Rapper mit halbem Schädel

03. Dezember 2019 10:28; Akt: 03.12.2019 10:35 Print

Wer ist Dr. Knarf eigentlich?

«Ich lebe noch», meldete sich gestern Dr. Knarf in einem Video zurück – und schockierte mit halbem Schädel. Noch kurz vor seinem verheerenden Unfall hatte der Rapper grosse Pläne.

Drei Jahre nach der Explosion seines Studios meldete sich Dr. Knarf in einer Facebook-Videobotschaft zurück. (Video: Dr. Knarf/Facebook)
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Er war kurz vor dem Durchbruch

Dr. Knarf nennt sich auch Kniwo, mit bürgerlichem Namen heisst er Niko Brenner und wurde 1984 in Hamburg geboren. Im Rap-Business mischt er ungefähr seit dem Jahr 2000 mit. Sein erster Song erschien 2001 und hiess «Fuck U Buy Us», drei Jahre später folgte «Fickt euch alle 2004», in dem er eine sechsmonatige Untersuchungshaft verarbeitete.

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Sein Betriebswirtschaftsstudium brach er 2008 ab, um Musik und Psychologie zu studieren. Seit 2012 war er fester Bestandteil des kolumbianischen «Crack Family»-Musikerkollektivs.

«Kniwo ist ein hervorragender Rapper, der schon seit über einem Jahrzehnt im Game mitmischt und endlich kurz vor seinem Durchbruch zu stehen schien», schrieb Rap.de im Februar 2017, kurz nach der Explosion. Besonders tragisch: Damals sollte sein neues Album «Prometheus» nach mehrfachen Verschiebungen endlich erscheinen.

Dr. Knarf im Jahr 2016:

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Er wollte zwölf Alben herausbringen

«Eigentlich wollte ich aufhören mit Rap, aber das hat mich depressiv gemacht», sagte Knarf in einem Interview 2015. Stattdessen setzte er sich ein ambitioniertes Ziel und nannte das Projekt seine «Doktorarbeit».

Innerhalb von zwei Jahren wollte er zwölf Alben herausbringen – also sechs Alben oder rund 100 Songs in einem Jahr. «Ich habe mich darauf zurückbesonnen, was mich im Hip-Hop und in der Art, wie ich lebe, geprägt und erzogen hat – Strassen-Rap, Rap-Rap.»

Dr. Knarfs Song «Pump das» aus dem Jahr 2015:

(Video: Youtube/Drive By)

Er hatte kaum Überlebenschancen

Am 5. Februar 2017 kam es in der Kölner Innenstadt zu einer Explosion. Der damals 32-jährige Dr. Knarf sei «panisch, brennend und ohne Hände» über die Strasse gelaufen, zitierte damals der Kölner «Express» Augenzeugen. Eine Fehlinformation, wie sich später herausstellte: Seine Hände waren so schwer verbrannt, dass sie kaum noch zu erkennen waren.

Der Rapper hatte zusammen mit einem Kollegen in seinem Tonstudio Drogen hergestellt – ein hochkonzentriertes Cannabisextrakt. Dabei waren zwei Propangasflaschen explodiert.

Die beiden Männer wurden schwer verletzt in eine Spezialklinik für Brandopfer eingeliefert. Beide lagen im Koma. Knarfs Überlebenschancen würden als «gering eingestuft», hiess es. Bis zu 80 Prozent seiner Haut waren verbrannt. Wie es seinem Kollegen heute geht, ist nicht bekannt.

So zeigte sich die Situation vor Ort kurz nach dem verheerenden Unfall:

(Video: Youtube/Express)

Dr. Knarf in seinem Tonstudio 2016:

Er kämpfte sich zurück ins Leben

Fast drei Jahre nach dem Unfall meldete sich Knarf gestern in einer Videobotschaft auf Facebook zurück (siehe oben). Die schockierenden Bilder verbreiteten sich wie ein Lauffeuer: Knarf zeigte sich mit halber Schädeldecke in einem Rollstuhl sitzend. Und er schilderte seine Torturen, die er seit der Explosion durchleben musste.

Drei Monate lang lag er im Koma und erlitt dabei vier Schlaganfälle. Dadurch sei sein Gehirn so sehr angeschwollen, dass ein Teil seiner Schädeldecke entfernt werden musste. «Daher sieht mein Kopf auch so sympathisch aus», sagt Brenner. Seit dem Koma sei er ausserdem halbseitig gelähmt.

Aber: «Ich bin noch am Leben», sagte er. Und er will wieder Musik machen. Er arbeite derzeit an einem neuen Album – «Prometheus», das kurz vor dem Unfall hätte herauskommen sollen.

(kfi)