

  • Alfred A. am 20.08.2018 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau!

    Echt gute Statements von Frontmann Campino.

  • A.W. am 20.08.2018 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    auch die Schweizer Sprache

    ist ein Kulturgut vielfältig im Dialekt - ich lebe seit 12 Jahren hier und ich liebe die verschiedenen Dialekte, nicht immer ist es leicht diese zu verstehen - ihr wollt, das wir uns integrieren, (und ein Teil will das auch wirklich) ergo haben wir auch Eure Sprache zu lernen PUNKT also bitte bitte verfallt nicht immer aus Höflichkeit ins Hochdeutsch (Geschäftlich ok, aber nicht Privat) ich muss ja Eure Sprache nicht dialektfrei sprechen können aber verstehen will ich sie schon. Nicht ihr müsst Euch unterordnen, ich muss mich anpassen - schliesslich will ich ja hier leben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • vdn am 21.08.2018 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kult

    Die Toten Hosen sind kult! Gott verzeiht Ihnen ihre rassistischen Ausreisser.

  • Fraz am 20.08.2018 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freut mi schüli....

    Muss aus triftigen Grund jetzt öfters Hochdeutsch sprechen. Dadurch ist mir wieder bewusst geworden, welch blumige, ausdrucksstarke Sprache wir doch haben. Die meisten Mundartausdrücke lassen sich nicht 1:1 ins Hochdeutsche übersetzen sie verlieren dann ihre ganz feinen Nuancen, welche ein Deutscher kaum jemals richtig verstehen wird. Auch nicht wenn er sich Mühe gibt. Ich finde das ist doch etwas worauf wir stolz sein können? Ich jedenfalls freue mich darüber!

  • Fraz am 20.08.2018 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal was anderes

    Also etwas ist mir an diesem Interview ganz besonders aufgefallen: Es wurde ausnahmsweise darauf verzichtet zu fragen: Was gefällt ihnen an der Schweiz NICHT oder was stört sie an den Schweizern, wo müssten sich die Schweizer noch verbessern, was schmeckt ihnen am Schweizer Essen NICHT.... Wie schön!

  • Overlord44 am 20.08.2018 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn interessiert das Geschwätz...

    Wir sehen uns am Samstag! Und dann geben wir sowas von Vollgas! Let's Rock!

  • Dani B. am 20.08.2018 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Einer für Alle - Alle für Einen

    Ich würde Campino gerne mal fragen, ob er den Wahlspruch der Schweiz kennt.